Nagel unterm Autoreifen: Kollege gerät unter Verdacht

Auf dem neuen Schachtgelände in Pöhla kam es vor einem Jahr zu mehreren Angriffen auf Autos und Geräte. Jetzt stand ein Verdächtiger vor Gericht.

Aue/Pöhla.

Die Nachtschicht vom 27. zum 28. September 2017 verlief ziemlich turbulent auf dem Betriebsgelände der Bergbaugesellschaft Saxony Minerals and Exploration in Pöhla. Dort, im Luchsbachtal, lässt das Unternehmen seit geraumer Zeit einen Erkundungsschacht in die Tiefe treiben, aus dem später einmal unter anderem Zinn gefördert werden soll. Die Mitarbeiter sind mit Eifer bei der Sache, aber in jener Nacht mussten sie ihre Arbeit zweimal unterbrechen, weil die Polizei anrückte, um sie zu befragen.

"Zuvor waren fünf, sechs Autos zerkratzt worden", erzählte diese Woche einer der Männer als Zeuge vor dem Amtsgericht in Aue. "Es gab auch Probleme an elektrischen Anlagen. Stecker waren halb gezogen, Sicherungen halb herausgedrückt." In jener Nacht war wieder eines der abgestellten Autos der Bergleute zerkratzt worden. Der Besitzer rief die Polizei. Die Beamten besahen den Schaden, nahmen eine Anzeige auf und redeten mit den Männern.

"Nach der Vernehmung wollten wir zurück zur Baustelle, da kam er uns entgegen", sagte ein anderer Zeuge. Er - das war der neue Kollege, der erst im Monat davor angefangen hatte. Ein heute 51 Jahre alter Mann aus Schwarzenberg, den die anderen in Verdacht hatten, weil ausgerechnet Anlagen in seinem Verantwortungsbereich manipuliert wurden. In jener Nacht sahen ihn die beiden Zeugen, wie er um ein Auto herumschlich und sich an einem der Hinterreifen bückte. Als sie nachsahen, stand ein Nagel unter dem Reifen. Sie riefen erneut die Polizei.

Die Staatsanwaltschaft Chemnitz warf dem Schwarzenberger einen Versuch des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr vor. "Wäre der Reifen geplatzt, hätte das zu einem schweren Unfall führen können", sagte der Staatsanwalt.

"Mein Mandant hat die Straftat nicht begangen", erklärte Verteidiger Axel Schweppe. "Die Polizei war erst da gewesen. Dass er kurz darauf einen Nagel platziert, ist lebensfremd." Der Angeklagte äußerte sich nur spärlich. Nach einer Gehirn-OP habe er Defizite im Erinnerungsvermögen, ließ der Verteidiger wissen.

Da die Zeugen nichts Genaues gesehen hatten, sprach Richter Detlef Kramer den Schwarzenberger frei. "Ob Sie es waren, steht in den Sternen", sagte er. "Nur weil einer um ein Auto herumläuft, muss er nicht derjenige sein, der dem Auto etwas Böses will. Aufgrund von Vermutungen darf man keinen verurteilen."

Die Verfahren wegen der zerkratzten Autos wurden schon früher eingestellt. Wer die Sachbeschädigungen auf der Schachtbaustelle begangen hat, wurde nie ermittelt.

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