Neunjährige macht Neuhausen bekannt

Die Nussknackerprinzessin ist ein Markenzeichen der Schwartenberg-Gemeinde. Sieben Jahre lang gab es kein kindliches Pendant. Antonia Dietel beendet diese Durststrecke - mit Bravour.

Neuhausen.

Wer Neuhausen/Erzgebirge kennt, dem fallen zuerst der Schwartenberg, Schloss Purschenstein, das Nussknackermuseum und die Spielzeugfirma Sina ein. Ein Mädchen sorgt jetzt dafür, dass der Ort weit über das Erzgebirge hinaus bekannter wird. "Mehr als 1000 Klicks habe ich schon", jubelte die neunjährige Antonia Dietel schon vor Tagen, als sie auf das Handy ihrer Mutter schaute, und meinte damit die Anzahl jener Menschen, die in den sozialen Netzwerken Facebook und Youtube ein knapp vier Minuten langes Video über ihren Heimatort Neuhausen angeschaut hatten. Acht Sehenswürdigkeiten stellt die Grundschülerin darin vor und spricht außerdem mit der zehn Jahre älteren Nussknackerprinzessin Jenny Löschner.

"Aufgeregt war ich bei dem Dreh schon", berichtet Antonia Dietel. Vor allem der Besuch des Flugzeugmuseums in Cämmerswalde habe sie begeistert. "Ich durfte dort Parkeisenbahn fahren, und bei Sina gab es von der Chefin sogar ein Geschenk, ein Konzentrationsspiel", sprudelt es aus der Drittklässlerin heraus. Schon lange hatte sie davon geträumt, Kinderprinzessin zu werden. Vor zwei Jahren besuchte sie mit ihrer Mutter die Königliche Urlaubsmesse, zu der jedes Jahr Hoheiten aus ganz Mitteldeutschland in Neuhausen anreisen. So ein tolles Kleid wolle sie auch tragen, verkündete sie beim Anblick von Blütenkönigin, Rosenprinzessin und Co.

Die Mutter nahm den Wunsch ernst und schickte ihre Tochter ins Gemeindeamt, in dem sie auf Undine Weise, die Chefin der Touristinformation, traf. Die setzte sich mit Uwe Löschner, dem Chef des Nussknackermuseums und Organisator der Königlichen Messe, in Verbindung. Er war begeistert. Denn eine Kinderprinzessin gab es seit sieben Jahren nicht mehr. "Das muntere, aufgeschlossene und intelligente Mädchen passte genau zu meinen Vorstellungen für dieses Amt", sagt Löschner heute. Auch die Eltern von Antonia Dietel freuten sich über das Interesse ihrer Tochter. Im Internet fanden sie eine Schneiderei in Bayern, die Prinzessinen-Kleider herstellte. Wenige Tage später konnte Antonia ihr erstes Kleid zu Hause anprobieren - damals war sie sieben Jahre alt. "Ich war total stolz und meine großen Schwestern auch", berichtet sie noch immer euphorisch.

Die Idee für das Video mit der Kinderprinzessin hatte Undine Weise. "In der Corona-Krise war es recht still in unserem Ort. So habe ich mir überlegt, womit man etwas Leben reinbringen und gleichzeitig für den Ort werben kann. Da kam mir die Idee mit dem Video", erklärt die Touristikerin. Vorbild seien ihr dabei die Seiffener gewesen, die schon länger auf diese Weise für das Spielzeugdorf werben.

Antonia Dietel war gleich Feuer und Flamme für das Vorhaben. "Und so waren wir knapp einen Tag unterwegs, um an markanten Stellen zu drehen", so Undine Weise. Sie hatte ein kleines Drehbuch erstellt und es einige Tage an Antonia weitergeleitet, damit diese sich auf die Aufnahmen vorbereiten konnte. "Es war ein tolles Arbeiten mit ihr", sagt Undine Weise. Das Mädchen sei sehr aufgeschlossen und habe eine sehr gute Auffassungsgabe. "Nur wenige Szenen mussten wir zweimal drehen." Inzwischen hat auch Undine Weise bei Facebook mehr und mehr Aufrufe registriert. Auf der Internetseite von Neuhausen unter der Adresse www.neuhausen.de kann das Video ebenfalls aufgerufen werden.

Derweil bereitet die Tourismus-Chefin schon ein neues Video vor. "Es war erst ein Anfang, wir wollen diese Form der Werbung für unseren Ort noch ausbauen", so Weise. Schließlich gebe es zahlreiche weitere Sehenswürdigkeiten und Gewerke, bei denen es sich lohne, mit der Kamera vorbeizuschauen.

Die junge Prinzessin findet es schade, dass es in diesem Jahr wegen der Coronakrise kein Königinnentreffen geben wird. Sie trägt ihr zweites Kleid und wartet gespannt auf den Herbst. "Da möchte ich zu einer Messe nach Leipzig oder Erfurt mitfahren und dort meinen Heimatort vertreten. Uwe Löschner hat mir hierfür schon das Okay gegeben", erzählt die Neunjährige. www.freiepresse.de/prinzessin

0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.