Pfarrer Rolf Scholz: Auch die Kirche steht vor einem Wandel

"Bleibt beieinander!" Das ist einer der Wünsche, die der in den Ruhestand gehende Seelsorger an die St.-Georgen-Gemeinde in Schwarzenberg richtet. Ein Rückblick nach ereignisreichen Jahren im Erzgebirge.

Schwarzenberg.

Nach elfeinhalb Jahren Amtszeit in Sankt Georgen endet am morgigen Sonntag in diesem Schwarzenberger Gotteshaus für Pfarrer Rolf Scholz der aktive Dienst in der hiesigen Kirchgemeinde. Der 65-Jährige wird feierlich verabschiedet und geht in den Ruhestand. Und er zieht, so sagte er im Gespräch mit "Freie Presse", mit seiner Frau Imma nach Chemnitz.

"Sie ist immer mit mir dorthin gegangen, wo ich tätig war: Erst von 1985 bis 1994 in Lößnitz, dann bis 2007 in Wolkenstein und seitdem bis jetzt in Schwarzenberg", blickt Scholz auf seine Zeit als Pfarrer. "Nun aber machen wir es umgekehrt. Da meine Frau noch ein paar Jahre arbeitet, und das in Chemnitz, werde diesmal ich mitziehen."


Die Stelle an St. Georgen soll auf jeden Fall wieder besetzt werden, ist ausgeschrieben. Einen nahtlosen Übergang wird es allerdings nicht geben, also bis zur Neubesetzung eine Vakanz, "was aber nicht prinzipiell schlecht sein muss", so Scholz. Seine Zeit in Schwarzenberg wird er in guter Erinnerung behalten, sagt er, wenngleich diese Jahre sehr wohl auch von rückläufigen Zahlen in der Kirchgemeinde geprägt waren. Gab es zu Beginn seiner Amtszeit noch 3300 Gemeindeglieder, sind es derzeit nur noch gut 2700. Der demografische Wandel mache vor der Kirche nicht halt. Und so verwundert es nicht, dass Scholz auch offen von der bevorstehenden Strukturreform in der evangelisch-lutherischen Kirche in Sachsen spricht. Dabei sei St. Georgen in Schwarzenberg mit den beiden Schwestergemeinden Erla-Crandorf und Neuwelt noch eine vergleichsweise große Kirchgemeinde. Es ist mittlerweile kein Geheimnis mehr, dass es zu einem Zusammengehen mit den Kirchgemeinden von Raschau und Grünstädtel kommen wird. Bis Ende Juli soll entschieden sein, wie das organisatorisch bewerkstelligt wird: ob in der Form eines Kirchgemeindebundes oder in der Form, die auf Schwester-Kirchgemeinden baut.

"Kirche ist durchaus personalintensiv", sagt Scholz und zählt auf: Pfarrer, Diakone, Kantoren, Gemeindepädagogen Verwaltungsmitarbeiter und mehr. Deshalb sei ein Pfarrer heute auch keineswegs nur als Theologe gefordert, sondern müsse zudem oft auch das Organisationstalent eines Managers besitzen.

Nach dem Fortgang von Scholz aus Schwarzenberg wird zunächst Pfarrer Volker Burkart aus Raschau die Hauptvertretung übernehmen. Der Kirchenvorstand von Sankt Georgen will am 16. Mai einen neuen Vorsitzenden wählen. "Auch die Kirche ist im Wandel. Die Landeskirche kommt nicht umhin, neu zu strukturieren", so Scholz. "Doch das wird ein schwieriger Prozess", glaubt er. Denn schon heute falle es schwer, selbst innerhalb der Schwester-Gemeinden die Gläubigen zusammenzuführen. "Die Menschen sind es gewohnt, in ihre Kirche in Crandorf oder in die Bermsgrüner Kapelle zu gehen." Alle in einem Gottesdienst in St. Georgen zu vereinen - das Gotteshaus ist groß genug -, sei schwer.

"Der Geist einer Zeit macht vor den Kirchenmauern nicht halt", sagt Scholz mit dem Blick auf die jungen Menschen in seiner Gemeinde. Und er versteht, dass sie moderne Elemente, eine andere Sprache, ja auch andere Musik mögen und fordern. Was die Jugendarbeit und die Kirchenmusik angeht, sieht der scheidende Pfarrer St. Georgen in beiderlei Beziehung gut aufgestellt. Was kirchliche Veranstaltungen betrifft, mahnt er: Der von einigen favorisierte Event-Charakter sollte missionarische Inhalte nicht verdrängen.

Als eine "Sternstunde" seiner Amtszeit bezeichnet der Theologe die Erneuerung des Geläuts der St.-Georgen-Kirche. Der gemeinsame Kraftakt der Finanzierung mit dem Glockenförderverein, der Guss der Glocken in Innsbruck, deren öffentliche Weihe auf dem Markt sowie deren erstes Läuten am Vorabend des ersten Advents 2015 - das alles sei ja keineswegs selbstverständlich gewesen. Gern denkt Scholz auch zurück an den Tag der Sachsen 2013 in Schwarzenberg, als es sogar eine spezielle Kirchenmeile innerhalb des Festgebiets gab. Für ihn eine große und bunte Ökumene, die es lebendiger nicht geben könnte: "Da hat die Kirche als Teil der städtischen Öffentlichkeit eine verständliche Botschaft unters Volk gebracht." Den gemeinsamen Festgottesdienst zum Reformationsjubiläum 2017 in Schwarzenberg behält er ebenso in dankbarer Erinnerung wie die parkartige Lösung, die gemeinsam mit der Stadt für den alten Georgenfriedhof gefunden wurde.

Immer wieder sei ein Pfarrer auch Immobilienverwalter und Bauherr in Personalunion, erklärt Scholz. Bei einem solch altehrwürdigen Haus wie der bald 320-jährigen Kirche auf dem Felssporn gleich gar. "700.000 Euro sind da in meiner Zeit hier bestimmt investiert worden." Ein nächster Förderantrag ist schon gestellt, abgestimmt mit dem Denkmalschutz. Risse im Gebäude stellen eine Herausforderung dar. Bei Voruntersuchungen habe man Ursachenforschung betrieben. Heraus kam, dass diese Risse auch der freitragenden Decke geschuldet sein könnten. Im Gespräch sei derzeit der Einbau eines Ringankers. In einem nächsten Schritt müssten dringend die Fenster abgedichtet werden.

Im Ruhestand will Scholz nicht etwa faulenzen, sondern aktiv bleiben, wenn auch etwas anders als in den zurückliegenden Jahren. "Etwas für die Gesundheit tun, auch lesen, reisen, Englisch lernen, die Kinder besuchen." Ein Buch zu schreiben habe er nicht vor. "Ich habe gerne gepredigt, mich darauf immer gründlich vorbereitet. Vielleicht bietet sich ja dazu noch Gelegenheit." Und was wünscht Scholz der Kirchgemeinde? "Dass die Einheit gewahrt bleibt. Keine Einheitlichkeit, vielmehr die Zusammengehörigkeit in der Vielfalt. Bleibt beieinander!" Die christliche Verkündigung nicht mit politischen Stellungnahmen zu verbinden, halte er generell für ratsam. Die Menschen sollten wieder mehr die Not vor der eigenen Haustüre sehen, sich jenen zuwenden, die es schwer haben, und ihnen helfen.

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