Prickelnde Idee bei dieser Hitze: ZWW spendiert Wasserspender

Für eine Erfrischung unterwegs gibt es mittel- und kurzfristige Lösungen. Doch dafür braucht es Menschen, die bereit sind, ihre Türen für durstige Gäste zu öffnen.

Aue/Schwarzenberg.

Heute soll der heißeste Tag des Sommers 2018 werden. "Viel trinken", ruft man sich derzeit schon als Gruß zu. Damit ist natürlich Wasser gemeint, denn schließlich besteht der Mensch bei der Geburt zu 95 Prozent aus Wasser, was allerdings mit dem Alter abnimmt. Im Erwachsenenalter sind es nur noch etwa 70 Prozent, aber immerhin um die 40 Liter. Und bei Hitze, wie im Moment, muss da reichlich aufgefüllt werden.

"Wasser für alle" - mit dieser Forderung ist Ulrike Kahl, Vorsitzende des Kreisverbandes der Grünen im Erzgebirge, vor wenigen Wochen in die Offensive gegangen. Sie wünscht sich öffentliche Trinkwasserstellen, wie es sie in den Niederlanden, der Schweiz oder in Italien gibt.

"Das find' ich gut. Darüber haben wir auch schon nachgedacht", sagt Frank Kippig, Geschäftsführer des Zweckverbands Wasserwerke Westerzgebirge (ZWW). Das sei bereits vor gut einem Jahr Thema im Vorstand gewesen, sagt er. Und der ZWW habe sogar eine Lösung in petto: Wasserspender.

"Einen solchen haben wir 2012 im Kinderhaus in Bockau installiert, weil die Kinder wirklich sehr interessiert waren, was das Thema Wasser angeht. Die sind damals bei eisiger Kälte zum Hochbehälter gestapft", erinnert sich Kippig. Den Wasserspender hat ihnen der ZWW spendiert. Für die Wartung allerdings muss die Einrichtung sorgen.

"Das ist kein Problem", sagt Astrid Keil, die Leiterin der Johanniter-Kindereinrichtung "Zwergenhaus" in Bockau. Sie möchte den Wasserspender nicht mehr missen. "Unsere Kinder trinken seither mit Vorliebe Wasser", betont sie. Aber auch die Eltern und Großeltern der 150 Kinder nutzen das Angebot gern. Es sei sauber, gut gekühlt und jeder könne selbst bestimmen, ob und wie viel Sprudel reinkommt. "Die Kinder bevorzugen stilles Wasser", weiß Astrid Keil. Der Vorteil: Die CO2-Flasche hält sehr lange. Diese zu wechseln und die jährliche Wartung, seien die Kosten, die die Einrichtung trägt. "Gewartet wird der Automat zweimal im Jahr für 400 Euro. Eine Gasflasche kostet 33 Euro plus Pfand", so Keil. Eine Investition, die sie aber für absolut wichtig hält. "Unsere Kinder sind mittlerweile begeisterte Wassertrinker und weg von den ganz süßen Säften. Genutzt wird der Automat super, super gut", sagt die Kita-Chefin.

"Angeschlossen wird so ein Wasserspender ans normale Trinkwassernetz. Deshalb bieten wir gern an, in öffentlichen und gut frequentierten Einrichtungen, wie Bürgerbüros, Schulen, Rathäusern oder Touristinfos einen solchen Wasserspender zu installieren. Würden gut 20 bis 30 Einrichtungen aus unserem Verbandsgebiet Interesse bekunden, dann könnten wir gern einen Großauftrag starten. Ein Automat kostet so zwischen 3000 und 4000 Euro", sagt Frank Kippig. Zudem habe er sich auch schlau gemacht, dass dies sogar über das Leader-Programm im ländlichen Raum förderfähig wäre. Die Kosten für die Spender und die fachgerechte Installation würde der ZWW übernehmen. Wer einen aufstellen möchte, sollte sich melden, müsse aber dafür sorgen, dass das Geräte entsprechend gewartet wird. Das wäre die mittelfristige Lösung - denn aufgrund des Klimawandels wird es künftig viele heiße Sommer geben.

Die Sofortlösung heißt: "Refill". Dahinter verbirgt sich eine bundesweite Aktion, die von Stephanie Wiermann 2017 nach Deutschland geholt wurde. Sie hat es 2015 in der englischen Stadt Bristol entdeckt. Und eigentlich ging es der Hamburgerin darum, den Verkauf von Plastikflaschen zu minimieren. "Nehmt eure Trinkflasche mit, wenn ihr unterwegs seid, und lasst euch diese mit Wasser auffüllen", so der Grundgedanke der Aktion. Überall, wo jemand bereit ist - egal ob Geschäftsmann oder Behörde, Eiscafé oder Arztpraxis - eine Trinkflasche unentgeltlich mit Wasser aufzufüllen, entsteht eine Refill-Station. Gekennzeichnet wird diese durch einen blauen Aufkleber an der Tür oder der Schaufensterscheibe. Bislang ist diese Welle nur bis Chemnitz geschwappt. Seit gestern jedoch gibt es die erste Refill-Station in Schwarzenberg - und zwar im Grünen-Bürgerbüro von Ulrike Kahl am Markt 14. "Das können Sie schreiben, da mach ich mit", sagt sie und geht damit den schnellen Schritt zu "Wasser für alle" gleich selbst.

Wenngleich sie damit nicht ganz die Erste ist, denn in der Adler-Apotheke an der Oberen Schlossstraße steht schon seit Wochen für die Kundschaft eine Kanne frisches Wasser, das gratis ausgeschenkt wird. Und wer weiß, wo noch!

Abgeraten wird indes, sogenanntes Rohwasser aus Quellen oder gar Wasser aus Springbrunnen zu trinken, da Letzteres meist geschlossene Wasserkreisläufe sind. "Unser Trinkwasser hingegen ist einwandfrei", versichert Kippig. Na dann: Prost!

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