Silberberg: Ämterverteilung umstritten

Die Lößnitzer Vorschläge für die geplante Einheitsstadt stoßen in Bad Schlema und Aue auf wenig Gegenliebe. Wie soll daraus ein Kompromiss werden?

Aue.

Auf Augenhöhe verhandeln. Das fordern die Vertreter der Silberberg-Kommunen immer wieder. Sie zeigen sich einig darüber, dass es nur so geht. Aber da ist natürlich noch die Frage: In welcher Höhe sitzen die Augen von Aue, Lößnitz und Bad Schlema? Und wo blicken sie hin?

Zuletzt hatte der Lößnitzer Bürgermeister Alexander Troll (CDU) einen Plan vorgelegt, wie die Ämterverteilung in der geplanten Einheitsstadt aussehen soll. Der Sitz des Oberbürgermeisters ist dabei ebenso in Lößnitz angesiedelt, wie das Hauptamt, die Finanzverwaltung, das Šchulamt, das Rechtsamt und das Bauamt. Für Aue sind Ordnungsamt, Gewerbeamt, Sozialamt und Wirtschaftsförderung vorgesehen. Außerdem soll Aue Sitz der gemeinsamen Stadtwerke und der Gesamt-Wohnungsgesellschaft werden. Alles wichtige Ämter - aber Lößnitz als Oberbürgermeistersitz?

Alexander Troll beruft sich hier auf die historische Bedeutung seiner Stadt. Die Muhme sei die älteste Kommune des geplanten Dreierbundes und war einst Hauptstadt der Grafen von Schönburg. "Außerdem wurde das alles bereits vor zehn Jahren nach einer Diskussion der Silberberg-Städte so niedergeschrieben", sagte Troll. "Man kann nicht kurz vor Schluss alles anders machen." Der Bad Schlemaer Bürgermeister Jens Müller (Freie Wähler) hat diese Woche einen Gegenvorschlag unterbreitet. Viele Ämter, die Lößnitz haben will, hat er Aue zugeordnet, und umgekehrt einige Auer Ämter den Lößnitzern zugeschlagen, etwa das Gewerbeamt, die Liegenschaftsverwaltung und das Sachgebiet Forst und Jagd. "Außer der Historie muss man auch Kriterien wie Zentralität, Erreichbarkeit, Wirtschafts- und Arbeitsströme und das Platz- und Raumangebot beachten", sagte Müller. "Lößnitz müsste anbauen, wenn es all die Ämter bekommt, die es haben will."

Der Oberbürgermeister gehört Müllers Meinung zufolge nach Aue. Dass man Lößnitz den OB-Sitz versprochen habe, sei so nicht richtig: "Das wurde auf spaßige Art und Weise geäußert. Es herrschte eine lockere Atmosphäre. Der damalige Lößnitzer Bürgermeister Gotthard Troll sagte sinngemäß: Ich mache alles mit, wenn wir OB-Sitz werden. Wir anderen sagten: Alles klar." Für Bad Schlema selbst fordert Müller Kurgesellschaft, Museumswesen, Hauptbibliothek, das Sachgebiet Tourismus und Kultur sowie das Sozial- und Jugendamt. Im Grunde das, was der Lößnitzer Vorschlag für Schlema ohnehin vorsieht.

Der Verteilungsstreit tobt also vor allem zwischen Aue und Lößnitz. Der Auer Oberbürgermeister Heinrich Kohl (CDU) hat seinem Lößnitzer Amtskollegen diese Woche einen Brief geschrieben - offenbar ohne konkrete Forderungen, nur mit einem Gesprächsangebot. Dass Aue von Trolls Vorschlägen wenig begeistert ist, zeigte sich in einer nichtöffentlichen Ratssitzung. Lößnitz manövriere sich in eine Sackgasse, wenn es seine Forderungen nicht zurückschraube, ließ der Auer Stadtrat Tobias Andrä (parteilos) hinterher durchblicken.

Zu weiteren Gesprächen sei er bereit, sagt Troll. Dass sich der Lößnitzer Blickwinkel dabei stark ändert, ist aber kaum zu erwarten.

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