Stadt investiert und baut trotzdem Schulden ab

An der Perle des Erzgebirges, wie sich Schwarzenberg gern nennt, ist in den vergangenen Jahren eifrig geputzt worden. Dafür stehen nicht nur viele Bauprojekte, sondern ebenso konzeptionelle Arbeiten. Allerdings gibt es auch noch offene Baustellen.

Schwarzenberg.

Passender Zufall: Der Abschluss eines der anspruchsvollsten und mit rund 2,5 Millionen Euro teuersten Projekte der Stadt Schwarzenberg in den vergangenen Jahren fällt zeitlich mit dem Auslaufen der Wahlperiode des Stadtrates zusammen. "Das Sanieren des historischen, denkmalgeschützten Herrenhofs in Erla war ein Kraftakt. Doch die Suche nach Finanzhilfen hat sich gelohnt", sagt Oberbürgermeisterin Heidrun Hiemer (CDU). "Dass die Kommune die Sache selbst in die Hand nahm, hat der Stadtrat mit getragen. Wenn die Montanregion Erzgebirge im Juli als Unesco-Welterbe anerkannt wird, sind wir mit dem Herrenhof dabei." Ein Eröffnungstermin steht noch nicht fest, die Außenanlagen sind in Arbeit.

Freilich gab es Stimmen im Rat, die warnten, die Stadt könnte sich übernehmen. So auch beim Einrichten des Museumsdepots mit Schauteil im sanierten Bahnhofsgebäude. "Der Museumsbeirat diskutierte mit uns Für und Wider", erklärt Hiemer. "Letztlich wurde das Haus von 1858 vor dem Abriss bewahrt. Die jetzige Nutzung ergänzt sinnvoll, was mit aufwendigen Sanierungsarbeiten und dem Neuprofilieren der Dauerausstellung im Schloss begann."


Bauprojekte gab es einige in den zurückliegenden Jahren. In der Altstadt wurde die Obere Schlossstraße barrierefrei umgestaltet, zwei vom Verfall bedrohte Häuser bekamen mit städtischer Unterstützung eine Perspektive. Ob das im Parkraumkonzept - auch hier wirkte ein Beirat mit - enthaltene Parkhaus gebaut wird, ist noch offen. Nach einem langwierigen Planungsverfahren besteht inzwischen Baurecht.

Der Stadtumbau mit Abriss und Umgestaltung wurde vor allem in Sonnenleithe, Heide und in der Neustadt vorangetrieben. Viele notwendige Bauarbeiten an Straßen und Versorgungsleitungen strapazierten die Geduld von Anliegern und Kraftfahrern. Wohnbaustandorte kamen in Abstimmung mit Investoren am Birkenweg in Sachsenfeld und an der Auer Straße in Neuwelt hinzu. Auch das Umsetzen des Standortkonzepts für die Stadtwerke an der B 101, für Bauhof und Wohnungsgesellschaft an der Grünhainer Straße wertet das Stadtbild auf. Ihrer Fertigstellung gehen der Sauna-Anbau am Hallenbad in Sonnenleithe und das Bürgerbüro im umgebauten Rathaus-Erdgeschoss entgegen.

In den eingemeindeten Orten gab und gibt es ebenfalls Baustellen. Beispiele: In Pöhla wurde das alte Rathaus zum multifunktionalen Mehrzweckgebäude, in Bermsgrün sind Sanierungen im Holzhaus am Sportplatz in die Wege geleitet, in Erla-Crandorf sanierte man Haus 2 der Grundschule, in Grünstädtel ist das Beseitigen umfangreicher Hochwasserschäden abgeschlossen. Und alle vier Ortschaften sind in den beginnenden Ausbau des Breitband-Internetangebots in bisher unterversorgten Bereichen einbezogen.

Auf der städtischen Ergebnisliste steht Etliches, was demografischen Entwicklungen Rechnung trägt und in die Zukunft gerichtet ist. Dazu zählen nicht nur die Investitionen in Schulen und Kindertagesstätten, sondern beispielsweise auch das Erweitern des Standesamtsbezirks um die Bereiche von Raschau-Markersbach und Grünhain-Beierfeld, das Erarbeiten einer gemeinsamen Tourismuskonzeption mit Grünhain-Beierfeld und Lauter-Bernsbach, das Kleingarten-Entwicklungskonzept, ja selbst die Friedhofskonzeption.

Für Waldbühne und Naturtheater gelten überarbeitete Nutzungskonzepte. Zu den kulturellen Aspekten gehört, dass beim Altstadt- und Edelweißfest - bewährter Besuchermagnet wie der Weihnachtsmarkt - kein Eintritt mehr fällig ist und das Kneipenfest zum dritten Festtag an jenem August-Wochenende wurde.

Das alles kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch Themen liegen blieben oder noch nicht fertig bearbeitet sind. "Wie die Sportstättenkonzeption", räumt Hiemer ein. "Die Vorleistungen beim Überarbeiten ziehen sich länger hin als gedacht, die Diskussion mit betroffenen Vereinen, die Meinungsbildung im Rat zu möglichen Änderungen." Ein Problem sei die vom Gericht für herrenlos erklärte Herrenmühle, "die uns nie gehört hat", betont die Oberbürgermeisterin. "Die Stadt hat ein Aneignungsrecht, das wir aber nicht wahrnehmen." Dass sich kein ernsthafter Interessent mit tragfähigem Konzept findet, sei traurig. Die Zeichen stünden daher auf Abriss.

Die Kommune selbst baute trotz vieler Investitionen und der Pflichtaufgaben ihre Verbindlichkeiten ab. Bereits im Halbjahresbericht 2018 kündigte Thomas Heidler, der im Rathaus das Sachgebiet Finanzmanagement leitet, an, dass die Stadt - allerdings ohne ihre Gesellschaften - planmäßig 2021 schuldenfrei sei.


Was sich Bürger wünschen

Nadine Petri (29) aus dem Ortsteil Grünstädtel bedauert, dass es dort kaum Aktivitäten für Kinder gibt. "Eine positive Ausnahme ist unser Reitsportverein. Dort nutzen wir gern auch das Ponyreiten." Die Spielplätze in Grünstädtel seien wenig ansprechend. "Unsere Kindertagesstätte, das Spatzennest, ist toll, das Personal super. Aber wenn ich mir dort die Sanitäranlagen anschaue, weiß ich, dass sie bald mal saniert werden müssten."

Steffen Georgi (57) aus dem Stadtteil Sachsenfeld sieht direkt vor seiner Haustür Handlungsbedarf. "Gerade in Sachsenfeld sind die Straßen in desolatem Zustand. Da ist in den vergangenen Jahren wenig passiert." Positiv sei das große städtische Angebot an Sportstätten, in die auch immer wieder investiert werde. "Da ich viel mit dem Rad und als Wanderer unterwegs bin, fällt mir auf, dass die Hauptwege gut ausgeschildert sind, an den Nebenwegen aber Nachholbedarf besteht. Da sind auch viele Sitzgelegenheiten inzwischen nicht mehr vorhanden."

Annelie Oeser aus dem Stadtteil Sonnenleithe wünscht sich, dass in Schwarzenberg mehr Projekte gestaltet und damit mehr Leute aktiviert werden. "In Sonnenleithe ist die Sauberkeit ein Problem. Im Gras und am Straßenrand liegt oft Müll. Der sollte regelmäßig beseitigt werden." Auch gebe es richtige Schmuddelecken, beispielsweise eine alte Betonbude am Fichtbusch, die als Treff von Jugendlichen dient. Die Altstadt sei ordentlich und gepflegt. "Es wäre schön, wenn sich das auch auf die Randgebiete ausweitet." (klin)


Diese Kandidaten treten an

Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU): Ruben Gehart, Lilly Vicedom, Christof Dehnel, Yves Paul Schwengfelder, Jana Süß, Falk Haude, Tom Seemann, Barbara Ficker, Maximilian Clauß, Sascha Elze, Christine Matko, Thomas Mehlhorn, Gerd Schlesinger, Ulrike Schröder-Schubert, Dirk Gräßler, Detlef Seidel, Jan Beschorner, Bertram Wurlitzer, Torsten Hinkel, Andreas Schmidt, Sven Hähnert, Erik Scherner, Kerstin Koch, André Dürigen.

Die Linke (Die Linke): Hubert Protzel, Annelore Liebchen, Gisela Schmidt, Wolfram Dittmann, Steffi Hage, Ronald Krauß, Thomas Glaser, Heinz Klaus Günther, Axel Blechschmidt, Lars Stöckner, Marcel Kieselbach.

Pro Schwarzenberg (Pro): Jörg Beier, Lydia Schönberg, Jens-Uwe Rehn, Enrico Becher, René Richter, Peggy Lang, Stefanie Richter-Rehn.

Freie Demokratische Partei (FDP): Dr. Tobias Rockstroh, Martin Kandt, Gudrun Regina Dötschel, Monique Weber, Lars Badzio, Ellen Kandt, Jan Riedel.

Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD): Jürgen Weigel, Gerd Weigel.

Bündnis 90/Die Grünen (Grüne): Werner Lobeck, Dunja Schulze, Roland Küblböck, Martina Ludwig, Christian Matthias Arnold, Andrea Groh, Ute Rademann, Max Krätzschmar, Herdis Klarmann, Christine Hilde Scheidewig, Peter Paul Brockhage, Ulrike Malek.

Alternative für Deutschland (AfD): Matthias Schlegel, Christian Ficker.

Freie Bürger Schwarzenberg (FBS): Jens Döbel, Danilo Alessandro Haase, Marcel Lebelt, Dirk Schumann, Sven Wendler, Jörg Klaus Oestreich, Wolfgang Gerhard Werner Jarchow.

Freie Wählervereinigung Sport Pöhla (FW Sport): Günter Sommer, Andreas Weißflog, Sandro Lindner, Sophie Epperlein.

Wirtschafts- und Gewerbeverein Region Schwarzenberg (WGV): Silke Voigt, Klaus Blechschmidt, Axel Schlenkrich, Detlef Rudolph, Lars Lippert, Erik Weber, Matthias Puschnik, Rico Uwe Hübner.


Zahlen und Fakten

Schwarzenberg besteht aus zehn Stadtteilen und den vier eingemeindeten Ortschaften Bermsgrün, Erla-Crandorf, Grünstädtel und Pöhla.

Die Gesamtfläche der Kommune, die sich in Höhenlagen von etwa 400 bis 823 Metern über dem Meer erstreckt, beträgt 46,24 Quadratkilometer.

16.755 Einwohner hatte Schwarzenberg Ende des Jahres 2018.

Partnerstädte sind Wunsiedel in Franken, Borchen in Nordrhein-Westfalen und Nove Sedlo in Tschechien.

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