Städtepartnerschaft war schnell besiegelt

Herbst 89 Unmittelbar nach dem Fall der Mauer begaben sich zwei Schwarzenberger in die Spur, um ihren Skiverein zu retten. Doch daraus wurde am Ende sehr viel mehr.

Schwarzenberg.

Bei ihrem ersten und spontanen Besuch im Fichtel-gebirge im November 1989 hatten Wilhelm Schaberich und Steffen Schulze zwei Kontakte geknüpft, die für die Stadt Schwarzenberg auf Jahre sehr hilfreich sein sollten.

Zum einen wussten sie nun, dass eine Vereinsgründung ihren Skiclub sichern könnte. Wenngleich zu diesem Zeitpunkt noch völlig offen war, ob, wie und wann das Ganze überhaupt spruchreif oder umsetzbar werden sollte. Schließlich existierte die DDR ja noch. Zum anderen waren sie bei ihrem Besuch in der Stadtinformation Wunsiedel auf Arnold Knott gestoßen. Einen Mann, der "völlig unproblematisch" den Kontakt zum damaligen Bürgermeister von Wunsiedel, Karl Walter (CSU), herstellte. "Knott hat sofort den Bürgermeister rangeholt. Der hat seine Termine verschoben und ist mit uns in den Wunsiedler Hof eingerückt", erinnert sich Schaberich. Dort habe man bis zum späten Abend gesessen, geredet und beiderseitig Interesse an "mehr" bekundet.

Bereits im Dezember 1989 folgte ein Besuch einer offiziellen Delegation der Stadt Schwarzenberg in Wunsiedel. Zuvor, so verriet Schwarzenbergs damaliger Bürgermeister Klaus Knauer (CDU) in dieser Runde, habe er "inkognito" die Sechsämterstadt besucht, um sich selbst ein Bild von Wunsiedel zu machen. Beim ersten offiziellen Besuch im Dezember konnte Knauer dann eine überdimensionale Unterschriftenrolle übergeben, auf der mehr als 350 Schwarzenberger mit ihrer Unterschrift den Wunsch nach dieser Partnerschaft unterstützt hatten. Wohlgemerkt: Mitte Dezember 89!

Doch das kümmerte beide Seiten wenig. Jürgen Rauh, der damals als Redakteur bei der Zeitung "Der neue Tag" in Wunsiedel tätig war, erinnert sich: "Ich bin gleich noch im November zu euch rüber gefahren und war zunächst erschrocken. Alles war so schwarz und dreckig. Aber die Leut' war'n nett", sagt er heute. Inzwischen ist er 77 Jahre und denkt gern an die turbulenten Zeiten zurück: "Mal hat der Schaberich angerufen und gesagt: ,Du, wir brauchen A4-Briefumschläge' - also bin ich los gefahren. Oder Kopierer und Kopierpapier." Es sei anfangs vor allem praktische und materielle Hilfe gewesen, die die Wunsiedler den Erzgebirgern haben angedeihen lassen.

Intensiv haben "Der neue Tag" in Person von Jürgen Rauh wie auch die "Frankenpost" über die anfangs intensiven Besuche auf beiden Seiten berichtet. Anfang Januar titelte "Der neue Tag" beispielsweise "Wirtschaftliche Probleme sind riesengroß" - und reflektierte darin ein Treffen des Vorstandes vom Gewerbeverein Wunsiedel im Schwarzenberger Rathaus. Es wurde über Versorgungsprobleme, Engpässe, lange Wartezeiten und die nunmehr fehlende D-Mark diskutiert. Allerdings, und so schrieb Rauh später: "ohne die neuen Gesetze weiß man nicht, wie diese Hilfe aussehen soll." Doch sie kam. Ebenfalls schnell und unkompliziert. Die Wunsiedler gingen kräftig in Vorleistung für eine Freundschaft, die sich aber nicht nur auf "offizieller Ebene" zwischen den Rathauschefs abspielte. Denn schon Anfang Januar wurden Neujahrswünsche von Schwarzenbergern in der Wunsiedler Zeitung veröffentlicht, verknüpft mit der Bitte nach Kontakten. Damals mit Name und Adresse. Heute wäre das angesichts des Datenschutzes wohl undenkbar. Bis heute lebt die Städtepartnerschaft vor allem auf der Basis privater Freundschaften.

Die Probleme auf beiden Seiten sind heute ähnlicher Natur. Die Begegnungen seltener, aber immer wieder herzlich. So auch am heutigen Freitagabend. Da hat die Stadt Schwarzenberg die Wunsiedler zu einer kleinen Festveranstaltung ins Ring-Kino eingeladen. Gezeigt wird der Film: "Der Zug in die Freiheit!"

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