Stoßgebete für einen Parkplatz: Der Kampf der Pflegedienste

Der Winter hat die Region fest im Griff. Mit Fräsen versuchen die Kommunen den Schneemassen Herr zu werden. Doch noch immer haben es Autofahrer schwer - vor allem diejenigen, die von Berufswegen pünktlich sein müssen. Eine Fahrt mit einem ambulanten Dienst.

Aue/Schwarzenberg.

So viel Schnee haben die Erzgebirger lange nicht mehr gesehen. Auch wenn viele behaupten, dass es sich um ganz normalen Winter handelt, bringen die Schneemassen dann doch den ein oder anderen zum Verzweifeln. Busunternehmen, Müllabfuhr und all die anderen, die aufgrund ihres Berufes ständig auf den Straßen der Region unterwegs sind, haben ihre Not mit den Schneehaufen, zugeschobenen Parkplätzen, verengten Straßen. Zu ihnen gehören auch die mehr als 100 ambulanten Pflegedienste im Erzgebirgskreis.

Egal ob früh oder spät, Sonnenschein oder Schneesturm - die Mitarbeiter machen sich auf den Weg und müssen ankommen. Eine von ihnen ist Cornelia Singer (41) von der Volkssolidarität Schwarzenberg. Die gelernte Krankenschwester arbeitet seit 1999 im Zweischichtsystem bei dem gemeinnützigen Verein, einen Großteil davon im Frühdienst. Alle paar Wochen muss sie zudem am Wochenende ran.

Es ist kurz nach 4 Uhr am Nachmittag. Cornelia Singer ist auf einer ihrer Touren, auf denen sie jeweils zwischen 10 und 30 Patienten im Gebiet Schwarzenberg bis Rittersgrün und Raschau-Markersbach betreut. Heute stehen insgesamt 28Patienten auf dem Programm, bei denen die Pflegerin Medikamente verabreicht, Spritzen setzt, Verbände anlegt oder auch die Patienten wäscht, anzieht, ins Bett bringt. Die kalkulierte Zeit pro Patient ist knapp und reicht von fünf Minuten, wenn sie nur Medizin verabreichen muss, bis zu 30 Minuten, um zu Baden. "Ich empfinde es selbst als straffes Programm und hätte gern fünf Minuten mehr Zeit, um mich mit den Leuten zu unterhalten."

In den Wintermonaten hat die Volkssolidarität für den ambulanten Pflegedienst extra zwei Autos mit Allrad bereitgestellt. Eins fährt Cornelia Singer; dennoch benötigt sie bei Schneetreiben für ihre Tour immer wieder länger. Das liegt vor allem an den Schwierigkeiten, einen freien, geschippten Parkplatz zu finden. Eben mal schnell rechts ranfahren, das geht derzeit nicht. "Manchmal findet sich noch eine kleine Parkbucht in der Grundstückseinfahrt", erzählt Cornelia Singer. Doch oft muss sie sich auf einem nahegelegenen öffentlichen Parkplatz stellen und die restlichen Meter laufen. Wenn die Wege weiter werden, gerät der knappe Zeitplan allerdings völlig aus dem Ruder.

Als Cornelia Singer an diesem Nachmittag zu einer Patientin im Bockauer Weg will, ist wieder einmal nirgends ein freier Parkplatz zu sehen. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als auf einem Fußweg zu halten. Das Problem haben auch andere - kaum zwei Minuten später quetscht sich das nächste Pflegedienstauto neben sie. "Ich werde auch öfters angegangen, weil andere das Gefühl haben, ich nehme ihnen den freigeschippten Parkplatz weg", klagt sie.

Trotz Schneemassen: Einen Unfall hatte sie in diesem Winter noch nicht. Auch ihre Kollegen seien bisher unfallfrei unterwegs. In den vergangenen Jahren habe es aber schon das ein oder andere Mal gekracht. Ihr Tipp für verschneite Straßen: "Wichtig ist, dass man bei einem steilen Berg mit dem zweiten Gang anfährt, oder schnell vom ersten in den zweiten Gang hochschaltet." Ob glatte Straßen oder Minustemperaturen im zweistelligen Bereich - für ihre Patienten nimmt die Schwarzenbergerin solche Strapazen in Kauf. Schließlich ist ein anschließendes Lächeln von ihnen der schönste Lohn für sie. (mit aed)

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