Wie Erzgebirger in aller Welt Advent feiern

Schwibbogen, Männel und Stollen gehören für viele Erzgebirger zur Vorweihnachtszeit. Doch an welchen Traditionen halten jene fest, die nun woanders wohnen?

Aue/Schwarzenberg.

Wie fühlt es sich an, wenn das eigene Haus das einzige mit Schwibbögen ist, inmitten einer blinkenden, bunten US-amerikanischen Nachbarschaft? Auf einen Aufruf unter 13.500 Facebook-Fans der "Freien Presse Erzgebirge" haben sich Erzgebirger aus aller Welt gemeldet und berichtet, wie sie in der Ferne Advent feiern. Hier eine Auswahl.

Nach Lichtenfels in Oberfranken hat Sandra Wöhner erzgebirgischen Weihnachtsgeist gebracht. In jedem Fenster steht ein Schwibbogen und Öfen und Männeln räuchern. "Mir persönlich gefällt es am besten, wenn die Omis der Nachbarschaft vor den Fenstern stehen bleiben und sagen: 'Das ist so schön, Weihnachten im Erzgebirge möchten wir auch noch mal erleben'", so die frühere Johanngeorgenstädterin.

Aus Washington D.C. berichtet Anke Mann: "Besonders in der Weihnachtszeit ist es schwierig, kein Heimweh zu haben." Das Haus der Familie sticht in der Nachbarschaft heraus. Seit 20 Jahren wohnt die Thalheimerin in der US-amerikanischen Hauptstadt. Ringsum sind die Häuser mit blinkenden Lichtern und teils aufblasbaren Figuren dekoriert. Bei Anke Mann stehen Schwibbögen in den Fenstern. Mittlerweile freuen sich alle in der Familie darauf, wenn am ersten Advent die Männeln rausgeholt werden, der Schwibbogen ins Fenster gestellt wird, "und es naabelt, bis die Räucherkerzen alle sind", so Anke Mann. Das Gute am Leben in Metropolen in den USA sei, dass jeder woanders herkomme und die verschiedenen Bräuche toleriert werden.

In Berlin hat Weihnachten nach Erzgebirgsart die Familie von Andrea Dossler begeistert. Sie ist in Auerbach aufgewachsen und lebt nun an der Spree. Da gibt's am Weihnachtsabend nur Kartoffelsalat und Würstchen, berichtet sie. "Das ist mir als Erzgebirgerin einfach zu fade." So lud sie in einem Jahr die Familie zu sich ein, insgesamt 18 Personen aus Berlin, dem Erzgebirge und Thüringen. Die Tafel wurde festlich in Rot geschmückt, an jedem Platz stand eine Kerze und ein Geschenk. Zu essen gab es an festlich gedeckter Tafel Pilzsuppe, dann Bratwurst mit Sauerkraut und Kartoffeln und zum Nachtisch Obstsalat. Zum Hauptgericht wurde auch eine Scheibe Brot gereicht. Das steht beim Neinerlaa dafür, dass man immer Brot haben möge. Mittags gab es am Heiligabend Linsen, damit das Geld nicht ausgeht. Alle waren begeistert und erinnern sich gern daran, sagt die gebürtige Stollbergerin.

Im Västranorrland vermischen sich erzgebirgische und schwedische Traditionen bei Frank Richter. "Dank Post von Eltern und Freunden kommen wir in den Genuss von Christstollen, Glühwein und den Geruch von Räucherkerzen. Wir backen in der Adventszeit die Weihnachtsplätzchen von daheim, aber eben auch von hier. Auch beim Essen versuchen wir, beide Traditionen zu integrieren, weil wir zwar unsere deutschen Traditionen pflegen wollen, aber Schweden unsere neue Heimat geworden ist", so Richter, der aus Olbernhau stammt.

Aus Clayton im US-Bundesstaat North Carolina meldete sich Diana Thompson. Die Männeln wurden rechtzeitig vom Boden geholt, damit am 1. Advent alles geschmückt war, berichtet die frühere Gahlenzerin. Heiligabend gibt es stets ein kleines Neinerlaa.

Dieser Beitrag stammt aus dem digitalen "Freie Presse"-Adventskalender für das Erzgebirge. Zu finden im Internet unter: www.freiepresse.de/adventskalender

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