Wie Johann'stadt zu seinem Oswald-Breuer-Platz kam

Warum gehen junge Leute zum Schnitzen? In der Bergstadt hängt das auch mit Oswald Breuer zusammen. Morgen wird er 80 Jahre alt.

Johanngeorgenstadt.

Von einem vollen Haus zu reden, wäre eine Untertreibung, wenn Oswald Breuer donnerstags seinen Schnitzzirkel hält. Im Schnitzerheim Johanngeorgenstadt herrscht dann reges Treiben. Jugendliche arbeiten konzentriert mit Messern und Stemmeisen, Mädchen schnattern durcheinander. Richtig gelesen, unter den Nachwuchs-Schnitzern der Bergstadt sind auch vier Mädchen. "Sie kommen ja nicht nur wegen des Schnitzens her, sondern auch, weil sie sich was zu erzählen haben", sagt Breuer.

Wenn er sich da mal nicht irrt. "Mir war zu Hause langweilig, und Klöppeln, das ist nicht so meins", erklärt Fabienne (10), wieso sie sich für den Schnitzverein entschieden hat. Greta (9) berichtet: "Wir hatten eine Weihnachtsfeier im Schnitzerheim. Da haben wir mit Holz gebastelt. Da hab' ich zu meiner Freundin gesagt: Wollen wir nicht zum Schnitzen gehen?" Das machten sie.

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14 Jungen und Mädchen im Alter von 8 bis 17 Jahren gehören heute zur Nachwuchsabteilung der Fachgruppe Schnitzen im Erzgebirgszweigverein Johanngeorgenstadt, und Oswald Breuer ist ihr Lehrer. Morgen wird er 80 Jahre alt.

Nach Walter Pflugbeil (87) aus Schneeberg ist er der älteste noch aktive Schnitzlehrer im Erzgebirge. Seit 15 Jahren leitet er die Schnitzausbildung in Johann'stadt. "Als ich Rentner wurde, saß ich zuhause. Da war ich nichts", erinnert er sich. "Ich hatte Zeit, und hier haben sie einen Nachfolger gebraucht."

Er selbst schnitzt seit 1966. Mit 27 Jahren hat er angefangen. Ein bisschen spät, wie er meint: "Erst die Tischlerlehre, dann zur Armee. Eher hatte ich keine Zeit." Wie viele junge Leute er zum Schnitzen gebracht hat, hat er nicht mitgezählt. Von seinen acht Enkelkindern leben fünf in Johanngeorgenstadt - die sind alle dabei. Und zwei ehemalige Zirkelmitglieder, die heute in Chemnitz wohnen, kommen noch immer fast jeden Donnerstag vorbei. "Aber ein paar Jungen haben wir an den Fußball verloren", sagt er.

An ihm wird's nicht gelegen haben. Oswald Breuer ist bei allen, die in Johann'stadt schnitzen, anerkannt. "Wenn Os was sagt, stehen alle stramm", sagt Lucas Bergauer, der Vorsitzende der Schnitzer. Siegfried Ott, selbst ein Altmeister, hat vor dem Schnitzerheim eine Fläche pflastern lassen und ein Schild aufgehängt: Oswald-Breuer-Platz steht darauf. "Ich wollte ihm Ehre erweisen", sagt Ott. "Er ist unser guter Geist. Ohne ihn könnte ich mir unser Schnitzerheim nicht vorstellen."

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