83 historische Fahrzeuge zeigen sich von ihrer besten Seite

Das zweite Oldtimertreffen in Stollberg war früh beendet. Die Siegerprämierung fand fast ohne Fahrer und Besucher statt.

Stollberg.

Auf sein "Schätzchen" ist Willi Stegerer stolz. Gemeint ist ein in Ludwigsburg hergestelltes Zweirad. Aus einem Gefährt, was seinem Namen einst kaum noch Ehre machte, ist vor 35 Jahren unter seinen geschickten Händen ein ansehnliches und vor allem fahrbares Motorrad geworden. "Mich fasziniert die alte Technik, der Fahrkomfort und das Feeling alter Motorräder", sagt der 70-Jährige. Anfang der 1980er-Jahre kaufte er die Standard vom Typ AT 500 Baujahr 1928 einem Maurer ab. In zahlreichen Stunden hat der gelernte Landmaschinentechniker die Maschine wieder hergerichtet, will heißen komplett restauriert.

Am Samstag war der Mann aus dem oberpfälzischen Amberg-Sulzbach mit seiner schwarzen Standard und einer Doktortasche mit Hilfswerkzeug für den Notfall auf dem Gepäckträger auf dem Schillerplatz in Stollberg zu Gast. Zum zweiten mal hatte der Motorsportclub (MSC) Stollberg zum Oldtimertreffen eingeladen. Bei optimalem Oldtimer-Wetter konnten Besucher 83 betagte und auf Hochglanz gewienerte Autos, Mopeds und Motorräder bewundern. Die meisten Teilnehmer kamen gleich nach der Eröffnung, bereits am frühen Nachmittag leerte sich der Schillerplatz merklich, die Prämierung der Besten fand fast komplett ohne Fahrer und Zuschauer statt. Die Teilnehmer waren längst unterwegs zu anderen Veranstaltungen.


Henry Kehrers Motorradleidenschaft geht bis in die Kindheit zurück. "Vater und Onkel hatten Seitenwagengespanne, ich bin schon als kleiner Bub gerne mitgefahren", erzählt der Motorradfan aus Mülsen. In der Jugend schraubte er an verschiedenen Zweirädern, doch so richtig zufrieden war er nicht. Der zukunftsweisende Hinweis kam schließlich von seiner Mutter. "Eigentlich hatte doch der Onkel Manfred eine Pannonia." Das war es, so eine wollte er haben, das hatte er gesucht. Im Internet wurde er fündig, der "Scheunenfund", eine in Ungarn hergestellte Pannonia 250 de Lux Baujahr 1955 kam nach Mülsen und wurde von Henry Kehrer komplett restauriert. "Von Leder, Lack, Speichen bis zu den Schrauben - alles Handarbeit. So ein Motorrad ist am Ende ein einziges Unikat, welches man schonend und mit Verständnis fahren muss", sagt der leidenschaftliche Bastler. Der TÜV hatte bisher jedenfalls nichts zu beanstanden und seine Familie ist stolz auf ihren "Schrauber". Völlig entspannt und angstfrei unternimmt seine Frau Kerstin mit ihrem Mann im bequemen Seitenwagen Touren zu Oldtimertreffen. Für Tochter und Schwiegersohn begann sogar der Weg in die Ehe auf dem weißen Gespannfahrzeug. Sie wurden mit der Pannonia von Henry Kehrer zum Traualtar gefahren. "Die Braut mit dem ausladenden Hochzeitskleid und langer Schleppe in den Seitenwagen zu bugsieren, war schon eine Herausforderung", erinnert sich Kerstin Kehrer lachend. "Der Fahrtwind war das Beste, was mir passieren konnte auf dem Sozius angesichts der tropischen Temperaturen im August", sagte der Bräutigam. "Neue Generationen Seitenwagenfans stehen übrigens bei den Kehrers in den Startlöchern. Früher für den Sohn und heute für die Enkel baut der Tüftler die komfortable Sitzgelegenheit an den Roller.

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