Bayern-Witze und die sächsische Stimmungslage

Ein ehemaliger Sportschau-Moderator und zwei CDU-Politiker werfen sich im Stollberger Bürgergarten die Bälle zu. Wahlkampf auf dem Barhocker.

Stollberg.

Den ersten Applaus des Abends erhält der ehemalige Sportmoderator Waldemar Hartmann dafür, dass er Berlin als "voll bekloppte, chaotische und aggressive Stadt" bezeichnet, weshalb er nun in drei Wochen nach Leipzig ziehen wird. Das kommt gut an bei den knapp 50 Gästen am Montagabend im Stollberger Bürgergarten, in den die sächsische CDU zum Politik-Talk geladen hatte. Zwei Hartmanns - der andere, Christian Hartmann ist Fraktionschef im Landtag - sprechen über innere Sicherheit, Putin, den Kohleausstieg und die CDU in Berlin, die den Sachsen im Wahlkampf am besten helfen würde, so Christian Hartmann, wenn sie "Sommerpause machen" würden. Ergänzt wird die Runde durch Rico Anton, seit fünf Jahren im Landtag und CDU-Kandidat für den hiesigen Wahlkreis. Die drei Männer, auf Barhockern sitzend, duzen sich, das Jackett hängt von Anfang an weit weg.

Waldemar Hartmann, der gleich zu Beginn betont, seinen Anzug als Journalist für zwei Stunden an der Garderobe abgegeben zu haben, weil er Wahlkampf für Sachsens Ministerpräsidenten Michael Kretschmer macht, gibt sich als Moderator volksnah. Plaudert Anekdoten aus seiner Zeit beim Bayerischen Rundfunk aus, in der ein gewisser Markus Söder, der dort auch mal gearbeitet hat, Angst vor ihm hatte. "Weißbier-Waldi", wie er sich eingangs selbst nennt, scheut sich nicht, Angela Merkel als "Mutti" zu bezeichnen und über eine Klausur der Berliner Grünen in Prag zu urteilen: "Da krieg' ich Pickel. Sind die mit dem Gleitschirm dahin geflogen?"


Für die politischen Ansagen indes sind Rico Anton und Christian Hartmann zuständig. Letzterer, Rico Antons Vorgänger als innenpolitischer Sprecher der Fraktion im Landtag, betont, dass es mehr Personal an den Gerichten und Justizvollzugsanstalten geben soll und räumt ein, dass die Vergabe von Mitteln für den Straßenbau zuletzt nicht gut geklappt hat - jedoch nicht ohne den Seitenhieb, dass das dafür zuständige Wirtschaftsministerium von der SPD geführt wird. Inzwischen sei das Förderverfahren umgestellt worden, die Zusagen sollen zeitiger erfolgen, damit die Kommunen die Leistungen im Winter ausschreiben können, wenn sie günstiger sind. Beim Thema Breitbandanbindung im ländlichen Raum sagt Rico Anton, dass dies eines der wichtigsten Themen sei, bei dem mit der hundertprozentigen Förderung aber bereits einiges geschafft wurde. Doch da müsse noch mehr passieren. "Wir brauchen schnelles Internet, ohne das geht es nicht."

Eine Wahlkampfveranstaltung, die mit einem Witz über Franz Beckenbauer und Paul Breitner im Himmel auf einer Wolke endet - kann das funktionieren? "Auf jeden Fall. Es war großartig, eine aufgelockerte Stimmung", meinte Irmgard Kaschl aus Oberdorf. Die 83-Jährige nutzte im Anschluss noch die Gelegenheit, mit Christian Hartmann über die CO2-Steuer zu diskutieren. Sie betonte, nicht allein wegen "Waldi" da gewesen zu sein. "Mir hat das Format gut gefallen. Es war unterhaltsam und doch informativ."

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