Blick hinter die Kulissen eines geschlossenen Museums

Das Bergbaumuseum wird umgebaut, erst in der zweiten Hälfte 2023 wird es wieder eröffnet. "Freie Presse" stellt bis dahin jeden Monat ein ausgewähltes Objekt aus der Sammlung des Museums vor. Aktuell ist es das Modell eines Schachtes.

Oelsnitz.

Die Mitarbeiter des Oelsnitzer Bergbaumuseums nutzen die aktuelle Schließung wegen der Umbauarbeiten nicht nur zur Vorbereitung der künftigen Dauerausstellung, sie bearbeiten auch ihre umfangreiche Sammlung. Für Besucher meist nicht sichtbar, ist diese ein äußerst wichtiger Bestandteil der Einrichtung. Denn, so Mitarbeiterin Lea Ringel: "Es gehört zu den Kernaufgaben jedes Museums, Objekte zu sammeln und sie für die Nachwelt zu bewahren." Das Bergbaumuseum verfüge über eine große Sammlung von Sachzeugen, die mit dem sächsischen Steinkohlenbergbau und seiner Geschichte in Zusammenhang stehen. "Freie Presse" und das Bergbaumuseum stellen ab sofort jeden Monat ein Objekt aus einem anderen Bereich vor. Den Auftakt bildet das Modell des TiefbauschachtesII, der wie etwa 2500 andere Exponate zum Bereich Bergbautechnik gehört.

Das Tiefbauschacht-Modell ist 1,05 mal 0,65 mal 1,55 Meter groß und diente wie weitere Modelle ursprünglich dazu, den Schülern der Bergschule Zwickau die technischen Anlagen des Bergbaus zu verdeutlichen, erklärt Ringel. Es gebe die Ausführung der übertägigen Schachtfördertechnik wieder, die in den Jahren der Gründerzeit für die sächsischen Reviere vielfach Anwendung fand: den massiven Ma- lakowturm als Kräfte aufnehmende Umhausung eines eisernen Fördergerüstes, seltener eines hölzernen Seilscheibenstuhles.

Das Modell stellt einen Teil der Anlage des Tiefbauschachtes II dar, der in unmittelbarer Nähe des Zwickauer Innenstadtbereiches lag. Der Erzgebirgische Steinkohlen-Aktienverein hatte deshalb zunächst Probleme, die Genehmigung für seinen Bau zu bekommen. 1877 wurde der Schacht aber schließlich abgeteuft. Er wies einen runden Querschnitt mit einem Durchmesser von 4,6 Metern auf und hatte 1880 seine endgültige Tiefe von 640 Meter erreicht. Der Schacht wurde mit der Zeit unrentabel, 1937 erfolgte seine Stilllegung und schließlich 1941 - also vor 80 Jahren - wurde er verfüllt.

Das Herstellungsjahr des Modells ist leider nicht bekannt, erklärt Lea Ringel. Es sei jedoch auf jeden Fall vor 1908 gebaut worden. Denn in diesem Jahr wurde es auf einer Bergbauausstellung in Zwickau präsentiert, wie eine Fotografie aus den Beständen des Stadtmuseums Zwickau belege. Ringel: "Die Aufnahme zeigt auch, dass ursprünglich neben dem Turm noch weitere Teile der Schachtanlage zu sehen waren, die jedoch ebenso wie der originale Sockel nicht mehr erhalten sind."

Als die Bergschule Zwickau sich in den 1960er-Jahren mit der Ingenieurschule zur heutigen Westsächsischen Hochschule Zwickau zusammenschloss, wurde deren Sammlung teilweise aufgelöst. Das Exponat wurde 1964 dem Museum für Deutsche Geschichte in Berlin geschenkt. Im Zuge der Vorbereitungen für die Eröffnung des Bergbaumuseums in den 1980er-Jahren kam es zunächst als Dauerleihgabe zurück nach Sachsen. Da es eine große Bedeutung für die Geschichte des sächsischen Steinkohlenbergbaus hat, ging es schließlich in den Besitz des Bergbaumuseums über.

Das Januar-Monatsobjekt gehört zur bergbautechnischen Sammlung, die die vielen technischen Hilfsmittel, die im Bergbau benötigt wurden, umfasst - sei es beim Erschließen einer Lagerstätte und der damit verbundenen Vorgänge über und unter Tage, zur Gewinnung, zum Transport, zur Aufbereitung, zur Verarbeitung oder zur Veredlung der Rohstoffe. Da der Steinkohleabbau in Sachsen schon vor Jahrzehnten beendet wurde, ist diese Sammlung des Museums weitestgehend abgeschlossen.

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