Briefe ersetzen Besuche und der Blumensamen kommt frei Haus

Bei den "Dorf im Dorf"-Mitarbeitern ist in diesen Tagen Kreativität gefragt, um den Alltag unter Corona-Bedingungen zu meistern. Eine Herausforderung ist es schon, den geistig behinderten Bewohnern die besondere Situation zu erklären.

Hohndorf.

Auch das Leben im "Dorf im Dorf" hat sich durch das Corona-Virus verändert. Einrichtungsleiterin Nicole Elger ist aber vor allem froh, "dass wir bislang weder bei Bewohnern noch bei Mitarbeitern positive Fälle haben". Die Bewohner spüren die Veränderung natürlich, erklärt sie - auch weil die Werkstätten derzeit nicht geöffnet sind und der gewohnte Ablauf fehlt.

Darüber hinaus vermissen Bewohner und Angehörige ihre vertrauten Besuche. "Das versuchen wir mit Telefonaten und Briefen aufzufangen." Überhaupt seien die Mitarbeiter überaus kreativ, was die Tagesgestaltung angehe. "Die lassen sich immer wieder was einfallen." So sei beispielsweise der Morgensport auf dem Hof entstanden - "natürlich mit ausreichend Abstand". "Unsere selbst ernannten ,Nähbienen' unter den Mitarbeitern haben innerhalb kürzester Zeit Schutzmasken für Bewohner und Mitarbeiter genäht", erklärt Elger weiter. "Alle sind sehr engagiert."

Die Situation ist insbesondere wegen der geistigen Behinderungen vieler Bewohner nicht einfach. Man habe sie mit Informationen in sogenannter leichter Sprache über das Virus und den Umgang damit aufgeklärt, sagt Elger. Aber: "Das müssen wir immer wieder auffrischen und daran erinnern." Auch bei den nach wie vor regelmäßigen Besuchen bei den Männern und Frauen, die im Betreuten Wohnen untergebracht sind, sei das wichtig.

Dank des guten Wetters seien zum Glück Spaziergänge möglich. Auch die Werkstätten halten den Kontakt zu ihren Beschäftigten und sorgen für Abwechslung. "Sie haben den Werkstattgängern Samen zum Einpflanzen geschickt." Das werde nun unter Anleitung umgesetzt. "Ein schönes Bild, dass in der Krise auch etwas (zusammen-)wachsen kann", findet die Einrichtungsleiterin.

Keinen Einfluss hat Corona indes bislang auf die Arbeiten am neuen Altenpflegeheim mit Tagespflege, das in unmittelbarer Nachbarschaft entsteht. Der Rohbau ist fertig, nun geht es an den Innenausbau mit Elektro- und Sanitäranlagen, erklärt Fachvorstand Claudia Ott. Aktuell stehe der Fertigstellung im April 2021 nichts im Wege. Dass die Baukosten in den verschiedenen Gewerken in den vergangenen zwei Jahren überall gestiegen sind, sei allerdings auch bei den derzeitigen Ausschreibungen zu spüren. Man habe noch keine abschließenden Zahlen, aber sicher sei: Die einst anvisierten knapp 5 Millionen Euro Baukosten werden nicht zu halten sein.


Das "Dorf im Dorf"

Das "Dorf im Dorf" der Theodor-Fliedner-Stiftung umfasst fünf Häuser mit Mietwohnungen für Familien, deren Angehörige eine Behinderung haben, sowie eine aus zwei Häusern bestehende Wohnstätte für Erwachsene mit geistiger und Mehrfachbehinderung. Auch eine mobile Pflege gibt es.

Die evangelische Stiftung ist in Deutschland an 15 Standorten aktiv, betreibt Kliniken, Seniorenstifte und Wohnstätten. Die seit 1996 in Hohndorf ansässige Fliedner-Stiftung Sachsen ist ein 100-prozentiges Tochterunternehmen. (vh)

Coronavirus: Unser Angebot zur Lage in Sachsen, Deutschland und der Welt

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