Corona-Infektionskurve fällt ab - was das für den Erzgebirgskreis bedeutet

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Inzidenz sinkt unter bundesweiten Schnitt - Landratsamt reduziert Mitarbeiteranzahl bei Kontakt-Nachverfolgung

Aue/Schwarzenberg.

Nach immer neuen Höchstständen bei den Neuinfektionen hat sich die Corona-Situation in der Region zuletzt deutlich entspannt. Doch wie ist die Lage in den Kliniken, sind in der Region noch Infektions-Hotspots bekannt und wann wird es Lockerungen geben? "Freie Presse" beantwortet die wichtigste Fragen.

Wie ist die aktuelle Corona-Situation im Erzgebirgskreis?

Die Lage verbessert sich. Die Anzahl der Neuinfektionen im Erzgebirge ist weiter rückläufig. Am Donnerstag meldete das Robert-Koch-Institut für den Landkreis 56 Neuinfek tionen - das sind deutlich weniger als noch vor einigen Wochen. Da lag die tägliche Anzahl der Neuinfektionen nicht selten über der 300er-Marke. Neue Todesfälle im Zusammenhang mit Corona sind nicht bekannt geworden. Deren Gesamtanzahl seit Beginn der Pandemie beträgt 571. Die Anzahl der mit Sars-Cov-2 Infizierten liegt bei insgesamt 19.766. Das Durchschnittsalter aller bisher im Kreis amtlich bekannten Infizierten beziffert das Landratsamt mit 54 Jahren, bei den Verstorbenen liegt der Mittelwert bei 82 Jahren.

Diese Woche war erstmals auch die britische Corona-Variante im Kreis bei einer Person festgestellt worden. Ändert das die Lage?

Für Prognosen scheint es noch zu früh. Landrat Frank Vogel (CDU) sagte zum Nachweis: "Ob damit wieder ein Anstieg der Fallzahlen verbunden sein wird, kann heute keiner sagen." Der positive Befund der Variante B.1.1.7. war der Verwaltung am Mittwoch über ein Labor bekannt geworden. Woher die Person stammt und wie sich infizierte, ist unklar. Aus Persönlichkeitsrechtsgründen veröffentlicht der Kreis keine Details.

Gibt es derzeit Infektionsschwerpunkte in der Region?

Nein, heißt es dazu aus der Kreisverwaltung. Regionale Schwerpunkte oder Hotspots seien nicht festzustellen. Die lokalen Zahlen zur Inzidenz - also den Infektionen in einer Woche pro 100.000 Einwohner - zeigen aber sehr wohl Unterschiede zwischen den Kommunen. Während etwa Börnichen, Oberwiesenthal und Niederdorf in der vergangenen Woche mit einer Inzidenz von 0 besonders gut dastanden, bildeten Auerbach (Inzidenz: 448), Stützengrün (286) und Burkhardtsdorf (278) die Schlusslichter. Von den hiesigen Pflegeheimen sind laut Kreis derzeit 14 Prozent von Covid-19 betroffen, in Summe zehn. Zudem gibt es Fälle an vier Schulen und acht Kitas.

Wie ist die Lage in den Kliniken?

Die Situation normalisiert sich. Es werden in den sechs Krankenhäusern im Erzgebirge inzwischen deutlich weniger Corona-Patienten behandelt. Waren es laut Landratsamt am 20. Januar 172 Patienten, die stationär versorgt werden mussten, waren es am 3. Februar 72. Von einer Entspannung berichtet auch das He lios-Klinikum in Aue. Sprecherin Katharina Kurzweg: "Wir haben damit begonnen, zusätzlich geschaffene Isolierbereiche wieder ihrer ursprünglichen Aufgabe zuzuführen."

Wie steht der Landkreis im bundesweiten Vergleich da?

Relativ gut. Zählte das Erzgebirgskreis in den vergangenen Wochen bezogen auf die Inzidenz meist zu den am stärksten von der Pandemie betroffenen Kreisen in Deutschland, steht die Region aktuell auf Platz 251 von mehr als 400 Kreisen. Die Inzidenz lag am Donnerstag bei 68,4. Bundesweit betrug der Wert 80,7, sachsenweit 100,1.

Anfang Dezember hatte Landrat Vogel in einem Interview steigende Infektionszahlen für Mitte Januar befürchtet. Wie erklärt er, dass es anders kam?

Dass sich die Infektionszahlen zuletzt nicht erhöhten, führt ein Sprecher des Landrates auf die Maßnahmen der Corona-Schutzverordnung zurück, die in den Wochen nach dem Interview weiter verschärft worden waren. "Das hat Wirkung gezeigt", erklärt André Beuthner.

Weil es beim Nachverfolgen der Kontakte hakte, war das Personal im Gesundheitsamt immer wieder aufgestockt worden. Wie läuft die Arbeit aktuell?

Aufgrund der geringeren Fallzahlen sind inzwischen weniger Ermittlungsteams im Einsatz. "Waren es zu Spitzenzeiten bis zu 240 Mitarbeiter, sind es gegenwärtig etwa 120", heißt es aus dem Landratsamt. Der künftige Personaleinsatz werde je nach Bedarf angepasst. Der Öffentliche Gesundheitsdienst kann nun jedenfalls zunehmend seine eigentlichen Aufgaben übernehmen, die zur Bewältigung der Pandemie zunächst hintenanstehen mussten.

Für wann stellt der Landkreis erste Lockerungen der Corona-Regeln in Aussicht?

Mit Aussagen dazu hält sich das Landratsamt bedeckt. Auf Nachfrage von "Freie Presse" heißt es: Änderungen der Schutzverordnung würden dem Verordnungsgeber obliegen, also dem Freistaat. Frank Vogel erklärt dazu: "Wir alle haben Lust auf Lockerungen im Alltag und viele erwarten ein Signal seitens der Politik, um absehbar wieder Perspektiven zu haben. Ich bin dazu mit vielen im Gespräch und gebe dies für die Entscheidungsfindung auf kurzem Weg auch an die Landesregierung weiter." Das Schwierige sei derzeit abzuwägen, wie viel Lockerung zu welchem Zeitpunkt möglich werden kann. "Auf Bundes- und Landesebene wird derzeit gerungen, welcher Weg für diese Situation jetzt der richtige sein wird", so Vogel. juef

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