Das heimliche Talent des Haustechnikers

Der Tag des traditionellen Handwerks hat am Sonntag Hunderte Besucher in die hiesigen Werkstätten gelockt. Der Trend geht zum Miteinander verschiedener Gewerke. Denn nicht jeder trägt seine Profession immer zur Schau.

Dorfchemnitz/Brünlos.

Pünktlich zum Start um 10 Uhr standen die ersten zwei Dutzend Besucher für einen Betriebsrundgang im Dorfchemnitzer Sägewerk Weber parat. Während Günter Weber die Arbeitsgänge von Sägegatter und Besäumen der Bretter bis zum Schärfen von Sägeblättern erklärte, richtete sich im Hof des Sägewerkes Saskia Hollstein ihren Arbeitsplatz ein. Eine eigene Werkstatt hat die gelernte Holzbildhauerin noch nicht. Also nutzte die 21-Jährige die Möglichkeit, bei Webers als Gasthandwerkerin ihr Können mit der Kettensäge zu demonstrieren. Nach der gerade abgeschlossenen Lehre war es die erste Beteiligung beim Tag des traditionellen Handwerks für die Dittersdorferin.

Mit der Idee, ihr Können bei einem befreundeten Handwerksbetrieb zu zeigen, folgt sie einem Trend, der im wenige Kilometer entfernten Brünlos bereits Tradition hat. Bei Tischlermeister und Restaurator Heiko Kretzschmar sind zum Tag des traditionellen Handwerks seit Jahren auch Gastgewerke zu erleben. So war diesmal Buchautorin und Verlegerin Claudia Puhlfürst dabei. Beim Maler und Karikaturisten Ralf Alex Fichtner konnten Besucher Schnellportraits anfertigen lassen, und der Niederwürschnitzer Polsterer Jürg Kluge bezog einen Hocker mit neuem Stoff.

Auch Heiko Vieweger ist seit Jahren in Brünlos dabei. "Ich habe mich richtig auf diesen Tag gefreut", so der 41-Jährige, den viele aus seinem Brotberuf kennen: Vieweger arbeitet als Haustechniker im Bergbaumuseum Oelsnitz. Auch wenn er die Holzkunst seit Jahren nur nebengewerblich betreibt: Es ist sein eigentlicher Beruf, es bleibt seine Passion. Bereits während der Schulzeit hat Heiko Vieweger in Glauchau bei Johannes Feige Zeichenunterricht genommen. "Zu DDR-Zeiten wollte ich immer Restaurator werden." Doch ein trockenes Studium wollte er nicht. Die Empfehlung seines Lehrers Feige: "Wenn du das über die praktische Schiene machen willst, dann gehe nach Oberammergau." Die dortige Holzbildhauerschule gilt als Topadresse. Nach bestandener Aufnahmeprüfung hat Vieweger von 1994 bis 1997 in Oberammergau gelernt. "Die Schule hat einen leicht studentischen Touch, und ich habe hart dafür arbeiten müssen. Mein Geld war schon nach der ersten Woche alle." Über 3000 Euro musste Vieweger für die Grundausrüstung an Handwerkszeug berappen. Und auch für die Finanzierung des Studiums selbst hat er immer wieder gearbeitet. Von handwerklichen Auftragsarbeiten bis zu Verkäufen kleinerer Arbeiten auf dem Weihnachtsmarkt war er sich für nichts zu schade: "Am Ende des Geldes war oft noch viel Monat übrig", sagt er mit einem Schmunzeln. Dennoch hat Vieweger seine Entscheidung nie bereut: "Die Ausbildung war wahnsinnig breit gefächert, reichte von traditionellen bis zu modernen Sachen."

Das sieht man auch an Viewegers Arbeiten. Gestern hat er an einer Eisbär-Skulptur geschnitzt. Seine Holzarbeiten reichen von der kleinen Heiligenfigur bis zur lebensgroßen Hühnerskulptur. Auch die kleinen Kohle-Hunte, die als Souvenir im Bergbaumuseum verkauft werden, stammen aus seiner Werkstatt. Das allerdings sind Arbeiten, die in größeren Serien hergestellt werden: "Über 10.000 davon habe ich bestimmt bisher gemacht."

Sein Traum ist Heiko Vieweger im Alltagsgeschäft keineswegs verloren gegangen. "An Tagen wie heute kribbelt es schon wieder, und mit mehr als zwei Jahren Berufserfahrung könnte ich mit der Ausbildung zum Restaurator inzwischen anfangen." Durch den Museumsumbau ist der Oelsnitzer im Moment beruflich zu stark gefordert. Ad acta gelegt ist die Fortbildung zum Restaurator aber nicht: "Vielleicht mache ich das wirklich noch. Berufsbegleitend kann ich den Abschluss in eineinhalb bis zwei Jahren schaffen."

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