Der "kleine Luther" braucht eine Kur

Eine Predigtsammlung von Valerius Herberger soll das Schmuckstück einer neuen Schau im Lichtensteiner Stadtmuseum werden. Noch hat der Wälzer stark beschädigte Seiten.

Lichtenstein.

In diesem Jahr feiert die Welt das Jubiläum "500 Jahre Reformation". Das Stadtmuseum Lichtenstein nimmt dies zum Anlass für eine Sonderausstellung zu Martin Luther. Der Freundeskreis Stadtmuseum Lichtenstein beteiligt sich daran mit einem besonderen Beitrag: Der Verein lässt ein Exponat aus dem Altbestand des Museums restaurieren. Vom 6. April bis zum 11. Juni soll es gezeigt werden.

Es handelt sich um eine Predigtsammlung, die sogenannte "Hertz-Postilla" von Valerius Herberger. Herberger gilt unter Protestanten als der "kleine Luther". Er wurde 1562, 16 Jahre nach Luthers Tod geboren, studierte Theologie, war Lehrer an der Fraustädter Lateinschule, dann Diakon und schließlich 1. Prediger in Fraustadt. Seine theologischen Schriften machten ihn bekannt.

Die evangelische Herzpostille ist für das Stadtmuseum Lichtenstein von besonderem Wert. Sie enthält einen handschriftlichen Eintrag aus dem Jahr 1713 mit regionalem Bezug. Das in Leder gebundene Buch in der Größe eines Aktenordners befindet sich aber in schlechtem Zustand. Der Zahn der Zeit hat daran genagt, zudem wurde der alte Bestand schlecht gelagert, nachdem das Museum zu DDR-Zeiten geschlossen worden war. Der Herzpostille fehlen Seiten, andere sind eingerissen. Die Ecken sind stark beschädigt, einige ausgerissen. Es gibt fleckige Partien und Verschmutzungen, teilweise von Taubenkot.

"Für die Restaurierung hat der Freundeskreis Stadtmuseum rund 800 Euro eingeplant", sagt Konrad Geithner, Vorsitzender des Fördervereins. Restauriert wird das Buch in Altenburg bei Christian Maul. Seine Werkstatt befindet sich im Lindenau-Museum. Das Buch wird beim Restaurieren regelrecht zerlegt. Vorsätze werden ab- und die Buchblockheftung aufgelöst. Der Restaurator vereinzelt die Lagen und reinigt sie trocken mit Pinsel und Radiermehl. Die Risse an den beschädigten Doppelblättern schließt er im Falz- und Randbereich mit Japanpapier. Anschließend erfolgt das Bilden der Lagen und das Heften nach historischen Vorlage. Beim Wiederaufarbeiten des Einbandes kommen auch die Originalfragmente zum Einsatz.

Museumsleiterin Anne-Sophie Berner ist gespannt auf das Ergebnis. "Es wird in unserer Luther-Ausstellung mit Sicherheit einen Glanzpunkt setzen", sagt sie. Gestaltet wird die Ausstellung vor allem mit Material, das Bezirkskatechet Joachim Winkler aus Lobsdorf zur Verfügung stellt. Das Museum steuert ergänzende Exponate bei. Nach Ende der Ausstellung bleibt die "Hertz-Postilla" Bestandteil der Dauerausstellung und bekommt im Schaudepot einen Stammplatz.

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