Drei Millionen Euro für digitale Schulen

Der Digitalpakt stellt viel Geld für moderne Technik in Bildungseinrichtungen zur Verfügung. Die Empfänger des Geldsegens sind noch zurückhaltend.

Stollberg.

Der Ökumenische Schulverein Burkhardtsdorf darf sich auf knapp 180.000 Euro aus dem Digitalpakt Schule freuen. Ideen, was für die Evangelische Oberschule angeschafft werden könnte, hat der Vereinsvorsitzende Ingo Lebedies: "Wir würden gerne jedem neuen Fünftklässler ein Tablet zur Verfügung stellen." So könne technisch auf der Höhe der Zeit gearbeitet werden und die Schüler müssten keine schweren Schulbücher mehr tragen. Doch so einfach ist das nicht. Denn das Geld muss extra beantragt werden und die Verwendung unterliegt strengen Regeln.

Maximal 20 Prozent der Fördermittel dürfen für Endgeräte ausgegeben werden. Tablets dürfen zudem laut Richtlinie nur 450 Euro pro Gerät kosten. Lebedies schweben aber Tablets im Preissegment 500 bis 1000 Euro vor. "Ich muss nun Rücksprache halten und die Bedingungen abklopfen", sagt Lebedies. "Wir sind bestrebt, das Geld optimal auszugeben." Derweil geht der digitale Ausbau an der Schule weiter - finanziert aus der eigenen Kasse. Sechs große Displays mit Ultra HD und dazugehöriger Soundanlage sollen angeschafft werden. Zudem werden alle Räume mit Schallschutz versehen, um die Technik optimal einsetzen zu können.


Mit dem neuen Digitalpakt soll vor allem die Grundausstattung der Schulen mit moderner Technik vorangetrieben werden. Die Förderung ist vor allem für die digitale Infrastruktur wie Server, Verkabelung und W-Lan-Netzwerke gedacht. Aber auch interaktive Tafeln, Displays, Laptops oder Tablets können angeschafft werden. 250 Millionen des fünf Milliarden Euro schweren Bundesprogramms fließen nach Sachsen. Knapp drei Millionen werden auf Schulen im Altkreis Stollberg verteilt - rund 500.000 Euro an freie und knapp 2,5 Millionen an öffentliche Träger. Das Geld kann bis Ende 2023 ausgegeben werden. Detaillierte Planungsunterlagen sind laut Kultusminister Christian Piwarz (CDU) nicht erforderlich. Die Schulen müssen aber ein Medienbildungskonzept und einen Fortbildungsplan für Lehrer vorlegen.

Am 21. Juni findet in Stollberg eine Regionalkonferenz zum Thema Schule statt. In Fachvorträgen wird über die Fördermöglichkeiten, Medienentwicklungspläne und Medienbildungskonzepte referiert. "Dort werden wir erfahren, was das für die Schulträger und Schulen bedeutet und welche Schritte für die Beantragung beziehungsweise Umsetzung nötig sind", sagt Beate Hock, Leiterin des Fachbereiches Allgemeine Verwaltung in Burkhardtsdorf.

Jahnsdorf plant laut Bürgermeister Albrecht Spindler, die Mittel in der Grundschule Tintenfass einzusetzen. Wie genau es investiert werden kann, werde zwischen den IT-Verantwortlichen von Gemeinde und Schule sowie der Schulleitung abgestimmt. Das Computerkabinett hatte die Gemeinde im vergangen Jahr mit eigenen Mittel bereits erneuert. Oelsnitz und Stollberg möchten zunächst die geplanten Informationsveranstaltungen abwarten, ehe konkrete Vorhaben genannt werden. "Für die Zukunft ist es auch wichtig, gemeinsame Standards für die digitale Ausstattung von Schulen zu verabreden und dauerhafte Lösungen für die Wartung der IT zu finden", fordert Benjamin Trinks (SPD) aus dem Oelsnitzer Stadtrat.

Mehr als 135.000 Euro sind für den Schulverein Leukersdorf vorgesehen. "Wir freuen uns über das Geld", sagt Schulleiter Dennis Lischo. "Allerdings ist es für uns als freie Schule kompliziert, an die Mittel heranzukommen. Wir rangieren erfahrungsgemäß weit hinten auf der Prioritätenliste." Verwendung hätte die Schule allemal: Breitbandausbau, Internetabdeckung in der Schule oder Endgeräte wären laut Lischo wünschenswert. (mit kok)


Kommentar: Es werde Internet

Es ist positiv, dass Bundes- und Landesregierung den Ankündigungen, die digitale Infrastruktur in den Schulen stärken zu wollen, ein milliardenschweres Finanzierungspaket hinterhergeschoben haben. Auch für die hiesigen Schulen sind üppige Beträge vorgesehen.

Die Euphorie hält sich dort in Grenzen: Zu viel Bürokratie, zu starre Regeln und wenig realitätsnahe Kostenvorstellungen. Das wird dem unstrittig bestehenden Nachholbedarf vor Ort nicht gerecht. Denn einige Schulen stehen gut da und würden ihre Ausstattung lieber passgenau veredeln. Das ist jedoch nur unter strengen Auflagen möglich.

Die Staatsregierung ist erneut nach dem Gießkannenprinzip vorgegangen, offenbar ohne sich vorher über den genauen Bedarf zu informieren. Die Gefahr ist groß, dass gut gemeintes Geld nun in irgendwelchen genehmigungsfähigen Projekten versickert und wünschenswerte Anschaffungen weiter auf eine Finanzierung warten. Der mit viel Geld untersetzte fromme Wunsch "Es werde Internet" ist keine zukunftsweisende Digitalstrategie.


Wer bekommt wie viel Geld?

Freie Träger:

Ev. Montessori-Schulverein Erlbach-Kirchberg 43.085,73 Euro, Ev. Schulverein Hormersdorf 43.085,73 Euro, Ev. Schulverein Leukersdorf 136.616,55 Euro, Freie Berufliche Schule Lugau 44.423,80 Euro, Ökumenischer Schulverein Burkhardtsdorf 179.836,09 Euro, Sozialpsychologisches Institut Thalheim 63.290,53 Euro.

Öffentliche Träger:

Auerbach 201.035,41 Euro, Burkhardtsdorf 109,089,61 Euro, Gornsdorf 52.078,36 Euro, Hohndorf 86.285,11 Euro, Jahnsdorf 86.285,11 Euro, Lugau 246.644,40 Euro, Neukirchen 258.046,65 Euro, Niederwürschnitz 52.078,36 Euro, Oelsnitz 367.136,26 Euro, Stollberg 367.136,26 Euro, Thalheim 258.046,65 Euro, Zwönitz 396.410,12 Euro.

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