"Ein Schmuck und Zierde" im Fokus

Beim ersten Bergmannsstammtisch 2019 blickt Heino Neuber auf die Entwicklung des Kaiserin-Augusta-Schachtes zurück. Vor allem die Hintergründe zu dessen Anfängen sind spannend.

Oelsnitz.

Eine nicht immer geradlinige, aber letztlich unaufhaltsame Erfolgsgeschichte steht am Mittwoch beim Bergmannsstammtisch auf dem Programm: Heino Neuber berichtet über die Anfänge jenes Schachtes, auf dem sich heute das Bergbaumuseum befindet.

Als vor 150 Jahren, am 6. Juni 1869, an dieser Stelle mit dem Abteufen begonnen wurde, gab es bereits etwa 20 Schachtanlagen in Neuoelsnitz, erklärt Neuber. Die ganz kleinen Abbauversuche sind da noch nicht einmal eingerechnet. Trotzdem sollte just dieser Schacht schon bald "ein Schmuck und Zierde unter den Schächten des Ortes" werden. 1872 wurde die erste Kohle gefördert, ein Jahr später wurde die Grube nach der Gemahlin des damaligen Kaisers Wilhelm I. benannt, hieß fortan also Kaiserin-Augusta-Schacht.

Bis zum wirtschaftlichen Erfolg sollte es noch einige Jahre dauern. Erst um 1886 warf der Schacht erste Gewinne ab. Seinen Aufschwung zu einem der modernsten Kohlenschächte Deutschlands erlebte der Standort erst ab 1893. Heino Neuber: "Erst mit dem Verkauf an eine Aktiengesellschaft ging der echte Ausbau los. Dass der Gottes-Segen-Schacht damals den Zuschlag bekam, ist auch auf persönliche Beziehungen zurückzuführen."

Der Museumsmitarbeiter und Knappschaftsvorsitzende hat für seinen Vortrag etliche nicht oder kaum bekannte historische Fakten und Besonderheiten zusammengetragen. Beginnen will er dabei schon eine ganze Weile vor dem historischen Spatenstich. So gab es gute Gründe, einen neuen Schacht abzuteufen. Dies, obwohl es in Richtung Niederwürschnitz bereits mehrere Schächte gab und die Kohle dort deutlich näher an der Erdoberfläche lag. Pläne für das neue Schachtgelände gab es schon ab etwa 1860, aber immer wieder waren sie aufgeschoben worden. Auch Otto Friedrich, Fürst von Schönburg-Waldenburg, in dessen Regentschaft der erste Spatenstich fiel, hatte nicht völlig freie Hand. Neuber: "Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass dem Fürst damals sämtlicher Grund und Boden gehörte. Viele Grundstücke gehörten hier auch den Bauern."

Und so will Neuber den Zuhörern die Historie von ihren Anfängen her nahebringen. Es werden die Zusammenhänge vom ersten Neuoelsnitzer Kohlefund durch den Fürstlich-Schönburgischen Forstbeamten Friedrich-Heinrich Wey 1831 und den damaligen Fürsten Otto Victor über die zaghaften Anfänge bis zur Elektrifizierung der Schächte und dem damit verbundenen Aufstieg erzählt. Dazu zeigt Neuber historische Fotos, wenngleich er die wohl älteste Aufnahme nicht in seiner Sammlung hat. "Es muss eine Aufnahme von 1886 gegeben haben, denn auf diese verweist der damalige Technische Direktor Reinhard Friedemann in einem Brief an Fürst Otto Friedrich", sagt er. Doch auch auf den ältesten vorhandenen Aufnahmen sind die zuerst errichteten Gebäude noch auszumachen: Treibehaus, Maschinenhaus und Kesselhaus waren bereits vor dem ersten Spatenstich errichtet worden. Vor allem diese älteste Historie will Neuber aufleben lassen, die jüngere Vergangenheit hingegen soll nur kurz angerissen werden, weil vieles davon einem breiten Publikum noch bekannt ist.

Beim Bergmannsstammtisch, am Mittwoch, 18 bis 20 Uhr, gibt Heino Neuber im Historischen Speisesaal anlässlich des 150.Jahrestages des ersten Spatenstichs einen Rückblick auf die Entwicklung des Kaiserin-Augusta-Schachtes. Der Abend steht unter dem Motto "Ein Schmuck und Zierde unter den Schächten des Ortes". Eintritt frei.


Im Jahr 2019 gibt es noch drei weitere Stammtische

Der Kupferschieferbergbau im Mansfelder Land steht am 8. Mai im Fokus. Ab 18 Uhr spricht Erich Hartung, 1. Vorsitzender des Landesverbandes der Bergmanns-, Hütten- und Knappschaftsvereine Sachsen-Anhalt.

"Erzgebirgisches Musik- und Liedgut auf historischen Schellackplatten" ist das Thema eines Vortrages von Dirk Gebhardt, zu dem am 14. August ab 18 Uhr ins Bergbaumuseum eingeladen wird.

Zum gegenwärtigen Bergbau in Sachsen hält am 13. November Oberberghauptmann Professor Bernhard Cramer vom Oberbergamt in Freiberg einen Vortrag. Beginn ist wiederum 18 Uhr. ( vh)

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