Elektronische Klänge begeistern junge Musikerin

Beim Zitherseminar in der Marienberger Baldauf-Villa ist eine E-Zither präsentiert worden. Der Prototyp hat neugierig gemacht.

Marienberg.

Erst Skepsis, dann Begeisterung: Diese Emotionen hat die E-Zither bei Simone Steitz ausgelöst, als sie zum ersten Mal vor dem Instrument stand. Passiert ist das beim Zither-Seminar in der Marienberger Baldauf-Villa, das in den zurückliegenden Tagen 19 Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und Italien belegt hatten.

Gebaut haben das Instrument Steffen und Frank Meinel aus Markneukirchen in Abstimmung mit dem Zither-Dozenten Michal Müller. "Das will ich auch haben", sagte Simone Steitz. Der Vater der Fuldaerin spielt E-Gitarre. "Ich hätte nicht gedacht, dass eine Zither noch viel besser klingen kann", so die 23-Jährige. Einen großen Teil der Mittagpause spielte sie darauf, schlug und streichelte die Saiten. Michal Müller saß daneben und freute sich. Genau diese Emotionen soll die E-Zither erzeugen.

Der Großvater der Meinels, Horst Wünsche, hatte bereits in den 1960er-Jahren Versuche unternommen, eine elektronische Zither zu bauen. Mangels Ressourcen verliefen sie jedoch im Sande. Vor 18 Jahren kam Karl-Heinz Bormann auf die Markneukirchener zu. Er schuf die technischen Voraussetzungen für das neue Instrument. Dann starb er. Die Meinels tüftelten weiter. Mit Michal Müller verbindet die beiden eine langjährige Freundschaft. Er stimmte die technischen Möglichkeiten mit den praktischen Wünschen des Musikers ab. Wichtig war den Männern, dass sie ein neues Instrument schaffen, nicht eine elektronische Zither, die wie eine akustische klingt. "Sie füllt eine Lücke", erklärte der Zitherlehrer aus dem tschechischen Varnsdorf. Schon immer wollte er, dass Zitherspieler mit anderen Musikern gemeinsam spielen. "Mit Bläsern oder Schlagzeugern gingen akustische Zithern aber unter", so der Fachmann. Außerdem kann die Elektronik die angeschlagenen Saiten verzerren, neue Klangfarben schaffen und so eine neue Form der Musik erzeugen.

Beim Verstärker hat Michal Müller auf die alte Technik der Röhren gesetzt. Sie verzerren die Klänge sanfter als Transistoren das könnten, so der Musiker. Er sprach von einem Trend in der Branche. Gedacht ist die E-Zither nicht nur für Bands und Orchester. "Sie soll vor allem die Jugend ansprechen", sagte Steffen Meinel. Er weiß aus Erfahrung, dass die Zither bei jungen Leuten nicht eben als cool gilt.

Die Entwicklung der E-Zither hat fast fünf Jahre gedauert. Zugrunde liegt ihr ein akustisches Instrument. Allerdings gehört zu jeder Saite ein magnetischer Tonabnehmer, der die Schwingungen in elektronische Signale verwandelt. Eine Zither verfügt über 38 bis 42 Saiten. Die eingebaute Technik lässt das Volumen des Klangkörpers um ein Drittel schrumpfen.

Die Markneukirchener fertigen jährlich etwa 100 Zithern an. E-Zithern legen sie in Viererserien auf. Etwa 20 Stück bauen Steffen und Frank Meinel im Jahr. Materialien und Einzelteile beziehen die Markneukirchener von Partnern aus dem sächsisch-böhmischen Erzgebirge. "Das sichert uns kurze Wege", so Steffen Meinel. Zwei Prototypen aus dem Hause Wünsche hat Michal Müller jeweils ein Jahr lang getestet. Der dritte ist seiner Meinung nach perfekt geraten.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...