Firmen setzen verstärkt auf Seiteneinsteiger

Das Job Café Aue hat erstmals Station am Jahnsdorfer Flugplatz gemacht. Die Resonanz ließ allerdings zu wünschen übrig.

Jahnsdorf.

Katja Hübsch ist hier falsch. Das merkt sie schon nach wenigen Gesprächen, die sie gestern in einer Halle am Jahnsdorfer Flugplatz führt. "Ich bin entsetzt, wie wenig hier los ist." Das Job Café Aue, eine Initiative der Arbeitsagen- tur, macht dort erstmals Station. Das Motto lautet: "Traumjobs für Himmelsstürmer".

Von acht Firmen, die zum Job Café eingeladen wurden, haben sechs ihre Vertreter geschickt, zwei mussten absagen. Dieses überschaubare Format sei durchaus gewollt, sagt Sven Schulze, Geschäftsführer bei der Arbeitsagentur. So könnten sich Gäste und Vertreter mehr Zeit für Gespräche nehmen. Dass bis zum Mittag nur knapp 50 Arbeitssuchende kamen, überrascht ihn allerdings. "Wir hätten uns etwas mehr Resonanz gewünscht.

Die Gründe für die Aktion sind allseits bekannt, Firmen in der Region suchen händeringend nach neuen Mitarbeitern, erklärt Schulze. 670 Stellen sind in der Region unbesetzt, vor allem im verarbeitenden Gewerbe, im Sozialwesen, in der Logistik, im Bau. Und während es in den vergangenen Jahren stets um die Frage ging, wie Fachkräfte in die Region geholt werden können, sind die Ansprüche nun offenbar gesunken. Laut Schulze setzen Firmen verstärkt auf Seiteneinsteiger. In Gesprächen zwischen Arbeitgebern und potenziellen Arbeitnehmern spielten deshalb auch Hobbys und Interessen eine Rolle, die über den gelernten Beruf hinausgehen.

Andreas Heinig vertritt Krause & Co, eine Firma aus Adorf, die im Hoch- und Tiefanlagenbau tätig ist. Vier Namen und Kontakte stehen auf seiner Liste - die Bilanz des Vormittags. Wenn es gut läuft, schicken sie ihm demnächst Bewerbungsmappen zu. Mit etwa zehn Leuten hat Heinig bis zum Mittag gesprochen, aber nur wenige interessieren sich für den Bereich, in dem das Unternehmen nach neuen Kräften sucht: im Handwerk.

Unter den Kandidaten seien vor allem potenzielle Berufswechsler gewesen, keine Langzeitarbeitslosen. Einer, erzählt Andreas Heinig, pendelt derzeit zwischen Brandenburg und der Heimat, will aber wieder in der Region Fuß fassen.

Die personelle Lage in der Firma sei relativ entspannt, zum Teil landeten sogar Initiativbewerbungen in ihrer Post. Dennoch hat das Unternehmen Strategien entwickelt, um die Attraktivität für Arbeitnehmer zu erhöhen. So beteiligt sich Krause & Co an den Kitabeiträgen, den einige Angestellte zahlen. Zudem wird die Arbeitskleidung finanziert, bis hin zur Sonnenbrille und -creme, die auf dem Bau durchaus nützlich sein können.

Katja Hübsch ist Heilerziehungspflegerin. Mit ihrer Familie ist sie aus Baden-Württemberg nach Oelsnitz gezogen, seit Juni sucht sie einen Job. Sie würde gern in der Kinderbetreuung arbeiten, hat schon Bewerbungen geschrieben. Doch die Firmen beim Job Café haben nichts für sie im Angebot. Heute wird sie keine Himmelsstürmerin.

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