Große Projekte, kleine Sorgen

Wie entwickeln sich Ortsteile? Was läuft gut? Wo klemmt es? "Freie Presse" nimmt Dörfer der Region unter die Lupe. Heute: Meinersdorf

Meinersdorf.

Der Umbau der ehemaligen Grundschule zum Vereinshaus ist weitgehend abgeschlossen. Der Sportplatz wird nicht zu Bauland; das hat der Gemeinderat auf Wunsch des Ortschaftsrates abgelehnt. Der Abriss des alten Pflegeheimes ist ebenfalls beschlossene Sache. "Bei uns läuft alles. Wir haben keinen Grund zur Klage", sagt Christine Radke. Sie ist Ortsvorsteherin und hat die großen und kleinen Dinge im Burkhardtsdorfer Ortsteil im Blick.

Das gro´ße Ding überhaupt ist der Umbau der Schule zum Dorf- und Vereinszentrum. Rund 1,5 Millionen Euro lässt sich die Gemeinde das neue Domizil für die Vereine kosten. Sogar ein neuer Polizeiposten ist vorgesehen. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich das Pflegeheim. Von dieser Nähe verspricht sich Radke einige Synergien. "Schön wäre es natürlich, wenn eine Buslinie - wenigstens zwei Mal am Tag - hier vorbeifahren könnte", sagt Radke.

Doch es sind auch kleine Dinge, die im Ortsteil für Gesprächsstoff sorgen. Etwa dass beim jüngsten Herbststurm das beliebte Kneippbecken in Mitleidenschaft gezogen worden war. Das ist mittlerweile wieder hergerichtet. Darum hat sich der Bauhof gekümmert. "Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde funktioniert gut. Meist genügt ein Anruf und das Anliegen wird bearbeitet", sagt Radke. Das gilt auch für den Gemeinderat. Als Pläne die Runde machten, dass drei Eigenheime auf dem Sportplatz entstehen könnten, hat der Ortschaftsrat die Sache beraten. Schließlich nutzen die Vereine, der Kindergarten und auch Jugendliche die Anlage. Sogar eine Kinderfußballgruppe hat sich jüngst gegründet. Daher hat der Ortschaftsrat die Daumen bei dem Vorhaben gesenkt. Der Gemeinderat ist der Empfehlung gefolgt. "Die Sporthalle und der Sportplatz sind wichtig für den Ortsteil", begründet Christine Radke.

Dauerthema sind auch in Meinersdorf Schlaglöcher in den Straßen. Vor allem die Hauptstraße in Richtung Jahnsdorf hat sich in der Vergangenheit unrühmlich hervorgetan. "Die ist kürzlich gebaut worden. Problem behoben", freut sich Radke. Das kann sie allerdings von einem anderem Ärgernis nicht sagen: dem sogenannten Ministerhaus. Das Gebäude am Anton-Günther-Weg 1 ist den Meinersdorfern schon länger ein Dorn im Auge. "Dort verwildert alles und der Giebel ist sogar schon runtergekommen", beschreibt Radke die Situation dort. Das Gebäude ist zwar abgesichert worden, doch sonst tut sich dort nichts. "Es ist nicht im Besitz der Gemeinde. Uns sind daher die Hände gebunden", bedauert Radke.

Doch nicht nur baufällige Gebäude stoßen den Bürgern übel auf. "Das Rathaus sieht nicht mehr schön aus", sagt Sylvia Ludolf. Sie arbeitet bei einem örtlichen Discounter, sitzt im Ortschaftsrat und hat das Ohr somit nah an den Bürgern. "Beim Grünschnitt hakt es auch. Mancherorts sieht es richtig mistig aus", sagt sie. Manche Straßenränder und den Marktplatz hat sie besonders im Blick. "Das ist lieblos gemacht und sieht mehr nach Abholzung als nach Pflege aus", kritisiert sie. Zudem sei die Bank auf dem Marktplatz defekt. Der zuständige Fachbereichsleiter Jörg Spiller bleibt in der Sache gelassen: "Von anderen Leuten bekomme ich genau die entgegengesetzte Kritik." Der Bauhof kümmert sich im Ort um die Grünpflege. "Prinzipiell mähen wir nach Bedarf. Wir haben Flächen, die wir ein bis zwei Mal im Jahr bearbeiten und solche, an denen wir vier bis zu sechs Mal tätig werden", erläutert er. Zudem gebe es im Ort Grünpflegepatenschaften. "Es ist jeder willkommen, sich selbst einzubringen", sagt Spiller.

Eine weitere große Sache in Meinersdorf ist der Ausbau der Bahnlinie im Zuge des Chemnitzer Modells. Der alte Bahnhof ist schon abgerissen worden. An der Stelle soll ein Pendlerparkplatz und ein Buswartehäuschen entstehen. Die Bahn fährt Meinersdorf künftig dann im Halbstundentakt an. Eine gute Sache, findet Radke. Vielleicht lasse sich dort sogar ein Kiosk oder eine Gastronomie etablieren. "Das wäre eine gute Nachnutzung für das nahe gelegene alte Vereinshaus", sagt Radke, die ein solches Gedankenspiel bereits angestoßen hat. Noch ist allerdings bezüglich der weiteren Nutzung dieser Immobilie alles in der Schwebe.

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