Historische Bauzeichnung hilft bei Erneuerung des Museums

Bis zum 24. April 2020 ist das Bergbaumuseum Oelsnitz wegen Umbaus geschlossen. Einige Exponate der künftigen Dauerschau stellt "Freie Presse" als "Objekt des Monats" vor. Aktuell ist es eine Bauzeichnung.

Oelsnitz.

Smartphones, Tablets oder Computer erstellen heute in kürzester Zeit Bilder, Pläne oder Skizzen. Der Bediener des Geräts ist lediglich für die Eingabe der richtigen Daten zuständig. In der Arbeitswelt des beginnenden 20. Jahrhunderts war das Bild im wahrsten Sinne des Wortes aber noch ein ganz anderes, erklärt Deborah Weise, Projektmitarbeiterin am Bergbaumuseum Oelsnitz. "Ein sehr schönes Beispiel dafür und daher das erste Objekt des Monats im Jahr 2020 ist eine Architekturzeichnung von Förderturm, Schachthaus, Umformerhalle und Mannschaftsbad des Kaiserin-Augusta-Schachtes aus dem Jahr 1922." Der Schöpfer des Dokuments war kein geringerer als der bekannte Chemnitzer Architekt Erich Basarke. Der aus Westpreußen stammende gelernte Maurer war 1878 in Graudenz an der Weichsel geboren worden und hatte später in Dresden ein Studium der Architektur absolviert. Gemeinsam mit Alfred Zapp gründete er in Chemnitz das Architekturbüro Zapp & Basarke.

Seine charakteristische Industriebauweise prägt noch heute besonders das Bild der Stadt Chemnitz mit Bauten wie dem Bankgebäude der Deutschen Bank am Falkeplatz, der Kauffahrtei im Stadtteil Helbersdorf, dem Stauwerk der Wanderer-Werke AG in Schönau oder den Gebäuden der Werkzeugmaschinenfabrik Schubert & Salzer mit dem markanten Uhrenturm. Zahlreiche weitere Bauwerke in Deutschland tragen seine Handschrift. In Oelsnitz sollten es der noch heute weithin sichtbare Förderturm und die genannten Schachtgebäude sein.

Zu Beginn der 1920er-Jahre strengte die erst kurz zuvor gegründete Gewerkschaft Gottes Segen als eine ihrer ersten Maßnahmen den Umbau der Förderanlage des Kaiserin-Augusta-Schachtes an, erklärt Weise. Für die Arbeiten habe der Grubenvorstand zunächst die Carlshütte in Waldenburg-Altwasser in Schlesien beauftragt. "Deren Entwurf eines Förderturms entsprach jedoch ganz und gar nicht den Vorstellungen der Auftraggeber." Hierzu sei es wichtig zu wissen, dass 92 Prozent der Anteile der Gewerkschaft Gottes Segen dem Freistaat Sachsen gehörten und die neue Gestalt der Anlagen auch dessen "Gesicht" repräsentierte. So habe man sich umentschieden und den bereits namhaften Architekten Basarke aus Chemnitz beauftragt.

Welche Relevanz ein solches fast hundertjähriges Dokument noch hat, wurde in den vergangenen Monaten deutlich, erklärt die Museumsmitarbeiterin. "Im Planungsprozess zur Erneuerung des Bergbaumuseums Oelsnitz waren und sind originale Pläne und Zeichnungen wie dieser enorm wichtig für die Projekt- und Bauplaner." Anhand solcher und weiterer ähnlicher Unterlagen würden beispielsweise Baukonstruktionen sichtbar, die durch Umbauten heute nicht mehr oder nur unzureichend erkennbar sind. Für die Fachwissenschaftler im Museum handele es sich wiederum ganz klar um ein Objekt zur Dokumentation der Museumsgeschichte.

Zwar wird der Bauplan des Förderturms und des Mannschaftsbades so in der neuen Dauerausstellung nicht als Exponat zu sehen sein, erklärt Deborah Weise. Doch die Zeichnung werde gewissermaßen zum erfolgreichen Umsetzen der Erneuerungsmaßnahmen und somit zum neuen Erscheinungsbild des hiesigen Bergbaumuseums beitragen.

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