Hohenecker kritisieren Wohnplan

Ein für die Bürger unbekannter Investor will am liebsten 130 Wohnungen am Hang am Schloss bauen. Wird die Stadt das erlauben? Auf einer Bürgerversammlung zeigte sich: Viele im Dorf haben Angst vor der Dimension des ehrgeizigen Projekts.

Stollberg.

Es sind die Zahlen, die vielen Hoheneckern Angst machen: 130 Wohnungen will der Investor gerne bauen. Ebenso viele Autos wären dann die Folge - mindestens. Und alle neuen Hohenecker wohnen dann in ihren hochwertigen Eigentumswohnungen womöglich in vier- oder gar fünfgeschossigen Blöcken. "Ich sehe dann von meiner Terrasse nichts mehr", sagte ein Hohenecker, der nahe des künftigen Baufeldes wohnt. Ein anderer: "Die schöne Ansicht, die Hoheneck zu bieten hat und Stollberg ausmacht, ist dann weg. Das ist doch unsinnig."

Einige der Sorgen, die zur Einwohnerversammlung am Dienstagabend für das große, exklusive Wohngebiet unterhalb des ehemaligen Frauengefängnisses die Dorfbewohner umtrieben. Kein Wunder: Das Rathaus plant dort das größte und anspruchsvollste Wohnbauprojekt seit Jahren. Allein die Erschließung kostet mehr als eine Million Euro. Auf dem Areal - etwa drei Hektar groß - sollen laut einer früheren Auskunft der Stadtverwaltung maximal 17 Mehrfamilienhäuser mit je höchstens vier Etagen entstehen.

"Es gibt noch keinen Vertrag mit dem Investor. Noch ist alles verhandelbar", sagte Stollbergs Oberbürgermeister Marcel Schmidt zur Einwohnerversammlung. "Es wird sicher keine 130 Wohnungen geben. Aber auch keine 50. Es wird einen Kompromiss geben. Denkbar ist auch, dass der Investor und die städtische Wohnungsgesellschaft sich das Projekt teilen." Schmidt betonte aber eindringlich, dass die Stadt Wohnungen dieser Art anbieten muss, um künftig als Standort für junge Familien attraktiv zu bleiben. Nahe des geplanten Baufeldes, am ehemaligen Gasthof Sonne, seien auch solche Wohnhäuser errichtet worden. "75 Prozent der Familien dort sind Nicht-Stollberger."

Das Wohngebiet wird auch mit einer Straße erschlossen - der Knotenpunkt am Schloss ist aber jetzt schon mit fünf Straßenrichtungen sehr verwirrend. So sehen es die Hohenecker. Schmidt stellte in Aussicht, dies dort mit einem Kreisverkehr zu lösen. "Da ist genug Platz." Ein Bürger hielt Schmidt vor, er habe den Eindruck, dass in den Schubladen das Mega-Bauvorhaben, welches im übrigen allen die Sicht nimmt, schon längst fertig ist. Dagegen verwahrte sich der Stadtvater. "Deshalb sitzen wir hier, um im Vorfeld zu reden." Jeder Bürger könne zudem noch bis zum 6. Juli Einsprüche gegen den Plan einreichen, der im Rathaus ausliegt. "Dies wird auch öffentlich im Stadtrat behandelt."

Ein alteingesessener Hohenecker versuchte schließlich, die größten Ängste vieler anderer zu dämpfen. "Ich kann dem Plan zustimmen. Dort ist eine vollkommen ungenutzte Fläche am Schloss - es macht Sinn, dort etwas Neues zu bauen. Ich vertraue der Stadt. Aber: Wir brauchen eine einvernehmliche Lösung, mit der alle leben können."

Alle? Will heißen: Bürger, Stadt - und Investor. Eine junge Frau sagte, es sei doch sinnvoll, dass sich genau dieser unbekannte Investor den Bürgern und ihren Sorgen selbst stellen könne. "Darf man den mal kennenlernen?" Schmidt: "Er will noch anonym bleiben. Aber ich kann sagen: Er spricht hiesigen Akzent."

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