Im Pestalozzi-Haus klappern montags immer die Klöppel

Das neue Pestalozzi-Haus ist Meinersdorfs ganzer Stolz. In einer losen Serie stellt "Freie Presse" die künftigen Nutzer vor. Heute: die Klöppelgruppe

Meinersdorf.

Regelmäßig jeden Montagabend klappern im Vereinszimmer des Pestalozzihauses Meinersdorf die Klöppel. Zum Jahresende ist die örtliche Klöppelgruppe vom Vereinshaus an der Bahnhofstraße in die sanierte, ehemalige Schule gezogen. Dort nutzen sie gemeinsam mit anderen Vereinen einen Raum in der ersten Etage. Die Schrankwand haben die acht kreativen Frauen im Alter von 53 bis 80 Jahren mit selbst gefertigten, filigranen Kunstwerken geschmückt. Und an der Wand befindet sich ein mehrfarbiges Gemeinschaftsprojekt mit Friedenstauben im Mittelpunkt, das in den 1960er Jahren angefertigt wurde. Von den daran beteiligten Klöpplerinnen ist heute jedoch keine mehr in der Gruppe aktiv.

In der Gemeinschaft geklöppelt wird in Meinersdorf seit 1963, bis zur Wende unter den Dach des Kulturbundes. Unter der Leitung von Hilde Richter haben zahlreiche Kinder, Jugendliche und Erwachsene die Kunst der durch Kreuzen und Drehen filigran verflochtenen Fäden gelernt. Mädchen und Jungen - ja, auch die gab es mal in der Handarbeitsgruppe - wurden sogar in dem heutigen Vereinshaus, der ehemaligen Schule unterrichtet.

Auch die Frauen aus der aktuellen Klöppelgruppe erinnern sich daran. Sie alle haben vor Jahrzehnten mit der Handarbeit begonnen, doch durch Beruf und Familie blieb oft kaum Zeit für das Hobby. Jetzt haben die Frauen, die heute oder früher als Ingenieurin, Krippenleiterin, Betriebswirtin, Wirtschaftskauffrau, Sachbearbeiterin oder in Kindereinrichtungen tätig waren, Klöppelständer und Zubehör wieder hervor geholt. "Es gibt so tolle Motive, das macht richtig Lust, neue Sachen auszuprobieren", sagt die Leiterin der Klöppelgruppe, Kerstin Richter. "Das Klöppeln hat sich verändert. Wurden früher überwiegend Deckchen gefertigt, ist heute Schmuck für Kleidung oder Fenster beliebt." So entstehen in Meinersdorf wunderschöne Handarbeiten aus unterschiedlichen Materialien, wie mit Perlen besetzte Blumen, eigenwillige Decken oder Gardinen.

Seit November ist Gabi Bonitz dabei. Sie hat gerade das Innenteil eines Schwibbogens mit der Seiffener Kirche auf dem Klöppelsack. "Wenn ich einmal nicht weiter weiß, bekomme ich hier Unterstützung. Manchmal reicht ein kleiner Tipp. Außerdem macht die Handarbeit in der Gemeinschaft mehr Spaß", meint Gabi Bonitz. Das bestätigen auch die anderen Frauen. Zu Hause nehme man sich nicht die Zeit, es werde viel weniger fertig als hier.

Alle Beiträge der Serie über das Pestalozzi-Haus von Meinersdorf lesen Sie unter im Internet unter: www.freiepresse.de/pestalozzi


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