Konzept für Zukunft oder Schublade?

Die drei Gemeinden Burkhardtsdorf, Auerbach und Gornsdorf haben sich ein gemeinsames Entwicklungskonzept gegeben. Viele Punkte sind allgemeiner Natur, doch die Orte nutzen dies auch zur Weichenstellung.

Burkhardtsdorf.

Die Gemeinden Auerbach, Burkhardtsdorf und Gornsdorf planen ihre Zukunft gemeinsam. In langer Kleinarbeit haben sie ein Papier auf den Weg gebracht, das sich als Leitlinie für die Ortsentwicklung versteht. "Es liefert Leitplanken für unsere Arbeit", sagt Burkhardtsdorfs Bürgermeister und Verwaltungschef Thomas Probst. "Es zeigt uns auf, was wir künftig gemeinsam besser machen können." Für diverse Themenbereiche sind daher Ziele definiert. Zudem soll das auf Grundlage der Kommunalentwicklung Mitteldeutschland erarbeitete Regionale Entwicklungskonzept in einem gemeinsamen Flächennutzungsplan für die in einer Verwaltungsgemeinschaft verbundenen Orte münden.

Neben groben Leitlinien für die nächsten Jahre beinhaltet das Konzept auch konkrete Ideen und Visionen für die drei Orte. In Gornsdorf etwa haben sich die Gemeinderäte fraktionsübergreifend in Gruppen aufgeteilt und bis zum Schluss über die konkreten Formulierungen diskutiert. "Das hat Spaß gemacht, weil wir uns richtig einbringen konnten", freut sich zum Beispiel Barbara Drechsel von der Linken-Fraktion.

"Wir alle wissen zwar, dass das, was hier drin steht, kein Dogma ist", sagt Bürgermeisterin Andrea Arnold (CDU). "Dennoch sind wir der Meinung, dass es eine Chance ist, Weichen zu stellen." Und da hat sie für Gornsdorf auch bereits konkrete Vorstellungen, die über den allseits geforderten Erhalt von Kindertagesstätte und Schule, die Sanierung maroder Straßen und die flächendeckende Verlegung von Glasfaserkabeln hinaus gehen.

Zum Beispiel ist da die Umgestaltung der Ortsmitte von Gornsdorf, also der Bereich zwischen Kindertagesstätte und Grundschule. Vor der Kita führt die Parksituation immer wieder zu Ärger. "Gerade wenn im Mahlzeit-Express die Leute essen gehen, ist da immer viel los", berichtet Andrea Arnold. Dann werde gerne mal kreuz und quer geparkt beziehungsweise gefährlich rückwärts ausgeparkt. Das wünscht sich die Bürgermeisterin in geordneteren Bahnen. Zudem sei es gerade für Kinder schwierig, die breite Hauptstraße zu überqueren. In den ersten Plänen für die Sanierung der Ortsdurchfahrt ist deshalb eine Verkehrsinsel vorgesehen. Zudem ist in dem Konzept nun auch festgeschrieben, dass vor der Grundschule Parkplätze geschaffen werden sollen.

Ein kleiner Traum von Andrea Arnold ist zudem ein Spielplatz in der Ortsmitte. "Mir berichten immer wieder Mütter, dass sie nicht so richtig wissen, wohin sie mit ihren Kindern gehen sollen, wenn sie sie aus dem Kindergarten geholt haben." Die Bürgermeisterin von Gornsdorf hat dafür bereits ein gemeindeeigenes Grundstück im Auge: jenes neben der Feuerwehr, wo die Weihnachtsmarktbuden abgestellt werden. "Aber es gibt noch keine konkreten Pläne", betont Arnold. Doch der Wunsch ist da, also passt es gut in das regionale Entwicklungskonzept, das Jahre in die Zukunft blickt. Insofern sei die zeitliche Umsetzung immer auch davon abhängig, wann und in welcher Höhe Fördermittel fließen, so Arnold. Vielleicht kann das eine oder andere auch eher angegangen werden, etwa die Vernetzung der drei Büchereien mittels einheitlicher Software oder die Sanierung des Parkplatzes am Gornsdorfer Naturbad.

Für junge Leute interessant sein dürfte auch die Liste potenzieller Wohnbauflächen. Zum Beispiel sieht die Gemeinde Gornsdorf Möglichkeiten, das Wohngebiet "Zu den Teichen" zu erweitern. An der Sonnenstraße könnten eines Tages rund 50 Einfamilien- und bis zu 13 Mehrfamilienhäuser entstehen.

Aufgelistet werden in dem Konzept zudem sämtliche Brachen der Orte, inklusive Fotos und Kostenschätzung. Auch in Auerbach gibt es etwa mit dem früheren Hotel Objekte, bei denen über Abriss oder Nachnutzung nachgedacht werden muss. Was Industriebrachen betrifft, so war die Gemeinde aber schon in der Vergangenheit aktiv und hat viele Gebäude über das Brachflächenrevitalisierungsprogramm abgerissen. Ab 2020 laufen für diese Flächen nach und nach die Bindungsfristen ab, sodass eine Nachnutzung ins Auge gefasst werden kann. Hier bieten sich laut Konzept Wohnbauflächenpotenziale an. Für Auerbachs Bürgermeister Horst Kretzschmann ein wichtiger Punkt: "Wir werden nie wieder ein Industriedorf werden", sagt er. Aber jemand, der in Gornsdorf arbeitet, sei vielleicht an Bauland in Auerbach interessiert. Junge Familien in den Ort zu holen, sei wichtig. "Wir haben die Schulen, aber wir brauchen auch Kinder, die sie besuchen", sagt er. Ziel sei die Belebung des Ortes. Dabei dürfe man nicht nur das Morgen im Blick haben, sondern auch das Übermorgen. Dafür sei das Entwicklungskonzept wichtig, zumal man reagieren könne, sobald es passende Förderprogramme gibt.


Kommentar: Stagnationauf Papier

Regionales Entwicklungskonzept - klingt groß und richtungsweisend. Doch wirklich Visionäres à la klimaneutrale Dörfer hat es nicht zu bieten. Viel mehr als eine Ist-Analyse und ein paar zu Zielen erhobene Selbstverständlichkeiten hat das Papier kaum zu bieten. Es ist geeignet, um das Geschaffene zu preisen und die Zusammenarbeit - speziell zwischen Verwaltung und Räten - zu stärken. Unerlässlich ist es, um Fördertöpfe melken zu können. Für eine geregelte Parkplatzsituation in Gornsdorfs Mitte braucht es das Papier nicht. Das hat der Rat längst beraten. Dem Papier hätten ein paar mehr kreative Ideen für die Zukunft gut getan. So wirkt es wie ein Vermächtnis.


"Wir können uns sehen lassen"

Thomas Probst ist Verwaltungschef in Burkhardtsdorf, das die Verwaltung auch für Auerbach und Gornsdorf übernimmt. Mit ihm sprach Björn Josten über das Zukunftspapier.

Freie Presse: Es liegt nun ein umfangreiches Konzept für die Entwicklung der Orte in der Verwaltungsgemeinschaft vor. Worin liegt der Wert für die weitere Arbeit der Gemeinderäte und der Verwaltung?

Thomas Probst: Erstmals halten wir eine Beschreibung des Status quo in unseren Orten in Händen. Ich finde, wir können uns mit unserer Infrastruktur und unseren Angeboten sehen lassen. Es ist schon ein Wert an sich, dass diese Vielfalt nun dokumentiert ist.

Sie legen aber doch nicht ein Entwicklungskonzept für die nächsten Jahre vor, allein um den Status quo zu halten, oder?

Wir können uns Wachstum um jeden Preis nicht leisten. Schon jetzt machen Kinderbetreuungskosten 40 Prozent des Burkhardtsdorfer Haushaltes aus. Da kann es nicht der Zukunftsplan sein, weiter Wohngebiete auszuweisen. Behutsame Nachverdichtung und Lückenschlüsse sind die Aufgabe. Zudem geht die Demografie auch an uns nicht vorbei, was mittelfristig Kapazitäten schafft.

Wollen Sie die Orte nicht weiter entwickeln?

Natürlich. In dem Regionalen Entwicklungskonzept (Rek) sind Ziele definiert. Zudem erarbeiten wir einen gemeinsamen Flächennutzungsplan für alle drei Orte. Sicher ist das Rek etwa für Auerbach steuerungsrelevanter als es das für Burkhardtsdorf ist. Es stellt eine politische Willensbekundung dar. Diese müssen die Räte nun mit konkreten Schritten unterlegen. Eine schöne Aufgabe für die Gemeinderäte, die im Mai neu gewählt werden.

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