Künstler erinnern mit eigenen Arbeiten an Klaus Hirsch

Vor genau einem Jahr ist der Lugauer Künstler und Grafiker gestorben. In den Herzen vieler Künstlerkollegen ist er jedoch weiter präsent. Nun soll er mit einer Grafikmappe geehrt werden.

Lugau.

Die Lithografien von Klaus Hirsch sind aus der Wohnstube von Ilona Lommatzsch nicht wegzudenken. Die in Erlbach-Kirchberg geborene und heute in Gersdorf lebende Kunstlehrerin war nicht nur künstlerisch mit dem am 11. März 2018 verstorbenen Maler und Grafiker verbunden, sie war mit Klaus Hirsch verwandt.

"Unsere Opas waren Brüder, deshalb haben wir viel über unsere Familiengeschichte geredet." Lommatzschs Großvater Paul hat als Bergmann im Gottes-Segen-Schacht gearbeitet. Sein Bruder Max Hirsch hatte eine Möbeltischlerei in Niederlugau. Lommatzsch und Hirsch sind sich erst ab 1992 nähergekommen, nachdem Klaus Hirsch seinen Lebensmittelpunkt von Plauen wieder nach Lugau verlegt hatte. Doch seither hatte sich eine tiefe Verbundenheit entwickelt, die auch auf dem gemeinsamen Interesse an Bildender Kunst beruhte.

Für Ilona Lommatzsch war das, wie für viele andere Künstler, eine Bereicherung: "Klaus hat mich insofern beeinflusst, als ich mich in meinen Arbeiten durch ihn noch stärker auf das Wesentliche reduziert habe." Gerade die von ihr für die Grafikmappe ausgewählte Farbradierung ist ein Beispiel für diese Entwicklung, denn das Motiv gibt es mehrfach. Zunächst waren recht detailreiche Zeichnungen entstanden, später die Farbradierung in verschiedenen Farbvarianten, schließlich die endgültige, die in sich stimmige Form, die nun in einer Auflage von 20 Stück an den Kunstkeller geschickt wird.

Dort kümmert sich Jörg Seifert derzeit um die Erstellung einer Grafikmappe, die Anfang Juni erscheinen und an Klaus Hirsch erinnern soll. "Wir wollen die Mappe zunächst in Ausstellungen zeigen. Dafür suchen wir auch noch Interessenten", so Seifert. Die Idee zu dieser Hommage hatte der Sozialarbeiter und Lyriker Daniel Arnold aus Chemnitz, der auch als einer von insgesamt 17 Kollegen und Freunden von Hirsch in der Grafikmappe vertreten sein wird. Darunter sind renommierte Künstler wie Dagmar Ranft-Schinke und Steffen Vollmer (beide Chemnitz). Rainer Maria Schubert (Chemnitz) wird mit einer Lithografie jene Technik in die Grafikmappe bringen, in der Klaus Hirsch es zu höchster Meisterschaft gebracht hat. Siegfried Otto Hüttengrund (Hermsdorf) will einen Holzriss für die Mappe liefern. Kunsthistoriker Alexander Stoll (Geyer) und "Freie-Presse"-Redakteur Matthias Zwarg beteiligen sich mit Textbeiträgen. Jörn Michael (Annaberg-Buchholz) wird mit einer Handzeichnung und einem Porträtfoto vertreten sein. Angesichts solcher Namen bekennt der Thalheimer Hobbykünstler Wolfgang Ulbig: "Wenn ich sehe, wer da alles mitmacht, ist das für mich schon so etwas wie ein Ritterschlag." Um einen würdigen Beitrag beizusteuern, hat Ulbig extra einen Linolschnitt angefertigt. In dem Blatt mit dem Titel "Tag- und Nachtschatten" verarbeitet er die zuletzt durch Krankheit schwierig gewordene familiäre Situation von Klaus Hirsch.

"Es ist gut, dass der Annaberger Kunstkeller diese Würdigung in Angriff genommen hat", freut sich Ilona Lommatzsch. "Ich denke noch oft an Klaus Hirsch und besuche öfter sein Grab auf dem Lugauer Friedhof." Die 68-Jährige erinnert sich mit Dankbarkeit und Wehmut anHirsch: "Er war sehr tolerant, hat alle künstlerischen Handschriften akzeptiert und sich auch für meine Techniken interessiert. Er wollte sich sogar noch intensiver der Ätzradierung widmen, doch dazu ist es leider nicht mehr gekommen."


Kurzbiografie

Klaus Hirsch wurde 1941 in Stollberg geboren. Nach Malerlehre und Arbeit als Geselle hat er angewandte Malerei in Magdeburg studiert, anschließend als Designer und Innenarchitekt in Magdeburg und Plauen gearbeitet.

1992 ist Klaus Hirsch in seine Heimatstadt Lugau zurückgekehrt. Seither standen Malerei und Grafik im Zentrum seines Schaffens. Seine Werke befinden sich in renommierten Häusern. Klaus Hirsch gehörte zwölf Jahre zum Vorstand der Neuen Chemnitzer Kunsthütte, die ihn im Januar 2018 zum Ehrenmitglied ernannte.

Am 11. März 2018 starb Klaus Hirsch nach einem Autounfall. (czd)

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