Lehrerin findet "alte Hexe" nicht lustig

Kommentar landet vor Gericht - Angeklagter entschuldigt sich

Aue.

Die Zeit der Hexenprozesse ist lange vorbei. Doch am Amtsgericht Aue gab es nun eine Verhandlung, in der das Wort Hexe die entscheidende Rolle spielte. Angeklagt war ein junger Mann wegen seines Kommentars im Internet zu einem Video. In dem Film - von einer Oberschülerin aus dem Erzgebirge während des Unterrichts aufgenommen und bei Instagram veröffentlicht - war auch die Lehrerin zu sehen. Das kommentierte der in Aue wohnende Angeklagte, Jahrgang 1996, so: "Dann sag' der mal einen schönen Gruß, der alten Hexe." Die Lehrerin, von Dritten darauf aufmerksam gemacht, fühlte sich herabgewürdigt - und wandte sich an die Polizei. Letztlich gab es für den Kommentator, einen Azubi im 3. Lehrjahr, der einst selbst in jene Schule ging und bei der besagten Lehrerin Unterricht hatte, einen Strafbefehl über 15 Tagessätze à 15 Euro.

Der Auer legte Einspruch ein. So kam es zur Verhandlung am Amtsgericht - wegen übler Nachrede. Während die Lehrerin bekräftigte, die Formulierung "alte Hexe" habe sie in ihrer Ehre verletzt, gekränkt und beleidigt, das sei nicht lustig, sondern eine Unverschämtheit, sahen das der Angeklagte und sein Verteidiger anders. Man müsse den ganzen Satz sehen, es wäre um das Ausrichten eines Grußes gegangen. Das Verwenden von "alte Hexe" sei vielleicht falsch gewesen, doch nicht böse gemeint, habe sich auf die strenge Art der Lehrerin im Unterricht bezogen. "Wenn Sie das falsch verstanden haben, tut es mir leid. Ich entschuldige mich", sagte der Azubi im Gerichtssaal zu der Frau.


So leicht ließ Richter Detlef Kramer den jungen Mann nicht aus der Verantwortung. "Die Klägerin fühlt sich durch das Wort ,Hexe' öffentlich beleidigt und kann mit Recht dagegen vorgehen." Der Richter bot dem Angeklagten an, den Einspruch gegen den Strafbefehl zurückzuziehen. Darauf ging die Verteidigung nicht ein, sondern forderte einen Freispruch, da keinerlei Vorsatz für eine Beleidigung erkennbar sei. Das Urteil des Gerichts fiel anders aus: Der Angeklagte mit einem durchschnittlichen Monatsverdienst von 550 Euro soll 20 Tagessätze à 18 Euro zahlen und die Kosten des Verfahrens tragen. "Wir legen auf alle Fälle Rechtsmittel ein", sagte sein Anwalt. Heißt: Die Sache wird ans Landgericht Chemnitz gehen. (stl)

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