Leukersdorf: Denkmalamt lehnt Abriss des Herrenhauses ab

Das historische Gebäude auf dem Gelände des Rittergutes sollte ebenfalls weichen, damit auf dem Gelände in dem Jahnsdorfer Ortsteil eine Seniorenresidenz errichtet werden kann. Doch daraus wird vorerst nichts. Wie es nun weitergeht, ist offen.

Leukersdorf.

Die Pläne des Eigentümers, auf dem Gelände des Rittergutes in Leukersdorf eine Seniorenwohnanlage zu errichten, haben einen Dämpfer erhalten. Das Landesamt für Denkmalschutz lehnt einen Abriss des Herrenhauses ab. Das geht aus zwei Anfragen der Grünen im Landtag sowie im Kreistag hervor, die "Freie Presse" vorliegen.

Demnach schätzt das Denkmalamt auf der einen Seite den historischen Wert des Herrenhauses zu hoch ein, und andererseits die vorhandenen Schäden als nicht so gravierend, als dass ein Abriss zu rechtfertigen wäre. Das Herrenhaus ist innen durch eindringende Nässe geschädigt, außerdem sind einige Teile der Deckenkonstruktion eingebrochen, heißt es in der Antwort vom Sächsischen Innenministerium. Und: "Es wird aber eingeschätzt, dass die vorhandenen Bauschäden reparabel sind und den Abbruch nicht rechtfertigen." Weil das Innere des Herrenhauses aber schon stark umgebaut worden ist, macht die Behörde dem Besitzer das Zugeständnis, dass im Zuge einer neuen Nutzung dort auch weitere Veränderungen möglich sind. "Entscheidend ist die Erhaltung und denkmalgerechte Wiederherstellung der Fassaden und des Daches sowie eine gestalterisch qualitätsvolle Verbindung mit dem geplanten Neubau", heißt es vom Ministerium. Und das Landratsamt ergänzt: "Über die Möglichkeiten der Integration des Herrenhauses in die Neubauplanungen kann die untere Denkmalschutzbehörde nicht befinden. Allerdings wurde der Bauherrschaft aufgegeben, Möglichkeiten für die Einbeziehung des Herrenhauses in die Planungen zur Errichtung einer Seniorenresidenz zu prüfen." Dazu liege aber noch kein Ergebnis vor.

Das entspricht auch der Vorstellung des Ortschronisten Eckhard Rehnert und der Mitglieder des Heimatvereins. "Das Rittergut gehört zu Leukersdorf. Mein Wunsch wäre es, dass das Ensemble von Herrenhaus und Remise in die Planungen einbezogen werden. Zumindest die Hülle mit der historischen Front und dem Fachwerk sollte erhalten bleiben", so Rehnert unlängst. Seinen Angaben zufolge gehören Herrenhaus und das Wirtschaftsgebäude des Rittergutes zu den ältesten Bauwerken von Leukersdorf.

Im vergangenen Herbst waren bereits die Nebenanlagen im vorderen Bereich des Rittergutes abgerissen worden. Die Gemeinde Jahnsdorf unterstützt die Pläne des Investors für einen Komplettabriss, der den Ortsteil damit von einer großen Brache befreien würde. "Es soll ein großer Neubau an dieser Stelle errichtet werden. Auch unter der Maßgabe, dass das Rittergut abgerissen werden müsste, würden wir das begrüßen", sagte Bürgermeister Albrecht Spindler vor einem Monat.

Dass die Nebengebäude nicht mehr zu retten waren, das sieht auch die Denkmalschutzbehörde so. Die erhaltenen Gebäude dagegen seien von hohem Denkmalwert. Das öffentliche Erhaltungsinteresse resultiere aus der bau- und ortsgeschichtlichen Bedeutung. Insbesondere das Herrenhaus sei "ein bedeutendes anschauliches Zeugnis der Ortsgeschichte, das im Zusammenhang mit der nur wenig davon entfernten Dorfkirche das historische Zentrum von Leukersdorf bildet", stellt das Innenministerium klar.

Die Geschichte der Rittergutanlage Leukersdorf reicht nach den vorliegenden Quellen bis ins Mittelalter zurück, so das Ministerium weiter. Im 16. Jahrhundert erlangte es die niedrige Gerichtsbarkeit. Der zweigeschossige, massiv errichtete Baukörper des Herrenhauses mit Mansarddach, Schopf und markanten übergiebelten Dachaufbauten an den beiden Traufseiten seien vermutlich im 18. Jahrhundert entstanden. Der tonnengewölbte Keller, Reste schlichten Deckenstucks, eine Treppe mit Brettbalustern sowie ein ehemals vorhandener barocker Ofen und vor allem die Fassadengestaltung und die Dachform bekräftigten diese Vermutung. (mit czd)

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