Lugauer Oberschüler fragen: "Wie wollen wir wohnen?"

Im Architekturprojekt für die zukünftige Gestaltung der Concordia-Siedlung in Oelsnitz sind auch Schüler gefragt. Aber das räumliche Vorstellungsvermögen bereitet Probleme.

Oelsnitz.

Bleistift, Geodreieck und Papier liegen bereit, als der Unterricht für die Schüler des Wahlbereiches "Architektur macht Schule" beginnt: "Schreibt die Maße der Räume mit an euren Grundriss", beauftragt Kunstlehrerin Susann Popp ihre Schüler. Die 14-jährige Sophia Weise sieht von dieser Aufgabe wenig begeistert aus: "Mir macht das praktische mehr Spaß", erzählt die Leukersdorferin und fügt hinzu: "Am Anfang dachte ich mir so 'naja' bei dem Projekt. Aber jetzt, wo es in Fahrt kommt, macht es Spaß".

Im Rahmen des Schulprojekts "Architektur macht Schule" können die Schüler freiwillig ihre Architekturkenntnisse ausbauen und werden dabei von einem professionellen Architekten unterstützt. Bereits letztes Jahr hat die Lugauer Oberschule Am Steegenwald an diesem Projekt teilgenommen und ihren Entwurf für eine dringend benötigte Bushaltestelle sogar dem Stadtrat vorgestellt. Die reale Umsetzung der Entwürfe ist dabei aber eine Ausnahme: "Es geht darum, planerisch tätig zu sein - an einem Gebäude, was bereits vorhanden ist", beschreibt Susann Popp den Inhalt des Unterrichts.

Dieses Mal, dem Jahr der Industriekultur, beschäftigen sich die Schüler mit den zu großen Teilen leerstehenden Wohnungen in der Concordia-Siedlung in Oelsnitz. Nachdem sie am Anfang des Schuljahres einen Vortrag mit Bildmaterial über die damalige Bergarbeitersiedlung hörten und die Räumlichkeiten selbst vermessen hatten, ging es an die Planung. "Was ist zeitgemäßes wohnen? Wie wird es eine coole Wohnung?", beschreibt Susann Popp die Fragen, welche sich die Jugendlichen stellen sollen. Bei einer gemeinsamen Exkursion in das Einrichtungsgeschäft Ikea konnten die Schüler an Computern die Küche digital und dreidimensional einrichten. Im Schulunterricht muss die Gestaltung der Räume jedoch mit Bleistift zweidimensional auf Papier gezeichnet werden, was viel räumliches Vorstellungsvermögen abverlangt. Das sorgt bei manchen für Probleme, wie André Böhm festgestellt hat: "Wenn ein Raum 1,50 Meter breit ist und die Badewanne 0,75 Meter, dann passt daneben keine Toilette mehr. Ich hätte nicht gedacht, dass räumliche Vorstellung zu vermitteln so schwierig ist", erzählt der Oelsnitzer Architekt. Dennoch glaubt er an das Gelingen dieses Projekts und freut sich über die Fortschritte: "Es macht Spaß und ist ein Erfolg, wenn sie Dinge verstehen".

Am Ende werden die Jugendlichen einen für sie "coolen" Raum mittels Beamer an die Wände der Concordia-Wohnung projizieren, einen weiteren richten sie im Stile der damaligen Bergarbeiter ein. Zu sehen ist das Ganze am dritten Maiwochenende zum Tag der offenen Tür der Concordia-Siedlung, zu welchem auch professionelle Architekten ihre Ideen für die Siedlung präsentieren werden.

Während Sophia Weise sich über die praktischen Tätigkeiten freut, hat ihre Mitschülerin Alicia Pampel Gefallen an der Theorie gefunden und könnte sich vorstellen, in dieser Richtung einmal zu arbeiten: "Ich möchte vielleicht Bauzeichnerin werden", erzählt die 13-jährige Leukersdorferin. Damit hat das Projekt "Architektur macht Schule", durchgeführt von fünf Leader-Regionen gemeinsam mit der Stiftung Sächsischer Architekten, seine Ziele erreicht: Jugendliche für Architektur sowie ländliches Bauen zu sensibilisieren und mögliche Berufe im Bauwesen deutlich zumachen.


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