Lugauer wehren sich gegen Wohngebiet

Noch ist es ein Feld mit dahinter liegendem Wald, aber geht es nach den Vorstellungen eines Investors, sollen auf dem Lugauer Areal bald bis zu 19 Eigenheime stehen. Die Stadt sieht das Vorhaben positiv. Die Anwohner nicht.

Lugau.

Dass zwischen Erlbacher Straße und Am Pfarrgrund - hinter der Bebauung entlang der Hohensteiner Straße - ein Wohngebiet entstehen soll, stößt bei den Anwohnern, aber auch vielen anderen Lugauern auf Widerstand. Ihre Argumente reichen von einer wachsenden Unfallgefahr insbesondere an der Einmündung Am Pfarrwald in die Hohensteiner Straße über eine erhöhte Lärmbelastung und den Verlust von landwirtschaftlicher Fläche bis hin zu Nachteilen für die Tier- und insbesondere die Vogelwelt. Was die Anwohner aber am meisten befürchten: dass das Projekt schon "in Sack und Tüten", also beschlossene Sache ist. Denn vor zwei Wochen gab es Aktivitäten auf dem Areal, zwei Männer vermaßen es offensichtlich und setzten anschließend Pflöcke, berichten Barbara Ullmann und Sven Trommler, die im Auftrag von etwa 20 Anwohnern auf "Freie Presse" zugekommen sind, um auf ihre Probleme aufmerksam zu machen.

Nach Rücksprache mit dem Projektsteuerer gibt Bürgermeister Thomas Weikert (Linke) in diesem Punkt allerdings Entwarnung: Das Setzen der Pflöcke sei im Auftrag des Eigentümers und auf Bitten des Bauern erfolgt, der hier Pachtflächen hat. Der habe wissen wollen, bis wohin er das Feld umpflügen kann. Das ist zwischenzeitlich auch passiert, sodass man die Fläche des geplanten Wohngebietes gut erkennen kann.

Die ist statt der ursprünglich geplanten 3,15 nur noch 2 Hektar groß, statt 32 Häuser entstehen maximal 19. Hintergrund ist laut Weikert, dass ein Anwohner - nachdem die Pläne Anfang des Jahres erstmals in der Öffentlichkeit vorgestellt worden waren - darauf aufmerksam gemacht hatte, dass laut Regionalplan im Bereich Richtung Wald ein sogenannter regionaler Grünzug eingezeichnet ist. Man sei daraufhin in der Landesdirektion vorstellig geworden, um den Sachverhalt zu klären. Das Ergebnis sei die Verkleinerung des Gebietes gewesen. So habe man im Vorgriff etwas reguliert, was im Zuge der jetzigen Beteiligung der Träger öffentlicher Belange aber ebenfalls klar geworden wäre.

Stadt und Stadtrat befürworten das Wohngebiet. Dass es Gegenwind von Lugauern gibt, habe er erst vor einer Woche erfahren, als zum ausliegenden Vorentwurf 17 Stellungnahmen von Anwohnern sowie die Listen mit etwa 500Unterschriften auf seinen Tisch kamen, sagt Weikert. Enttäuscht sei er, dass die Bürger nicht zuerst mit ihren Problemen zu ihm gekommen seien, sondern beispielsweise das Landwirtschaftsministerium angeschrieben haben, wie aus einer Kopie an ihn hervorgeht. Auch der Vorwurf, man brauche keine Zuzügler anlocken, weil in Lugau eh nichts los sei, akzeptiere er nicht. "Wir haben allein im Veranstaltungskalender der Villa Facius mehr als 90 Einträge."

Die Anwohner kritisieren unter anderem, dass der Naturschutzbund Nabu im jetzigen Verfahren nicht direkt beteiligt wurde. Der Bürgermeister begründet dies damit, dass Belange des Naturschutzes vom Landratsamt abgefragt werden. Man habe dem Nabu die Unterlagen jetzt aber trotzdem zukommen lassen. Ein weiterer Kritikpunkt der Anwohner: Bevor man am Stadtrand Flächen versiegelt, sollten zunächst innerstädtische Lücken bebaut werden. So stehe es auch im Baugesetzbuch. Weikert sagt, dass die Lücken, auf die die Stadt Einfluss habe, bereits gut genutzt wurden. Es gebe aber eine große Nachfrage nach Bauplätzen für weitere Einfamilienhäuser, die man als Stadt nicht habe.

Alle Einwendungen auch von Privat werden ernst genommen, bekräftigt Weikert. Der Planer werde diese entweder in den Vorentwurf einarbeiten, oder begründen, warum es nicht geschieht. Der Stadtrat hat dann die Möglichkeit, das Ergebnis zu akzeptieren, oder Änderungen vornehmen zu lassen. Danach gebe es für den Entwurf eine erneute Auslegung und Beteiligung. Die dann eingehenden Bedenken oder Vorschläge werden vom Rat einzeln abgewogen und erst dann werde der Bebauungsplan beschlossen.

Die Anwohner geben ihrerseits nicht auf, beteuern Ullmann und Trommler. Man wolle einfach nicht, dass Natur zerstört und landwirtschaftliche Fläche vernichtet werde.

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