Nach Begehung: Zeichen für Esda-Stift stehen schlecht

Auerbachs Bürgermeister plant schon mal mit Alternativen - wie der Behindertenverein auch. Denn die Frage scheint nur noch zu sein: Schrecken ohne Ende - oder umgekehrt?

Auerbach.

Ratlosigkeit - das Wort trifft die Stimmung, die am Dienstagabend nach einem Stift-Rundgang unter den gut 50 anwesenden Auerbachern herrschte, wohl am besten. Der aktuelle Zustand erlaubt keinen Weiterbetrieb, das war klar geworden. Weniger klar ist, ob die Gemeinde überhaupt eine Chance hat, die Immobilie zu erhalten, den Saal für Einschulungsfeiern oder Einwohnerversammlungen zu nutzen.

"Die Weiternutzung muss Ende des Jahres klar sein", sagt Iven Otto, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes. Länger könne man als gemeinnütziger Verein die Immobilie mit all ihren Betriebskosten nicht für die Gemeinde vorhalten. Was allerdings an Kosten auf diese zukäme, sei noch nicht bezifferbar. Gerade erst, sagte DRK-Kreisverbandsvorstandsmitglied Frank Lippold, habe man den Istzustand erfasst. Die ursprünglich vermisste Bank ist dabei im Übrigen wieder aufgetaucht.

Zumindest schätzte Stefan Schellenberger, Gemeinderat und als Heizungsinstallateur vom Fach, dass die nicht betriebsbereite Heizung mit "überschaubarem Aufwand" wieder zu nutzen wäre. Aber selbst der in den Raum geworfene "vierstellige Betrag" ist für die Gemeinde derzeit nicht finanzierbar. Um den Doppelhaushalt 2017/18 ausgeglichen und damit genehmigt zu bekommen, war jede nicht zwingend notwendige Ausgabe gestrichen worden - letztendlich ist kein Cent für den Stift vorgesehen.

Seit Gemeinderat und DRK den Deal aushandelten, dass das DRK auch den Stift kauft und ihn dann die Gemeinde übernimmt, ist eine völlig neue Situation eingetreten: Es gibt keinen Betreiber mehr und das Haus ist nicht ohne Investition nutzbar. Bürgermeister Horst Kretzschmann sagte gestern, dass unter diesen neuen Gegebenheiten "die Zeichen sehr schlecht" stehen. Er habe zwar die Hoffnung noch nicht aufgegeben und werde weiter nach Lösungen suchen - allerdings für die Schulanfangsfeier auch schon nach Alternativen.

Auch die 40-köpfige Ortsgruppe des Behindertenverbandes Stollberg, die seit zwölf Jahren einen Raum im Stift nutzt, ist skeptisch, wie es weitergehen soll. "Selbst wenn einer das hier kauft, zu welchen Konditionen geht es dann für uns weiter?", fragt Siegfried Langer, der Vorsitzende. Der Verein zieht Konsequenzen: Vorsorglich schaue man sich im Ort bereits nach Alternativen um, sagt er.


Kommentar: Mut zum Abschied gefragt

Ich bin kein Auerbacher und darum werden diese sagen, ich verstehe das Ganze nicht. Ja, mich verbinden keine Jugend-Erinnerungen mit dem Stift, ich habe nie bei Esda gearbeitet. Aber manchmal ist so ein "Blick von außen" auch ganz gut. Er ist nämlich weniger verklärt.

Auerbach ist mit Esda groß geworden und vieles ist mit dem Aus des Betriebes leider den Bach runtergegangen. Arbeitsplätze und auch Steuereinnahmen. Und jetzt auch noch der Treff mitten im Ort. Aber den mit Macht halten zu wollen ("Koste, was es wolle" kann man ja nicht sagen, denn genau das sollte es ja nicht: etwas kosten), ist rückwärts gewandt. Ein Dorf braucht einen Treff, eine Möglichkeit zum Feiern. Das ist richtig. Jetzt ist aber der Zeitpunkt gekommen, sich nach Alternativen umzuschauen - auch im Interesse der betroffenen Vereine. Selbst ein Neubau scheint mir realistischer zu sein, als eine solch überdimensionierte Immobilie erhalten zu wollen. Ein Abschied tut immer weh, aber manchmal geht es nicht mehr anders.

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