Neues Berggeschrey erreicht die Stadt Freiberg

Mit der Schließung der letzten Grube schien die Zeit des Bergbaus dort vorüber zu sein. Ein Trugschluss, ist sich Oberberghauptmann Bernhard Cramer sicher.

Freiberg.

Der erste Silberfund in der Freiberger Region liegt reichlich 850 Jahre zurück. Diesem Berggeschrey folgten einige weitere, doch die Zeit des Bergbaus schien vor einigen Jahrzehnten vorüber zu sein, als die letzte Grube geschlossen wurde. Dass dies ein Trugschluss ist, ist sich der Oberberghauptmann, Professor Bernhard Cramer, sicher.

Seit gut zwölf Jahren entwickle sich im Erzgebirge ein neuer Bergbau auf die Erz- und Spatlagerstätten, erläuterte Cramer bei einem Vortrag an der TU Bergakademie. Erst kürzlich sei die 61. Genehmigung des Amtes zur Erkundung von möglichen Vorkommen erteilt worden, die fünfte im Jahr 2018. Gesucht werde vor allem nach Zinn, Lithium oder Indium. Bernhard Cramer nannte dafür Unternehmungen in Zinnwald, Niederschlag, Pöhla und Breitenbrunn als Beispiele. Die Rohstoffe werden derzeit vor allem bei der Herstellung von Batterien benötigt, die besonders die Smartphone-Industrie verwendet. "Jede neue Technologie verlangt auch neue Rohstoffe, die oftmals durch Recycling nicht zu gewinnen sind", so der Experte. "Das bedeutet, dass der Bergbau mehr bereitstellen und dafür größere Risiken eingehen muss."

Speziell für das Erzgebirge und seinen Bergbau hat das neue Berggeschrey Auswirkungen, die bis nach Freiberg reichen, auch wenn dort keine neuen Rohstoffquellen erkundet werden. Doch gehört mehr dazu als nur die Erkundung und Ausbeutung von Lagerstätten. So gab Cramer einen Überblick über die bergbaulichen Aktivitäten in der Silberstadt, etwa die weitere Sanierung des Rothschönberger Stollns. "Erst 2002 hat man so richtig erkannt, wie wesentlich für die Entwässerung diese Anlage ist", sagte Cramer.

Er bezeichnete den Stolln als Schlüssel des Freiberger Gebirges. 2012 sei deshalb auf der Reichen Zeche eine Befahrungsanlage zwischen der ersten Sohle und dem Rothschönberger Stolln eingebaut worden. Von 2008 bis 2013 sanierte man den Schacht der Reichen Zeche unterhalb der ersten Sohle, und von 2011 bis 2017 wurde der Drei-Brüder-Schacht ertüchtigt. In Planung sei nun die Sanierung des Stollns vom Drei-Brüder-Schacht bis zur Reichen Zeche.

Eine Herausforderung ganz anderer Art stellt sich seit Kurzem mit den Arbeiten am Untermarkt. Bei den Maßnahmen zur Sanierung der Straßen kam der ehemalige Familienschacht zum Vorschein. Dieser hat nicht nur bergbauliche Bedeutung, sondern war auch der Ort, an dem Alexander von Humboldt während seines Studienjahres an der Bergakademie von 1791 bis 1792 hauptsächlich tätig war. Die Frage stehe nun, wie man damit umgehen soll, so Cramer.

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