Oelsnitz feiert sächsische Kabarettisten in der Stadthalle

Volle Reihen und gute Stimmung im altehrwürdigen Kulturhaus: Doch das Publikum fremdelt mit einem Leipziger Szene-Urgestein. Dem Abend tut das kaum einen Abbruch.

Oelsnitz.

Der große Saal der Oelsnitzer Stadthalle ist voll, jeder Stuhl belegt, die Tische bereits gedeckt mit Wein, Bier und etwas zum Knabbern sowie gemütlicher Dekoration. Als am Samstag um 19 Uhr das Licht gedimmt wird und Moderator Bodo Taubert die Bühne betritt, ist die Stimmung zunächst gut. Mit seiner lockeren und witzigen Art bezieht er auch das Publikum mit ein: "Haben wir verheiratete Männer hier?", fragt er in die Menge. Kaum jemand meldet sich. "Na offensichtlich haben wir ganz viele Feiglinge hier", kontert der geübte Moderator auf die Schüchternheit des Publikums und das Eis ist gebrochen.

Nach fünf Minuten startet auch schon der erste von vier Programmpunkten. Den Anfang macht Clemens-Peter Wachenschwanz aus Leipzig, der in seinen Blues-Songs über verschiedene Begebenheiten und Fettnäpfe aus seinem Leben berichtet. Abgesehen von der anfangs etwas holprigen Akustik, kann das Publikum auch mit seinem teilweise sehr harschen Humor nicht sehr viel anfangen: "Der Moderator ist sehr witzig. Aber der erste Kabarettist hat uns nicht gefallen. Ich hatte auch das Gefühl, dass es im Saal nicht sehr gut ankam", stellt die 25-jährige Rebecca Scheffler aus Neuwürschnitz fest. Sie und ihr Freund haben in letzter Minute noch Karten ergattert. Da der Saal aber bereits ausgebucht war, wurden Restkarten für den Rang angeboten: "Die Veranstaltung findet zum zweiten Mal statt, und bereits letztes Jahr war sie gut besucht. Aber dieses Jahr geht wirklich nichts mehr, wir sind restlos ausverkauft", freut sich Stadthallenleiterin Kerstin Pfeil.

Als Zweite starteten die in der Umgebung bekannten und beliebten "Barhocker" Sascha Wildenhain und Kay Haberkorn und munterten das Publikum mit ihrem neuen Programm über Gefühle und das Smartphone-Zeitalter wieder auf: "Wenn man Gefühle in sich hineinfrisst, platzt man irgendwann. Sieh dir diese Gesichter an. Alle kurz vorm Platzen", necken sie das Publikum.

Renate (75) und Jochen Kokott (77), welche bereits letztes Jahr beim Oelsnitzer Kabarettabend dabei waren, freuten sich besonders auf den zweiten Teil des Abends: "Bis auf den ersten Auftritt sind alle Spitze. Aber besonders Ulbricht und Schaller finden wir ganz, ganz super." Die beiden Lugauer haben bereits in Klaffenbach das komplette Programm von Gerd Ulbricht und Ellen Schaller vom Chemnitzer Kabarett gesehen und sind begeistert.

"Ich bin schon etwas nervös. Man ist hier ja nicht so zuhause und das ist immer ein bisschen schwieriger", gesteht Ellen Schaller. Doch bevor die zwei Kabarettisten von großer Politik bis hin zu den kleinen Geschichten aus dem Alltag alles aufs Korn nahmen und so für einen krönenden Abschluss sorgten, hatte noch Erik Lehmann seinen Auftritt. Auch er konzentrierte sich besonders auf die Politik und nahm mit seinem politisch-satirischen Kabarett kein Blatt vor den Mund.

Von Schmunzeln über lautes Lachen und dem ein oder anderen zustimmenden Nicken war an diesem Abend alles dabei. Im angenehmen Ambiente der Stadthalle zeigten die Kabarettisten, was in unserer Gesellschaft falsch läuft, hinterfragt werden muss oder auch einfach nur lustig zu beobachten ist und bescherten dem Publikum damit einen heiteren Abend, der aber auch zum Nachdenken anregte.

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