Ortsdurchfahrt bleibt heißes Eisen

Eine neue Grundschule ohne eigenen Schulleiter und eine holprige Hauptstraße - diese Baustellen werden den neuen Gemeinderat von Gornsdorf beschäftigen. Der Ort hat angesichts einer starken Wirtschaft aber Handlungsspielraum.

Gornsdorf.

Vor allem zwei Themen werden den neuen Gornsdorfer Gemeinderat beschäftigen: die Sanierung der Ortsdurchfahrt und der Umbau der alten Schule zum Dorfgemeinschaftshaus - wobei Letzteres bereits läuft. Entscheidender wird der Bau der Hauptstraße sein und die Frage: Wie kommen die Gornsdorfer dann durch ihren Ort?

Denn die Hauptstraße ist die Lebensader für Gornsdorf, und an einer Stelle gibt es keine Möglichkeit für eine Umleitung. Eine Horrorvorstellung, da der Bau nicht in einem Sommer fertig gestellt sein wird. "Die Straße muss auf jeden Fall gebaut werden. Aber wenn sie über Jahre gesperrt wird, dann gibt es in Gornsdorf kein Geschäft mehr", sagt Heiko Schmidt. Der Bäckermeister hat in Gornsdorf, Thalheim und Stollberg insgesamt vier Filialen.

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"Wir Gewerbetreibenden brauchen eine funktionierende Infrastruktur", sagt Schmidt, der zudem für den Bau von Parkplätzen vor der Schule plädiert. Der 54-Jährige hofft, dass die Ortsdurchfahrt halbseitig und mit möglichst wenig Sperrungen gebaut werden kann. "Und dass wir als Betriebe frühzeitig informiert werden." Noch gibt es aber keinen Zeitplan, betont Bürgermeisterin Andrea Arnold. Die Straße gehört dem Freistaat. Damit es schneller geht, hatte die Gemeinde bereits die Planungen übernommen. Aktuell wird über die Umleitungsstrecke diskutiert, Gornsdorf favorisiert die Sonnenstraße, die - wenn sie saniert ist - auch von den Schulbussen genutzt werden könnte.

Gornsdorf ist ein starker Wirtschaftsstandort, nimmt pro Jahr um die 1,5 Millionen Euro Gewerbesteuer ein. Das macht den Ort zu einem der wohlhabenderen in der Region, der über die sogenannte Reichensteuer etwas abgeben muss. In erster Linie durch die starke Wirtschaft war es möglich, vor knapp zwei Jahren den Neubau einer modernen Grundschule einzuweihen, der ohne Fördermittel gestemmt wurde. Nicht ganz freiwillig, denn die Einrichtung hat aus Sicht der Landesbehörde nicht genug Schüler. Deshalb fließen keine Zuwendungen und die Gemeinde kann nicht auf die Besetzung des Schulleiterpostens pochen - eine weitere Baustelle für die Verantwortlichen in Gornsdorf.

Stark im Ort sind auch die Vereine, allen voran der TSV Elektronik Gornsdorf. 458 Mitglieder, davon 206 Kinder und Jugendliche, hat der TSV, und das obwohl Gornsdorf gerade einmal 1929 Einwohner hat. Der Chef des Vereins, Hans Georg Anhut (78), sagt: "Ich kenne keinen Verein, der so eine Unterstützung durch die Gemeinde und den Gemeinderat hat wie wir." Vor allem mit der Leichtathletikanlage hinter der Turnhalle, die die Gemeinde bis Mitte 2015 für insgesamt 315.000 Euro sanierte, herrschten gute Bedingungen, lobt Anhut. Deshalb haben wir auch viele Mitglieder aus den umliegenden Gemeinden."

Darauf, dass die anderen Vereine ins Dorfgemeinschaftshaus umziehen, fiebert unter anderem Achim Richter hin. Der 77-Jährige kümmert sich um die Ausstellung zur Geschichte der Strumpfindustrie, die derzeit noch im Rathaus steht. "Wir freuen uns alle auf den Umzug. Das Haus soll ja zum Dorfzentrum werden", so Richter. Ende des Jahres soll der Umbau abgeschlossen sein, der 1,1 Millionen Euro kosten wird und von Fördermitteln unterstützt wird. Davon werden aber auch noch die Schäden im Keller beseitigt, die das Hochwasser 2013 angerichtet hatte. Dieses hatte Gornsdorf hart getroffen, 3,75 Millionen Euro sind seither in die Instandhaltung des Baches und der Brücken geflossen.


Kommunalwahl - die Kandidaten

CDU:

Anne Uhlig (Jahrgang 1989, Diplom-Betriebswirtin), Alexander Richter (1987, wissenschaftlicher Mitarbeiter), Jörg Günther (1979, Bauleiter Straßen- und Tiefbau), Horst Grieser (1952, Rentner), Rüdiger Schmidt (1964, Sparkassen-Betriebswirt), Elisabeth Kirsten (1960, Motopädin), Jens Brunner (1969, Angestellter).

Freie Wähler:

Hannelore Uhlig (1952, Rentnerin), Andy Sieber (1974, Gas- und Wasserinstallateur), Michael Nobis (1962, Mitarbeiter Service), Falk Schöne (1973, Diplom-Heilpädagoge).

Die Linke:

Barbara Drechsel (1953, Angestellte), Torsten Kühne (1999, Auszubildender), Ute Fritzsch (1970, Qualitäts- und Umweltmanagement).


Das wollen die einzelnen Parteien, die in Gornsdorf antreten, für den Ort erreichen

Die CDU will in Gornsdorf die örtlichen Vereine und die Freiwillige Feuerwehr unterstützen. Das Ziel seien zudem "nachhaltige Finanzentscheidungen zur Aufrechterhaltung der kommunalen Eigenständigkeit" sowie die Weiterentwicklung des Ortsbildes und der örtlichen Infrastruktur-Einrichtungen mithilfe des Eigenbetriebs. Weiterhin soll Gornsdorf als Schulstandort langfristig gesichert werden und ein attraktives Wohnumfeld sowie Wohnraum für alle Gornsdorfer gestaltet werden. Das Dorfgemeinschaftshaus soll sich zum Zentrum des dörflichen Lebens entwickeln und auch künftig sollen geeignete Bedingungen für Gewerbe und Wirtschaft geschaffen werden. Dazu gehört für die CDU auch die Sanierung und Instandhaltung der Verkehrsinfrastruktur im Ort und ein gezielter Einsatz von Förderinstrumenten.

Die Freien Wähler haben sich als obersten Grundsatz vorgenommen, dass "das Leben in Gornsdorf lohnenswert sein" soll. Dafür sei es wichtig, dass der Grundschulstandort erhalten bleibt und die Schulleiterstelle besetzt wird. Außerdem sollen die kulturellen und sportlichen Einrichtungen wie Volkshaus, Naturbad, Sportplatz, Turnhalle und Dorfgemeinschaftshaus erhalten bleiben beziehungsweise noch attraktiver gestaltet werden. Auch die Unterstützung der Vereine sei wichtig: "Das Engagement der Bürger muss gefördert und unterstützt werden." Weiteres Ziel der Freien Wähler ist die Sicherung und Förderung des Wirtschaftsstandorts Gornsdorf. "Auch das Thema Erneuerung der Ortsdurchfahrt sowie die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr ist von großer Bedeutung. Nicht zuletzt spielt auch die Wohnbebauung eine große Rolle."

Die Linke setzt sich für bessere Lebensbedingungen für jede Altersgruppe ein, unter anderem durch generationsspezifische und generationsübergreifende Freizeitangebote. Ziel sei das Ausloten von bildungsnahen sowie kreativen Angeboten gemeinsam mit den Gornsdorferinnen und Gornsdorfern. Wichtig ist der Partei zudem eine bürger- und firmenverträgliche Sanierung der Ortsdurchfahrt. "Dafür bedarf es einer über die gesamte Bauphase hinweg existierende Servicestelle." Unter anderem durch die Organisation von Stammtischen für Firmen, Frauen und Jugendlichen soll eine konsequente demokratische Mitbestimmung erreicht werden. Ziel sei auch ein nachhaltiges Umweltengagement, etwa indem Energieeinsparpotenziale genutzt und alternative Quellen der Energiegewinnung erschlossen werden. Als Beispiele nennt die Partei Bemühungen um eine Ladestation für E-Autos und die Pflege umweltrelevanter Kleinode. (kan)

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    0
    vomdorf
    24.04.2019

    Gornsdorf hat deshalb keinen Schulleiter, weil die Grundschule ohne Segen des LaSuB („Schulamt“) gebaut wurde, denn Gornsdorf hat einfach nicht genug Schüler in den nächsten Jahren, um eine Klasse 1 zu bilden.

    Aber Gornsdorf hat Geld und macht, was es will...in der Hoffnung, dass es schon irgendwie geht. Dieses „Irgendwie“ gipfelt dann darin, dass Schulleiter aus anderen Schulen Gornsdorf noch „nebenbei“ leiten dürfen, denn mehr Geld bekommen die nicht dafür.

    Warum wird das nicht so veröffentlicht? Gornsdorf hatte ja auch spekuliert, dass eins Tages die Auerbacher Kinder mit in das Gebäude gehen....allerdings sind die Klassenzimmer in Gornsdorf für eine volle Klasse mit 28 Kindern zu klein.
    Stimmt nicht? Hingehen und anschauen, dann mal eine Sicherheitsfachkraft für Schulen kontaktieren....



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