Polizei zieht ihr Fahndungsnetz im Grenzgebiet enger zusammen

Bundes- und Landespolizei arbeiten künftig im erweiterten Grenzgebiet enger zusammen. Die Koordinierungsstelle für Mittelsachsen und Erzgebirgskreis sitzt in Stollberg. Welche Fäden laufen dort künftig zusammen?

Stollberg.

Schlagworte wie "intelligentes Grenzmanagement", "Fahndungsachse" oder "Wettlauf der Technik" schwirren bei der Eröffnung des Fahndungs- und Kompetenzzentrums (FKZ) Mittelsachsen durch den Hof des Stollberger Polizeireviers. Dort ist das Büro im historischen Gebäude für Jens Becker und Jens Reimann eingerichtet worden: zwei Schreibtische, jeweils drei Monitore und einige Wandkarten mit dem Einzugsgebiet. Im gleichen Gebäude ist bereits die gemeinsame Ermittlungsgruppe von Landes- und Bundespolizei untergebracht. Auch die beiden Beamten des FKZ gehören diesen beiden Behörden an: Jens Becker gehört zur sächsischen Polizei und sein Kollege zur Bundespolizei. "Wir werden hier die vorhandenen Daten von Bundes- und Landespolizei zusammenbringen und auswerten", erklärte Jens Becker die Vorgehensweise des FKZ. "Wir erstellen ein Kriminalitätsbild, planen Einsätze."

Die Chemnitzer Polizeipräsidentin Sonja Penzel sagte anlässlich der Eröffnung: "Wir schließen die Fahndungsachse entlang der deutsch-tschechischen Grenze." Bisher gibt es im Vogtland und in Ostsachsen Fandungs- und Kompetenzzentren. In Plauen startete die Arbeit vor vier Wochen, in Bautzen gibt es das Zentrum bereits seit Oktober vergangenen Jahres. Für Becker und Reimann ist das ein Glücksfall. Sie können nun frei von technischen Kinderkrankheiten mit der Arbeit starten. "Da Bundes- und Landespolizei mit unterschiedlichen Programmen arbeiten, musste einiges angepasst werden. Doch das ist mittlerweile alles erledigt", sagte Becker. Über die technische Anpassung hinaus gab es auch persönlichen Austausch mit den Kollegen. Denn künftig werden die drei FKZ eng zusammenarbeiten, um der grenzüberschreitenden Kriminalität Paroli bieten zu können. "Wir haben nun einen Fahndungskorridor, der die lückenlose Fahndung in den Blick nimmt", sagte der sächsische Innenminister Roland Wöller. Da die Bekämpfung der grenzüberschreitenden Kriminalität stets auch ein Wettlauf der Technik sei, könnten nun die vorhandenen behördlichen Ressourcen besser auf die Straße gebracht werden.

Speziell geht es darum, Beobachtungen zu bündeln, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen und in Echtzeit weiterzugeben. Wie etwa bei der sogenannten "Mazda-Serie", bei der in Chemnitz Autos dieser Marke gestohlen worden waren. Als solche später auf der Autobahn gesichtet wurden, brachte eine initiierte Kontrolle den Fahndungserfolg. Künftig wird es aber auch leichter möglich sein, zu erfassen, ob ein verdächtiges Fahrzeug kurz vor einer grenznahen Kontrolle kehrtmacht. Kommt es dann in einem anderen Grenzbereich auf die Bildfläche, sind die Beamten dort dann schon im Bilde.

"Sicherheit fängt an der Grenze an", betonte Wöller. Die solle mit "intelligentem Grenzmanagement" erhöht werden. Im Blick hat das Stollberger FKZ dabei auch die Zufahrten zum direkten Grenzgebiet, sagte André Regner. Er ist Leiter des Polizeireviers in Stollberg. Zwar ist das FKZ ihm nicht unterstellt, dennoch kennt sich Regner mit der Rolle der S258 oder der Autobahn als Schnittstelle bei der grenzüberschreitenden Kriminalität aus. Durch die neue Koordinierungseinheit sei eine abgestimmte Fahndungsarbeit über den 30-Kilometer-Grenzkorridor hinaus nun noch effektiver möglich, betonte André Hesse, Präsident der Bundespolizeidirektion Pirna. Marco Wanderwitz, Staatssekretär im Bundesinnenministerium und hiesiger CDU-Bundestagsabgeordneter, weitet den Blick auf die A 4 sowie die A 14 und die A 72 aus, die er als Kriminalitätsautobahnen bezeichnet. "Mit den drei FKZ möchten wir den Kriminellen das Leben in diesem Korridor schwer machen", sagte er.

Dass das FKZ Mittelsachsen lediglich mit zwei Beamten besetzt ist, sehen Penzel und Hesse keineswegs als Makel an. "Die beiden Beamten sind eine gute Grundausstattung", sagte Hesse. "Mir ist ohnehin lieber, wenn mehr Kollegen auf der Straße sind." Nach ein bis zwei Jahren werden die FKZ evaluiert. Es wird also ausgewertet, was gut läuft und wo es hakt. Oder ob - wie es Roland Wöller ausdrückt - die "Sorgenfalten bei Kriminellen" größer geworden sind. Gut möglich, dass die FKZ erweitert werden. "Der Zoll würde sicher auch gut passen. Zu groß werden darf die Gruppe jedoch nicht. Aber jetzt starten wir erst mal mit der Arbeit", sagte Sonja Penzel.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...