Schützenhilfe aus dem Erzgebirge für die Chemnitzer Bewerbung

Noch sind gemeinsame Kulturhauptstadt-Projekte rar. Doch von Aue über Oelsnitz bis Zwönitz besteht kein Zweifel daran, dass der europäische Titel Vorteile bringt. Ideen gibt es schon.

Oelsnitz/Zwönitz.

Gut findet es die Jury für die Europäische Kulturhauptstadt 2025, dass der Kandidat Chemnitz gemeinsam mit dem Umland zum Kampf um den Titel antritt. Das hatte das Gremium kürzlich in seiner Begründung mitgeteilt. Darin wurde erläutert, warum Chemnitz mit seiner Bewerbung - neben Hannover, Hildesheim, Magdeburg und Nürnberg - eine Runde weiter gekommen ist. Bürgermeister aus 24 Städten und Gemeinden hatten sich schon vor einer Weile öffentlich mit dem Vorhaben solidarisiert. "Die Stadt versteht sich als Region", sagt der Chemnitzer Pressesprecher Matthias Nowak. Deswegen sollen Stadt und Land von einem Kulturhauptstadtjahr profitieren. "Chemnitz hatte den Mut, sich zu bewerben. Und wir haben von Anfang an gesagt, wir wollen das Umland einbinden."

So wird Chemnitz am 21. Juni gemeinsam mit Frankenberg, Mittweida, Zwönitz, Hainichen, Stollberg und Zschopau die Fête de la Musique feiern. Wie die Stadtverwaltung am Dienstag offiziell mitteilte, wird das Musikfestival, das in mehr als 540 Städten in aller Welt dem längsten Tag des Jahres gewidmet ist, zum Anlass genommen, jene Städte einzubinden, die die Chemnitzer Bewerbung um den Titel Europäische Kulturhauptstadt 2025 unterstützen. Auf diese Weise, so heißt es, werden die angrenzenden Städte zu einer Kulturregion. In Chemnitz wird es erneut verschiedene Bühnen und kleine Straßenmusikerplätze rund um den Roten Turm mit Musikern aus verschiedenen Genres und Kulturkreisen geben, kündigte Benjamin Gruner vom Spinnerei-Verein an, der das Festival in Chemnitz organisiert. "Wir sind gespannt, wie die Fête de la Musique in der Region aufgenommen wird", sagte er. In Zschopau und Zwönitz gab es das Festival bereits, in Frankenberg, Mittweida, Stollberg und Hainichen wird es zum ersten Mal stattfinden.

Ähnliche Zusammenarbeit gibt es beim Literaturfestival "Lese Lust", das am 18. März startet. Dann werden neben Chemnitz unter anderem auch Leukersdorf, Oelsnitz, Jahnsdorf und Lichtenstein Orte von Lesungen sein.

Zwönitz hat schon ein Vorhaben mit den Chemnitzern in die Tat umgesetzt: Für seine Oldtimerausfahrt "Erzgebirgs-Classics" während der Veranstaltung "Sommer-Oldies" wählte die Stadt in Kooperation mit der Stadt Chemnitz das Sächsische Eisenbahnmuseum Chemnitz-Hilbersdorf als Ziel. Alles, was da passierte, organisierten die Chemnitzer. Um die Anmeldung der Fahrer und die Strecke kümmerten sich Zwönitzer. Schließlich parkten 100 historische Fahrzeuge vor der Bahnkulisse. "Wir haben damit gezeigt, wie die kulturelle Zusammenarbeit mit Chemnitz funktionieren kann", sagt der Zwönitzer Bürgermeister Wolfgang Triebert. Ähnliche Formate kann er sich vorstellen, wenn Chemnitz 2025 Kulturhauptstadt wird. Als Essen 2010 dran war, erkor die Stadt jede Woche einen anderen Ort zur Mitkulturhauptstadt. Das hält Triebert für eine gute Idee.

Aues Oberbürgermeister Heinrich Kohl ist überzeugt, dass sich ein Kulturhauptstadtjahr für Chemnitz und für das Umland lohnt. Momentan gebe es aber noch keine konkreten gemeinsamen Projekte mit Aue. Dass sich Chemnitz dieses Jahr beim Tag der Sachsen präsentiert oder 2023 bei Aues 850-Jahr-Feier, kann sich Kohl gut vorstellen. Im Gegenzug könne unter anderem die Erzgebirgische Philharmonie Aue in das Kulturhauptstadt-Geschehen eingebunden werden. Kohl hegt die Hoffnung, Chemnitz entwickelt sich im Zusammenhang mit der Bewerbung endlich zu einem echten Oberzentrum für die gesamte Region und wird als solches wahrgenommen. "So wie Leipzig und Dresden für die jeweiligen Gebiete." (mit bjost/gp)

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