Schwibbögen weisen Weg zur Musik

Gemeinsam mit den Bläsern des Posaunenchores Auerbach spielt Christoph Weber an allen vier Adventssonntagen kleine Freiluftkonzerte vor der Auerbacher Kirche. Der ehemalige Schuhhändler will die Besucher jedoch schon unterwegs auf Weihnachten einstimmen.

Auerbach.

Der ehemalige Schuhhändler Christoph Weber hält die Traditionen seiner Familie, seines Wohnortes Auerbach und des Erzgebirges hoch. Ein Wunder ist das nicht. Die Webers waren mit ihrem Laden stolze 113 Jahre lang eine feste Größe im Dorf, bis die Tür des Schuhgeschäftes Ende Juni 2017 für immer geschlossen wurde. Die Schaufenster an der Fassade sind derweil verschwunden.

Doch die Tradition, die sich mit ihnen verbindet, soll erhalten bleiben. In der Adventszeit waren in den Schaufenstern früher nämlich nicht nur Schuhe zu bewundern, sondern auch mehrere Schwibbögen und eine große Pyramide. Nichts Gekauftes, wie Weber betont, sondern von Kurt Weber gefertigte Unikate mit einer besonderen Geschichte. "Mein Vater hat das nie gelernt und erst Ende der 1970er-Jahre mit Laubsägearbeiten begonnen." Doch statt einfacher Formen hat Kurt Weber sich ausschließlich aufwändig gestalteten 3-D-Schwibbögen gewidmet. "Er war damals der Erste, der so etwas gemacht hat", ist sich Christoph Weber sicher. Durch mehrere hintereinander angebrachte Motive, die sich nach hinten perspektivisch verkleinern, wird bei diesen Schwibbögen optische Tiefe erzeugt.

Biblische Motive hat Kurt Weber (1910-1985) ebenso bearbeitet, wie Ortsansichten und sein eigenes Schuhgeschäft. "Er war damals schon halbseitig gelähmt, hat aber trotzdem noch gesägt und geschnitzt", betont Christoph Weber. Ausgestellt wurden die sehenswerten Unikate von Kurt Weber jedes Jahr im Schaufenster. "Wenn die Leute sonntags zur Kirche gingen, sind viele auf dem Weg dahin bei uns stehengeblieben." Nun gibt es das Schaufenster nicht mehr, doch die historischen Stücke sollen weiter Freude verbreiten.

"Licht ist jetzt ja besonders wichtig." Und was wichtig ist, dafür hat Christoph Weber ein Gespür. Als zu Beginn des ersten Corona-Lockdowns allerorten Bläser von Kirchtürmen und aus Fenstern für musikalische Erbauung sorgten, da schloss er sich dieser Bewegung an: "Eine Woche vor der Karwoche habe ich begonnen, jeden Tag in der vierten Stunde für eine halbe bis dreiviertel Stunde in meinem Schrebergarten vis-a-vis der Kirche Trompete zu blasen. Die Leute haben darauf dann schon gewartet." Bis vor etwa einem Monat hat Christoph Weber seine kleinen Konzerte gegeben. Nun ist erst einmal Ruhe. Doch die Musik als verbindende Geste soll es in der Adventszeit wieder geben. "Vor der Kirche können der Posaunenchor und die Zuhörer den geforderten Abstand einhalten", so Weber. Und so will er mit seiner Bläserkollegen immer sonntags einen musikalischen Reigen aus Volksliedern, Chorälen und weihnachtlichen Weisen bieten.

Das Adventsblasen des Posaunenchores Auerbach ist an den vier Adventssonntagen jeweils ab 18 Uhr vor der evangelischen Kirche zu erleben.

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