Skandal oder Sturm im Wasserglas?

An einer Flussbaustelle in Burkhardtsdorf sind Fische verendet: Das Erregungspotenzial ist hoch, die Reaktionsgeschwindigkeit der Behörden jedoch langsam.Eine Einordnung.

Burkhardtsdorf.

Eine Gewässerverschmutzung ist stets ein sensibles Thema, zumal wenn sie dazu führt, dass Fische verenden. So geschehen in der vergangenen Woche in Burkhardtsdorf, als die Zwönitz offenbar am Donnerstagmittag im Zuge der Bauarbeiten zum Hochwasserschutz verschmutzt wurde und Tiere verendeten. In solchen Fällen jagt der Puls mancher Zeitgenossen, vor allem in den sozialen Netzwerken, in die Höhe; sei es aus Prinzip oder einer gestiegenen Sensibilität in Umweltfragen.

Ausgangspunkt war ein reißerischer Post des Anglerverbandes Südsachsen Mulde/Elster - der sogenannte Fischereiausübungsberechtigte - vom Donnerstagnachmittag vergangener Woche: "Und täglich grüßt der 'Sensenmann'. Fischsterben in der Zwönitz in Burkhardtsdorf. Ermittlungen laufen. Wann hört das auf?" In der Kommentarspalte folgten die üblichen Vermutungen und Forderungen nach höheren Strafen. Auch selbst gesicherte Wasserproben wurden vermeldet. Das alles passiert internetüblich in Echtzeit, also weit bevor offizielle Ermittlungen überhaupt nennenswert voran gekommen oder gar abgeschlossen sind.


Die Mühlen der tatsächlich zuständigen Behörden mahlen da deutlich langsamer. Und mindestens in diesem Fall war sogar ordentlich Sand im Getriebe. Denn weder die Polizei konnte am Freitag auf Nachfrage von "Freie Presse" den Vorfall bestätigen, noch hatte die Gemeinde Burkhardtsdorf Kenntnis davon. Die ist für diesen Gewässerabschnitt der Zwönitz ohnehin nicht zuständig, gerade für Bürger aber dennoch der erste Ansprechpartner. "Wir hatten einige Anrufe von Bürgern und konnten keine Auskunft geben", sagt Fachbereichsleiter Jörg Spiller. "Ein Feuerwehrkamerad ist im örtlichen Angelverein und hatte auch keine Kenntnis."

Also viel Getöse um eine Lappalie? Das liegt im Auge des Betrachters. Das Informationsmanagement jedenfalls ist eindeutig ausbaufähig. Die untere Wasserbehörde im Landratsamt des Erzgebirgskreises war nach eigenen Angaben bereits am vorigen Donnerstag im Bilde und auch in Kontakt mit Burkhardtsdorf. Spiller kontert: "Das war ein Anruf bei einer Mitarbeiterin, in dem zunächst Baustellen am Fluss abgefragt worden sind und dann über eine Gewässerverschmutzung informiert wurde. Von toten Fischen war nicht die Rede." Vielmehr sei ein Ordnungsgeld angedroht worden, sollte es sich bei der ursächlichen Baustelle um eine kommunale handeln. "Dann kam keine Info mehr", sagt Spiller.

In der Tat wird an der Zwönitz in Burkhardtsdorf gebaut. Und das im großen Stil. Neben einigen Brückenerneuerungen im Auftrag der Gemeinde lässt die Landestalsperrenverwaltung für rund 30 Millionen Euro den Hochwasserschutz optimieren. Ein Mammutprojekt, über das die untere Wasserbehörde im Bilde sein sollte. Doch die Kommunikation hakte offenbar auf mehreren Ebenen, was ein Kommentar unter dem bereits erwähntem Post nahelegt: "Gemeldet über Notrufzentrale, keine Behörde erreichbar und seit zwei Stunden kein Rückruf."

Auch gegenüber "Freie Presse" hat sich das Landratsamt Zeit gelassen und mit deutlicher Verspätung geantwortet. Was also ist vorgefallen? "Es wird vermutet, dass eine kurzzeitige Änderung des pH-Wertes in ein alkalisches Milieu erfolgt ist", schreibt das Landratsamt. Es seien Zeichen eines Überlaufs von Bauabwasser in die Zwönitz festgestellt worden, sowohl als Zementmörtelschlieren am Rand eines Absetzbeckens als auch auf Steinen und im Sediment der Gewässersohle. Bei den Arbeiten wird auch Beton verspritzt. Über die Anzahl und Art der verendeten Fische kann die untere Wasserbehörde nur vage Auskünfte erteilen: Eine konkrete Anzahl ließe sich in einem Fließgewässer schlecht feststellen, da "verendete Fische sofort abdriften" würden. Allerdings seien "weiter Oberstrom wieder vitale Fische" gesichtet worden. "Durch die untere Wasserbehörde wurde vorrangig die Bachforelle gesichtet. Es ist aber davon auszugehen, dass mindestens zwei weitere Arten betroffen waren", heißt es weiter. Für genaue Auskünfte sei der Anglerverband Südsachsen Mulde/Elster zuständig.

Der war für "Freie Presse" weder telefonisch erreichbar noch reagierte er auf eine schriftliche Anfrage. Bis zum Ende der Ermittlungen muss die Baustelle jedenfalls erst mal ruhen.


Kommentar: MehrOffenheit

Unmut gegen Behörden ist schnell artikuliert; vor allem im Internet. Fakt ist, dass Behörden gewisse Abläufe haben und manches seine Zeit braucht. Schließlich müssen sie genau und verlässlich sein. Eine bessere Kommunikation würde jedoch manchen Ärger im Keim ersticken.


Ziel: Umwelt schützen

Die untere Wasserbehörde hat einen sofortiger Baustopp bis zur Klärung der Wasserhaltung verhängt. Weiterhin erfolgt eine Anzeige bei der Polizei. Bei Verdacht auf eine Straftat wird zusätzlich die Staatsanwaltschaft durch die Polizei einbezogen.

Die Polizei wird entweder durch die Staatsanwaltschaft mit der Ermittlung beauftragt oder hat diese von sich aus gestartet, heißt es aus dem Landratsamt. Dann informiert die Polizei die untere Wasserbehörde - falls der Verdacht einer Umweltstraftat besteht. Ziel aller Maßnahmen ist es, eine Umweltgefährdung zu beenden oder auszuschließen.

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