Tierhalter rüsten gegen den Wolf auf

410 Anträge auf finanzielle Hilfe für Schutz gegen das Raubtier sind beim Freistaat eingegangen. Speziell fürs Erzgebirge gibt es aber noch keine bestätigten Hinweise auf Wölfe.

Annaberg-Buchholz/Stollberg.

Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis es auch im Erzgebirgskreis einen unschlagbaren Beweis für die Existenz eines Wolfes gibt. Sechs Hinweise sind in diesem Jahr bislang aus verschiedenen Orten im Landratsamt eingegangen. "Die Meldungen erfolgen sehr sporadisch. Eine Bewertung, für die es meist keinerlei weitergehende Beweise gibt, ist schwierig", sagt Stefan Pechfelder, Mitarbeiter im Büro des Landrates. Deshalb zählen alle Sichtungsmeldungen zu den unbestätigten Hinweisen. Lediglich eine Aufnahme aus einer Fotofalle oder mehrere sichere Hinweise wie Kot, Spuren oder Wolfsheulen gelten als bestätigt.

Erst vor etwa zwei Jahren hatten Fotos eines Wolfes - angeblich in einer Februarnacht zwischen Dorfchemnitz und Thalheim aufgenommen - für Verwirrung gesorgt. Später hatte sich allerdings herausgestellt, dass die Aufnahmen gar nicht im Erzgebirge, sondern 2009 beziehungsweise 2013 in Sachsen-Anhalt entstanden waren.

Ein eindeutiger Nachweis fürs Erzgebirge blieb also bisher aus. Trotzdem rüsten Nutztierhalter auf. Denn seit der gesamte Freistaat zum Wolfsgebiet erklärt wurde, können sie für bestimmte Schutzvorkehrungen finanzielle Unterstützung erhalten. Im Landesamt für Umwelt und Geologie wurden in diesem Jahr zusammenfassend für die Landkreise Zwickau, Erzgebirge und Vogtland, die Stadt Chemnitz sowie den Landkreis Mittelsachsen 410 Anträge gestellt, erklärt Sprecherin Karin Bernhardt. "Für knapp die Hälfte der Antragsteller sind die Fördergelder bereits ausgezahlt. Alle anderen befinden sich noch in der Bearbeitung."

Laut Pressesprecherin wurden 2015 im Einzugsgebiet des Landesamtes, zu dem der Erzgebirgskreis zählt, Zuschüsse in Höhe von rund 175.000 Euro ausgezahlt - in diesem Jahr sind es bisher rund 70.000 Euro. Gefördert werden mobile Elektrozäune, Herdenschutzhunde, Breitbandlitze, das ist Flatterband als Übersprungschutz, zudem ein sogenannter Unterwühlschutz bei Wildgattern. Der Fördersatz beträgt 80Prozent der Nettoausgaben.

Dass derartige Schutzvorkehrungen inzwischen in allen Regionen Sachsens notwendig sind, zeigen die allein in diesem Jahr von Wölfen verursachten Übergriffe auf Nutztiere. Nach Auskunft des Kontaktbüros Wolfsregion Lausitz gab es bisher 21Vorkommnisse im Freistaat - in sechs Fällen sei der Wolf als Verursacher wahrscheinlich. Bei den Übergriffen wurden 88 Tiere getötet, fünf Fälle sind noch in Bearbeitung.

Auch bei der im Mai bei Scharfenstein ausgebüchsten Jungrinderherde, von denen sieben Rinder von einem Zug überrollt wurden, wird vermutet, dass zuvor ein Wolf die Tiere aufgeschreckt hat. Zwei Augenzeugen berichteten später, unmittelbar vor und nach dem Unglück einen Wolf gesehen zu haben.

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