Vereinschef sauer: Tempo-Tafel geklaut

Die Geräte stehen vornehmlich an Kitas und Schulen. Wer zu schnell fährt, bekommt das angezeigt, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen. Wer könnte ein Interesse haben, sie abzubauen?

Lugau/Niederwürschnitz.

Gerd Lorenz ist stinksauer. Wieder ist eine sogenannte Tempo-Tafel des Verkehrszentrums geklaut worden - eine von zweien, die der Verein Kommunen bei Bedarf zur Verfügung stellt. Die Geräte zeigen die Geschwindigkeit an, ohne dass es für Autofahrer Konsequenzen hat. Lediglich die gemessene Geschwindigkeit und ein rotes grimmig dreinschauendes Smiley signalisieren, wenn zu schnell gefahren wurde. Trotzdem zeigen die Tafeln Wirkung, weiß Lorenz. Immer mehr Kommunen nutzen dies auch, schaffen sogar eigene Tempo-Tafeln an. Stollberg und Oelsnitz beispielsweise, seit kurzer Zeit auch Niederdorf. Oelsnitz hat mit der Tafel so gute Erfahrungen hinsichtlich der Ermahnung der Fahrer an die zulässige Höchstgeschwindigkeit gemacht, dass die Stadt sogar überlege, weitere Geräte anzuschaffen, erklärt der Beigeordnete Jens Barnickel. Hohndorf, das bereits eine Tafel des Verkehrszentrums im Einsatz hatte, hat unlängst ebenfalls beschlossen, ein eigenes Gerät anzuschaffen.

"Wir machen das doch nicht für uns, sondern zur Sicherheit der Kinder", sagt der Vereinschef. Denn vorrangig stehen die Tempo-Tafeln vor Kitas oder Schulen. Auch jene, die jetzt gestohlen wurde. Sie war in Niederlugau im Bereich der Kita "Kinderland" angebracht. Lugaus Ordnungsamtsleiter Holger Möckel hat bei der Polizei Anzeige erstattet. Für den Verkehrszentrums-Chef besonders bitter: Er erlebt einen solchen Diebstahl nicht das erste Mal, bereits 2011 ist dem Verkehrszentrum eine solche Tafel gestohlen worden - Gerät und Dieb wurden nie gefunden. Die damals als Ersatz angeschaffte Geschwindigkeitsanzeige ist jene, die jetzt gestohlen wurde.

"Ich bin maßlos enttäuscht", sagt Lorenz, der auch nicht weiß, ob der Verein erneut Ersatz beschaffen wird beziehungsweise kann. Denn die Tempo-Tafeln seien teuer, er spricht von etwa 3000 Euro. Zudem wüsste er nicht, wie er sie vor einem erneuten Diebstahl schützen soll. Fest installieren könne man sie nicht, denn damit ihr Einsatz sinnvoll ist, sei ein ständiger Ortswechsel nötig. Und eigentlich sei es auch gar nicht so einfach, die mindestens 25 Kilogramm schweren Geräte abzubauen. Damit Fußgänger nicht gefährdet werden, seien sie in zwei Meter Höhe angebracht, außerdem fest verschraubt. Man benötige also eine Leiter und Werkzeug. Vielleicht, indem ein GPS-Sender eingebaut wird? Lorenz will das beim Hersteller erfragen.

Fakt ist: Solche Diebstähle passieren offenbar äußerst selten. Der Polizei ist jedenfalls in jüngerer Zeit in der Region kein Fall bekannt, sagt Jana Ulbricht von der Pressestelle der Polizeidirektion Chemnitz. Auch nicht, dass der Behörde selbst Radargeräte gestohlen worden seien. Hin und wieder komme es allerdings vor, dass Blitzer beschmiert werden, um sie funktionsuntüchtig zu machen, sagt sie.

"Warum klaut die jemand?", fragt Gerd Lorenz sich denn auch immer wieder. Aus Frust? Oder für irgendeinen privaten Zweck? Für ihn ist die Tat völlig unverständlich, wird damit doch eine offenbar funktionierende Möglichkeit genommen, mehr Sicherheit vor allem für Kinder zu schaffen.


Kommentar: Kein Dummejungenstreich

Frust, weil ein rotes Gesicht grimmig auf einen herabblickt, nachdem zuvor eine Zahl signalisiert hat, dass man zu schnell unterwegs war? Kaum zu glauben und nur schwer nachzuvollziehen, weil es eher ein Grund wäre, mal kurz auf die Bremse zu tippen. Und auch, weil die Anzeige ja nicht einmal die Konsequenzen eines Blitzers hat, man also zur Kasse gebeten wird.

Dennoch wurde dem Verkehrszentrum - bereits zum zweiten Mal - ein solches Gerät gestohlen. Hat da jemand eine Verwendung für sich entdeckt? Ganz gleich, was das Motiv war - es handelt sich hierbei nicht nur um Diebstahl und damit einen Gesetzesbruch, die Tat ist auch verantwortungslos. Schließlich sollen die Tempo-Tafeln zur Sicherheit vor allem von Kindern beitragen.

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