Weder Komödie noch Drama: Jugendtheater geht an Grenzen

Zu ihrem fünfjährigen Jubiläum beschäftigt sich die Jugendtheatergruppe "Limited Edition" mit einem sensiblen Thema aus Wissenschaft und Forschung. Eine Herausforderung für alle Beteiligten.

Stollberg.

"Aggressiver! Lauter! Stärker! Steigert euch!" schreit Regisseurin Dilara Decker ihr Ensemble an. Dieses setzt die Anweisungen sofort um und wird lauter, aggressiver, fast schon furchteinflößend, wüsste man nicht, dass es eine Probe für ihr neues Stück "M" ist. Das Jugendensemble "Limited Edition" ist mit 17 Schauspielern, einer Regisseurin und ihrem Co-Regisseur so stark besetzt wie nie zuvor und wagt sich zum ersten Mal an richtig schwere Kost. Um was es sich genau handelt, wollen und können die jungen Regisseure aber noch nicht verraten: "Unser Stück basiert auf Wissenschaft und Forschung, das Thema ist sehr ernst, denn es geht um Selektion", verrät Dilara Decker, welche zum zweiten Mal die Regie bei Limited Edition übernimmt. Die Zeit, in der es spielt, wird ebenfalls noch nicht verraten, denn das sollen die Zuschauer selbst herausfinden.

Die Idee für dieses Werk kam der 18-Jährigen beim Anschauen einer Dokumentation auf YouTube. In ihren Sommerferien begann sie sich daraufhin ein Konzept zu überlegen, welches schauspielerisch umsetzbar ist und in den Oktoberferien wurde es zu Papier gebracht. Ihr Co-Regisseur Jakob Böhme ist überzeugt von der Idee: "Ich war überrascht, dass so ein Thema von uns aufgegriffen wird. Aber ich freue mich sehr, es umzusetzen", sagt der 18-Jährige.

Auch für die Schauspieler ist dieses Stück eine ganz neue Herausforderung. Sophie Müller besetzt als Ida Neubauer, Assistentin eines Arztes, die Hauptrolle. Während sie letztes Jahr im Stück "Fick die Henne" eine sehr lustige Rolle spielte, muss sie dieses Mal die Ernsthaftigkeit der Aufführung transportieren: "Das Stück basiert auf Aussehen und Verhalten. Es ist eine große Herausforderung, aber beim Schauspielern kann man den Alltag loslassen", sagt die 21-Jährige, die trotz ihres Berufs als Krankenschwester an fast allen Proben teilnimmt und hat festgestellt: "Text lernen geht viel einfacher als schulische Dinge".

Trotz der besonderen Schwere und der längeren Vorbereitungszeit, die das Stück braucht, damit die jungen Schauspieler sich in ihre Rolle einarbeiten können, steht das komplette Ensemble hinter ihrer Regisseurin. Zuschauer erleben in diesem Theaterstück einen Wechsel zwischen dem Schauspiel auf der Bühne und abstrakten Szenen, es wird mit und ohne Sprache Inhalt transportiert, und das Darstellen von Emotionen ist essenziell. Besucher sollten mindestens 14 Jahre alt sein, um den Inhalt einordnen zu können.

Bei den Requisiten entschieden sich die Jung-Regisseure für "weniger ist mehr" und während der gesamten Aufführung wird es keinen einzigen Umbau geben. Neben den wöchentlichen Proben im alten Schlachthof in Stollberg helfen die Probelager in der Tabakstanne dem Ensemble als Team zusammenzuwachsen. "Beim nächsten Mal wird dann wirklich von früh bis abends gespielt, damit danach alles steht", beschreibt Sophie Müller das Ziel des kommenden Probelagers im März.

Danach geht es um den Feinschliff, damit zur Premiere am 4. Juli im Schlachthof nichts schief geht. Bisher liegen sie sehr gut im Zeitplan und trotz der Doppelbelastung der Ensemblemitglieder durch Schule oder Arbeit sind alle mit Herzblut dabei: "Ich sehe es nicht als Pflicht. Ich komme nach den Proben nach Hause und weiß, ich habe mir damit etwas Gutes getan", sagt Regisseurin Dilara Decker, welche gerade ihr Abitur macht. Zwar ist sie auch nervös, was das Publikum zu der besonderen Thematik sagen wird, aber das Wichtigste hat sie bereits geschafft: "Wenn die Schauspieler hinter dir stehen, hast du nichts zu verlieren", so Dilara Decker.

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