Wo selbst die Puppen sich um Baby-Puppen kümmern

225 Käthe-Kruse-Puppen sind in der Sommerschau des Gelenauer Depots Pohl-Ströher zu bestaunen. Eine Präsentation, hinter der viel Arbeit steckt, denn der Fundus ist viel größer und musste erst einmal gesichtet werden.

Gelenau.

Neben Kinderautos, Spielzeugschiffen und Produkten der Volkskunst können sich Besucher des Gelenauer Depots Pohl-Ströher neuerdings auch über eine große Ausstellung von Käthe-Kruse-Puppen freuen. 225 Exemplare hat Mario Franke im Rahmen der Sommerschau mit viel Liebe zum Detail in Szene gesetzt. Sie waren nach dem Tod der Schweizer Mäzenin Erika Pohl-Ströher durch deren Sohn in das Sammlungsdepot überführt worden. Von der Babystube - mit der Puppe für die Puppe - über ein Picknick bis hin zum bunten Markttreiben ist im Miniaturformat fast alles zu sehen. Doch das Aufstellen der Puppen war nur der letzte Abschnitt eines langwierigen Prozesses, den der Depot-Mitarbeiter zu bewältigen hatte.

"Die Sammlung, die insgesamt an die 1000 Exemplare umfasst, ist schon seit eineinhalb Jahren da, aber sie musste erst einmal gesichtet werden", erklärt Mario Franke. Für ihn bedeutete das, die Exemplare zu inventarisieren. Ein Foto schießen, die Beschreibung erstellen und alles in die Datenbank einpflegen. Logisch, dass dies bei dieser riesigen Anzahl an Puppen viel Zeit kostet. Dennoch war der 33-Jährige immer mit Leidenschaft bei der Sache. Denn schnell ahnte er, dass sich unter den Lkw-Ladungen auch so mancher Schatz befand.


"Die ersten Puppen hat Käthe Kruse 1910 in Kösen gefertigt. Einige aus dieser Zeit sind jetzt hier bei uns zu sehen", sagt der Gelenauer, der tief in die Materie eingetaucht ist. So weiß er auch, dass die einstige Schauspielerin ihre ersten Puppenfiguren schon fünf Jahre zuvor hergestellt hatte. Und zwar für ihre älteste Tochter, die sich schon damals ein solches Spielzeug wünschte. Weil die Puppenköpfe zu dieser Zeit aber aus Porzellan waren und schnell kaputt gehen konnten, wurde Käthe Kruse kreativ. Aus einer Kartoffel und einem Leinentuch stellte sie den Kopf einer Puppe her, mit der ihre Tochter bedenkenlos spielen konnte. So nahm eine Revolution auf diesem Gebiet ihren Lauf. Vor allem aufgrund ihrer Idee, Köpfe komplett aus Stoff herzustellen, wurde Käthe Kruse zu einer der weltweit bekanntesten Puppenmacherinnen. "Sie hat damals an einer Messe teilgenommen, und ihre Idee schlug ein wie eine Bombe. Sie wurde mit Aufträgen überhäuft", berichtet Mario Franke, der nun mit den Folgen zu kämpfen hat.

Das Repertoire und die Produktpalette der Käthe-Kruse-Puppen wurden so riesig, dass Ausstellungen zur Historie der Marke gar nicht so einfach zu realisieren sind. Zunächst konzentrierte sich Franke auf die neueren Modelle der Jahre 1980 bis 2015. Doch in der Sammlung gibt es auch deutlich ältere Modelle, zum Teil sogar noch original verpackt. Noch sei die Inventarisierung nicht komplett abgeschlossen, weshalb der Depot-Mitarbeiter versprechen kann, dass es im nächsten Jahr eine neue Ausstellung geben wird.

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