Zum Wochenende: Mach's noch mal

Strukturwandel ist ein großes Wort. In unserer Region hat es das Potenzial dazu, nach Fachkräftemangel und Digitalisierung das nächste dominante Schlagwort zu werden. Ich komme aus dem Ruhrgebiet. Dort ist der große Strukturwandel längst abgeschlossen. Ich kenne aus meinem eigenen Erleben nur das, was der Strukturwandel gebracht hat; nämlich eine für viele erstaunlich grüne Gegend mit viel (Industrie-)Kultur und einer ziemlich wachen Erinnerung an eine arbeitsreiche, aber auch ziemlich schmutzige Zeit. Das Schwarze Gold brachte neben Wohlstand eben auch eine Menge Dreck. Was ich nicht selbst erlebt habe, ist die Zeit des Wandels selbst. Doch klar ist: Am Anfang stand der Kahlschlag - Zechensterben, Exodus der Schwerindustrie, Existenzängste, Arbeits- und Perspektivlosigkeit. Bis aus dieser vermeintlich ausweglosen Situation eine Region mit neuem Selbstverständnis geworden ist, hat es Jahrzehnte gedauert. Richtig hinter sich gelassen hat der Ruhrpott sein Malocher-Image zwar nie, trotzdem war 2010, als Essen und das ganze Ruhrgebiet Kulturhauptstadt geworden sind, eine neue Zeit angebrochen.

Auch das Erzgebirge weiß genau, was Strukturwandel bedeutet. Den hat es hier häufig genug gegeben. Neben dem Ende verschiedener prosperierender Bergbauzeitalter haben die Menschen hier auch einen ganzen Staat zu Grabe getragen. Auch wenn es manch einer anders empfinden mag: Das Erzgebirge hat das erfolgreich gemeistert. Es hat aus seinen Traditionen Kraft gezogen und Neues auf den Weg gebracht.

Nun zeichnet sich erneut ein Scheideweg am Horizont ab. Bisher haben Unternehmen gut von der Autoindustrie gelebt. Die wird nicht untergehen. Doch es ist sicher, dass sich einiges ändern wird - auch und gerade für die Zulieferer. Stichwort Zukunft der Mobilität. Daher steht die Frage im Raum: Wie lange geht das Geschäftsmodell noch auf, was kann ein zukunftsträchtiges anderes Betätigungsfeld sein? Welche Voraussetzungen müssen dafür geschaffen werden? Woher kommen die Fachkräfte? Das sind allesamt keine leichten Fragen. Doch es ist immens wichtig, gute Antworten zu finden.

Niemand muss jedoch sein Unternehmen über Nacht umkrempeln. Der Wandel lässt eine Übergangszeit. Es lohnt sich allerdings, das eigene Portfolio auf Zukunftsfähigkeit zu prüfen und nötigenfalls Korrekturen vorzubereiten: Damit die hiesige Innovationsfähigkeit die Region langfristig am Leben hält.

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