Comiczeichner Ralf König mit neuem Buch "Stehaufmännchen"

Der Autos spürt heutigen Problemen beim Urmenschen nach

Köln.

Altersmilde Comiczeichner werden zwangsläufig ein bisschen zweischneidig. Zum Beispiel Ralf König, der mit seinen schwulen Knollennasen seit Jahren Garant für beste, hintersinnige Unterhaltung ist - weil er wie kaum ein anderer die Balance hinbekommt zwischen flott gezogenem Zeichenstil und Lebensnähe, einfühlsam bis drastischem Witz und Lebensrelevanz.

Nun ist das nach über 40 Alben und Cartoon-Quasiromanen in einer eigenen Welt kein Wunder, und König steuert ja auch gegen: Sein neues Buch "Stehaufmännchen" bündelt Gedankengänge, die bei dem 58-Jährigen immer wieder auftauchten, in einem groß angelegten Rahmen - nämlich die Entwicklung heutiger Triebe und sozialer Verhaltensweisen, ausgehend von denen unserer Vorfahren. Dass der Homo vom Hetero abstammt, führte König ja seit "Super Paradise" aus dem Jahr 1999 mit allen resultierenden Verwicklungen immer mal wieder vor Augen.

Sein neuer Band "Stehaufmännchen" folgt nun einer Affengruppe, offenkundig Vorfahren des Homo sapiens, bei ihrem Abstieg vom Baum. Im geschickten Zeitraffer bindet König dabei den Beginn sozialer Unterschiede von Männchen und Weibchen ein, zeigt Wirkmacht wie Lächerlichkeit von Alpha-Verhalten und Herdentrieb - aber auch das Aufklaffen sozialer Nischen, in die sich seine (natürlich schwule) Hauptfigur zurückziehen muss.

Dabei spielt der Zeichner vor allem seine Meisterschaft in Sprechblasen-Dialogen aus, die Szenen entwickeln sich genüsslich langsam wie in einem Autorenfilm. Steht man eher auf Königs krachige "Konrad-und-Paul"-Comicstories, dann hat das Längen - Leser mit Ausdauer finden dagegen einen originellen anthropologischen Streifzug, der die Wurzeln vieler heutiger sozialer Ärgernisse im Rollen- und Triebverhalten bei tierischen Vorfahren findet.

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