Geisterbahn mit Bühnenhandlung

Was taugt besser zur Kulisse für ein Gruselspektakel als eine alte Burg? Monika Gerboc, Chefin des Zwickauer Puppentheaters, hat eine solche zu einem bundes- weit einmaligen Schau(er)spiel angeregt. Am Wochenende ist Premiere: Von einer, die auszog, das Fürchten zu lehren.

Schönfels.

Was hat sich auf der altehrwürdigen Burg derer von Römer zugetragen? Warum tummeln sich merkwürdige, brutal aussehende Gesellen mit ungesunder Hautfarbe in dem Gemäuer? Wer ist der alte, zerlumpte Mann, der mehr tot als lebendig wirkt, klein klares Wort hervorbringt und entsetzlichen Hunger zu haben scheint? Was hat es mit den merkwürdigen Geistlichen auf sich, denen man nicht im Dunkeln begegnen möchte und die offenbar als selbst ernannte Mediziner zwischen abgetrennten Gliedmaßen an ihren Patienten merkwürdige Therapien vornehmen? Was ist der schwangeren Küchenmagd widerfahren, die, an ihrem Arbeitsplatz eine violett angelaufene Kreatur mit Wolfsgebiss gebiert? Und warum ist überall so viel Blut?

Antwort auf all diese Fragen finden Freunde des gepflegten Gruselns am Wochenende auf Burg Schönfels. Die hat das Puppentheater Zwickau als Schauplatz für sein neu inszeniertes, laut Veranstaltern in dieser Konstellation bundesweit einmaliges Gruselspektakel gewählt. Es verbindet Motive aus der Geschichte der einst auf dem zwischen Zwickau und Reichenbach gelegenen Adelssitz ansässigen Familie mit einer aktionsreichen, effektvollen Schauergeschichte, in der alles seinen Platz hat, was die Zeit der Handlung, das 17. Jahrhundert, für Theatermacher so attraktiv macht, wie Monika Gerboc sagt. Der Leiterin des Puppentheaters, die das Stück verfasst und inszeniert hat, fallen da Dinge wie die Hexenverfolgung und die grassierende Pest ein. Zudem der Dreißigjährige Krieg mit seinen unvorstellbaren Gräueln und der Umstand, dass zu jener Zeit zahllose Quacksalber durch die Lande zogen, die Patienten mit Methoden von ihren Gebrechen "kurierten", die heute als Folter gelten.

Die 37-Jährige hat für das Stück aus dem Vollen geschöpft. Viel Kunstblut und eigens angefertigte Requisiten mit Schau(er)wert inklusive. So sei denn auch die Inszenierung für ein Publikum ab zwölf Jahren nichts für Zartbesaitete. Und, das zeigte vergangene Woche die ausschnittweise Präsentation des Stücks für Medienvertreter, sie ist auch nichts für Menschen, die das Risiko scheuen, kurzfristig in die Handlung auf der Bühne mit einbezogen zu werden. Wobei das Wort "Bühne" in die Irre führt. Denn praktisch wird die ganze Burg zum Theater-Parcours durch alle geeigneten Räumlichkeiten. Gewissermaßen eine Geisterbahn mit Bühnenhandlung: Gruppen von jeweils rund 30 Personen starten jede Viertelstunde zu dem rund 70 Minuten langen szenischen Rundgang, auf dem sie, von Raum zu Raum geschleust, auf 14 stilgerecht gestalteten Stationen rund 30 Profi- und Laiendarsteller aus der Region erleben. Dieses Staffelsystem ermöglicht es, trotz beengter räumlicher Verhältnisse auf der Burg Schönfels, einem der Wahrzeichen Westsachsens, an einem Wochenende bei 44 Vorstellungen rund 1200 Zuschauer zu erreichen.

Immer noch wenig im Vergleich zum seit 1994 jährlich stattfindenden Grusel- und Gespensterfestival im slowakischen Bojnice, an das Monika Gerboc, selbst gebürtige Slowakin, ihre Idee angelehnt hat. Zu dem finden sich an zwei Wochenenden jährlich rund 50.000 Besucher ein - eine Menge, die Schönfels allein logistisch kaum bewältigen könnte.

Dabei empfindet Monika Gerboc die Burg nicht allein wegen ihres morbiden Charmes als idealen Ort für ihr Projekt: "Es gibt nicht viele Burgen, in denen man überhaupt die Erlaubnis bekommt, im Innern Theater zu spielen", sagt sie. Das gute Verhältnis zwischen der Burgleitung und den Zwickauer Bühnenschaffenden ist über Jahre mit verschiedensten Produktionen des Theaters Plauen-Zwickau gewachsen. Davon profitiert das Puppentheater auch noch zwei Jahre, nachdem es vom fusionierten Haus abgetrennt und bei gedeckeltem kommunalen Zuschuss dem stadteigenen Veranstaltungsbetrieb Kultour Z. zugeordnet wurde. Dessen Geschäftsführung wiederum redet der studierten Puppenspielerin sowie Puppen-und Schauspielregisseurin, die seither mit ihrem künstlerisch und pädagogisch qualifizierten Team die Geschicke der Bühne leitet, in künstlerische Belange grundsätzlich nicht rein. Getreu der Managerweisheit, dass man an einem funktionierenden System nicht herumdoktern sollte. Denn da, so lehrt die Erfahrung, lauert der echte Horror.

 

Das Gruselspektakel auf Burg Schönfels kann am Samstag und Sonntag ab 14 Uhr besucht werden, letzter Einlass am Samstag 20.30, am Sonntag 19 Uhr. Da bestimmte Einlasstermine bereits ausverkauft sein können, wird die Nutzung des Kartenvorverkaufs dringend empfohlen. Tickethotline: 0375 27130.

www.puppentheater-zwickau.de

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