In wenigen Tagen hat Sachsens Archäologiemuseum in Chemnitz eine Direktorin

Einrichtung soll 2013 eröffnet werden

Chemnitz. Schon ab dem 1. April wird Sabine Wolfram Museumsdirektorin in Sachsen sein - allerdings noch ohne Museum. Denn das Chemnitzer "Haus der Archäologie", zu dessen Chefin die gebürtige Hessin bestimmt wurde, ist noch eine Baustelle. Mitte nächsten Jahres soll das archäologische Landesmuseum dann eröffnet werden, kündigte Sachsens Kunst- und Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer (parteilos) am Mittwoch in Chemnitz an.

"50.000 Besucher pro Jahr - das ist mein Ziel", sagt Sabine Wolfram. Die Ministerin lächelt und fügt hinzu: "Es dürfen auch 60.000 sein." Und wie will die designierte Direktorin das schaffen? "Mit einer Dauerausstellung, bei der das im Mittelpunkt steht, was Sachsen an Eigenem zu bieten hat - das ist schließlich ein Landesmuseum", betont die promovierte Prähistorikerin, die 1960 in Frankfurt am Main zur Welt kam und seit 2006 an der Universität Leipzig gearbeitet hat.

Jenseits der regionalen Ausrichtung will Wolfram mit ihrem Haus, das künftig auf 3000 Quadratmetern 300.000 Jahre Menschheitsgeschichte widerspiegeln möchte, aber auch "in der Europa-Liga spielen, was die Modernität und die Ausstrahlung betrifft". Das heißt: "Wir wollen in Sonderausstellungen immer wieder etwas Fremdes zeigen - etwas, das auf den ersten Blick fremd anmutet." Eine Schau mit archäologischen Schätzen aus Vietnam soll dafür 2014/15 der Auftakt sein.

"Ja, das ist meine Premiere, der erste Besuch in diesem Haus", erzählt Sabine Wolfram, als sie am Mittwoch das ehemalige Kaufhaus Schocken an der Chemnitzer Brückenstraße betritt. Schon in diesem Sommer sollen die Museumsräume fertig sein, so kann mit dem Einzug begonnen werden. "Dann werde auch ich in Chemnitz wohnen und sicher beinahe täglich beim Einräumen dabei sein", sagt die Museumschefin in spe. Am Ausstellungskonzept selbst wird sie zwar nichts mehr ändern können, "aber um die Feinabstimmung will ich mich kümmern." Eine Findungskommission des Freistaates hat Sabine Wolfram unter 27 Bewerbern ausgesucht.

Warum die Wahl auf sie fiel, deutet Landesarchäologin Regina Smolnik so an: 2003 zum Beispiel habe sie im niedersächsischen Landesmuseum für Natur und Mensch Oldenburg eine Ausstellung zum Thema Müll gesehen, deren Projektleiterin Sabine Wolfram war. Die Schau zeigte "Facetten von der Steinzeit bis zum Gelben Sack", was deutlich mache, dass der Bald-Chemnitzerin sowohl die klassische als auch die experimentelle Archäologie am Herzen liege.

Innovativ, vom Muff herkömmlicher Museumspräsentationen befreit, Museumsarbeit mit und für Kinder - das waren die schlaglichtartig gesetzten Formulierungen, mit denen man am Mittwoch versuchte, den Lärm auf der Baustelle zu übertönen. Der immer wieder verschobenen und nun auf 2013 terminierten Museumseröffnung sieht Sabine von Schorlemer "optimistisch entgegen" - wenn es gelänge, ursprünglich für 2013 eingeplante Gelder auf 2012 vorzuziehen. Das Finanzministerium jedenfalls habe sein Einverständnis bereits signalisiert.

Sabine Wolfram scheint von den Geburtswehen dieses Landesmuseums nicht viel mitbekommen zu haben. Verweigerte Leihgaben aus Dresdner Depots? Ein Archäologie-Museum mit oder ohne Wismut-Kunst? Das sind Themen aus der Vergangenheit, die nicht zu ihrer Zukunft gehören. "Doch um Unbequemes mache auch ich keinen Bogen." Ihr hauptsächliches Zukunftsthema lautet: Vernetzung.

Zum Beispiel: Nicht ein deutsches Museum, sondern drei werden die Vietnam-Schau auf die Beine stellen - so teilt man sich die Kosten und vervielfacht die Besucherzahlen. Auch eine Zusammenarbeit mit Sachsens Nachbarländern Tschechien und Polen hat Wolfram vor - und natürlich mit anderen Chemnitzer Museen wie Naturkunde-, Industriemuseum und Kunstsammlungen. Zwei davon haben auch eine Frau an der Spitze. Sie wird die dritte sein.

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