Leander Gronem: Der Ed Sheeran aus dem Vogtland

Der 19-jährige Grünbacher ist ein bemerkenswert talentierter Liedermacher - auch, weil seine Schritte in die Musik so eigenwillig zart sind.

Grünbach.

Dass er Songwriter- Superstar Ed Sheeran ähnlich sieht, kann Leander Gronem langsam nicht mehr hören. Einerseits. Andererseits: In seinem Metier gibt es schlechtere Ansatzpunkte - für einen Klick im Internet, den gehobenen Kopf beim Kneipenkonzert oder das Gespräch danach.

Und Ansatzpunkte braucht es, denn in der musikalischen Nische, die der 19-jährige Vogtländer bedient, herrscht derzeit Gedränge: Pop-Liedermacher mit gefühliger "Wandergitarre" gibt es derzeit wie Sand am Meer, weil das Genre an der Chartspitze Trend ist und der Aufwand für Newcomer überschaubar scheint. Es herrscht ergo eine Goldgräber-Stimmung, die echten, gefühlvollen Songs, geschrieben aus den Inspirationen des Erlebens, vom Wesen her widerspricht. Und: Man muss sich aus der Masse hervortun, was wiederum schlecht zur eigentlich leisen Grundierung passt.

Gronem hat da musikalisch schon einen Pluspunkt: Er verweigert sich dem Powerplay, hier wird keine rauchige Monsterstimme kleingehaucht - seine Stücke sind wirklich zart, die Stimme sanft, frisch, das Selbstbewusstsein über dem schüchternen Ansatz hört sich wirklich ermutigt an. "In der modernen Popmusik zählt vor allem das Arbeitstier. Das ist mir aber zu inszeniert. Ich will, dass meine Musik einfach so entsteht, aus Freude heraus", sagt er. Was sich auch im eigenen Stil bemerkbar macht, der zwar in die aktuell hippe Kategorie gut passt, dabei aber das Hipster-mäßige außen vorlässt. Gronem klingt nicht nach WG, da ist kein "Menschen Leben Tanzen Welt". Eher schwingt alte Schule mit, Tracy Chapman etwa im besten Sinn: Das ergibt im Neuen eine sinnige, feine Symbiose.

Dass hinter Musik auch Arbeit steckt, ist dem Künstler klar - seit seinem siebten Lebensjahr spielt und singt er öffentlich. Gronem, 2000 in Berlin geboren, wuchs seit dem 6. Lebensjahr in Grünbach bei Schöneck auf. Seit er vier ist spielt er Gitarre - erste Griffe zeigt ihm der Vater, später ein Lehrer, das Wesentliche lernt der musikbegeisterte Junge aber autodidaktisch. Erfahrung sammelt er auf Hochzeiten und Geburtstagen und mit Coverversionen, langsam schälen sich dabei auch eigene Songs heraus. Aushilfsjobs in Bands weiten das Spektrum. Nach dem Abitur in Klingenthal geht Gronem ein Jahr nach London, um Songwriting zu studieren. Doch ausgerechnet in England beginnt er nach einiger Zeit, erstmals in seiner Muttersprache zu schreiben - und kommt zurück. Nun will er vor allem mit Konzerten Fuß fassen. Sein Werkzeug im Internet ist vor allem Instagram, Youtube hat er versucht, aber abgewählt. Bei Spotify gibt es die Single "Lying here". Netzwerke sind nötig, man muss die Mechanismen bedienen. Aber die Musik spielt für ihn live - so, wie sie auch auf echter Gitarre entsteht, aus dem Leben.

Im Konzert

Unter dem Motto "Zukunftsmusik" spielt Leander Gronem zusammen mit befreundeten Musikern am 6. November in der Kulturlounge Leipzig und am 18. November im Weltecho Chemnitz. Der Gesamterlös wird für den Regenwald am Amazonas gespendet.

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