Lebenslinien löcheriger Engel

Schlicht "Holz" hat der Verein Kunstkeller in Annaberg-Buchholz seine aktuelle Ausstellung überschrieben. Doch so simpel der Titel auch ist - der Inhalt gibt sich opulent.

Annaberg-Buchholz.

Er hat seinen Platz in der Kunstszene des Erzgebirges und darüber hinaus gefunden: der Kunstkeller in Annaberg-Buchholz. Seit nunmehr 20 Jahren gibt es die Einrichtung und ebenso lange schon bemüht sich der gleichnamige Verein um die Vermittlung und Förderung zeitgenössischer Kunst und Kultur in den Tiefen des Erzgebirges. Und dabei wird bewusst auch immer wieder die Verbindung zur regionalen Kunst gesucht, die längst nicht immer über die Grenzen des Erzgebirges hinausstrahlt. Gelungenes Beispiel dafür ist einmal mehr die aktuelle Ausstellung unter dem Titel "Holz", die noch bis Mitte Dezember zu sehen ist.

So schlicht der Titel daherkommt, umso opulenter präsentiert sich ihr Inhalt. 20 Künstlerinnen und Künstler zeigen mit ihren ganz unterschiedlichen Arbeiten, was sie an dem einzigartigen Werkstoff Holz fasziniert. Während sich Fotografin Carola Zörner beispielsweise von der reinen Schönheit faszinieren lässt und damit auch experimentiert, folgen die Holzbildhauer vielfach den Lebenslinien des Holzes. So wie Holzbildhauermeister Dietmar Lang aus Frohnau, der unter anderem mit zwei Formationen eines Holzreliefs bei der Ausstellung dabei ist. Er, der vor allem durch seine Studienreisen in alle Regionen dieser Welt Holz immer wieder neu entdeckt. "Man muss immer weiter, wenn man auch international bestehen will", macht er seinen Anspruch deutlich. Inspirationen, die immer wieder Arbeiten mit ganz unterschiedlichen Charakteren entstehen lassen. Ganz anderen Charakter tragen auch die "Astmännlein" von Gottfried Rothe. Die liebenswerten kleinen Zeitgenossen bilden nicht nur ein illustres Pendant zu den zahlreichen künstlerischen Schwergewichten in der Ausstellung - zu denen unter anderen Namen wie Paul Brockhage, Gudrun Höritzsch, Klaus Süß, Heinz Tetzner und der des bereits verstorbenen Fritz Böhme gehören.

Die "Astmännlein" wecken bei vielen Besucherinnen und Besuchern auch ganz persönliche Erinnerungen an die eigene Schulzeit. Denn Gottfried Rothe, Jahrgang 1928, war 1953 der erste ausgebildete Kunsterziehungslehrer im damaligen Kreis Annaberg und hat im Laufe seines langen Berufslebens unzähligen Generationen die Kunst in ihren vielgestaltigen Facetten über den Unterricht näher gebracht.

Es ist ein großes Spannungsfeld, im dem sich der Betrachter in den schmalen Gängen und kleinen Räumen des Kellers bewegt. Da ist Thomas Suchomels "Der Gang schöner Dinge" - der aus rohem, kaum bearbeiteten Holz entstanden ist. Der Künstler aus dem thüringischen Altenburg gehört zu den Gründungsmitgliedern des Vereines Kunstkeller. Einen wunderbaren Kontrast dazu bildet unter anderem die "Eiform mit Glaskugel" des Königswalder Holzbildhauermeisters Helmut Schubert, der für eine klare Formensprache steht. Jörn Michael aus Annaberg-Buchholz hat aus vier löchrigen Restholzstücken einen kleinen Engel gestaltet, während die beiden lebensgroßen Figuren Alter Mann und Gehende Frau an den Bildhauer Fritz Böhme aus Hohndorf erinnern und seinen ganz eigenen Blick auf das menschliche Miteinander.

Die Ausstellung "Holz" ist bis 15. Dezember im Kunstkeller in Annaberg-Buchholz zu sehen, Wilischstraße 11. Besuche sind nach vorheriger telefonischer Anmeldung möglich: 03733 42001.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...