Oberlausitzer Verlage zeigen neue Publikationen in Leipzig

Vom Krimi bis zur Handwerksgeschichte - die Verleger aus dem Osten Sachsens setzen bei der Buchmesse auf Heimatkolorit aus ganz unterschiedlichen Perspektiven.

Bautzen/Leipzig (dpa/sn) - Frischgedrucktes aus der Oberlausitz: Mit ihren Neuerscheinungen fahren vier Verleger aus dem Osten Sachsens zur Leipziger Buchmesse. In ihrem Gepäck haben sie Regionalliteratur vom Krimi bis zu Geschichten aus der Heimat. So wird der Domowina-Verlag aus Bautzen die Autobiografie «Leben im Zwiespalt 1» des sorbisch-deutschen Dichters und Publizisten Benedikt Dyrlich (geboren 1950) vorstellen.

Es sei spannende Lektüre, wie Verlegerin Maria Matschie am Montag sagte. Dyrlich verließ 1964 den gängigen Weg eines DDR-Schülers und wollte am Bischöflichen Vorseminar in Schöneiche Priester werden. «Die Ausbildung bricht er ab, stattdessen wird der Sorbe Literat, Theaterdramaturg, Politiker, Chefredakteur», sagte Matschie. Seine Autobiografie beruhe auf Tagebüchern und Briefen aus den Jahren 1964 bis 1989. Geplant ist beim Domowina-Verlag außerdem ein Bildband über die bildende Künstlerin Maja Nagel.

Ein Klassiker der sorbischen Wissenschaft wird erstmals ins Deutsche übersetzt. «Die Statistik der Lausitzer Sorben» trug Arnošt Muka Ende des 19. Jahrhunderts wandernd zusammen. Für seine Erhebungen lief der Ethnograph und Sprachwissenschaftler zu Fuß durch die Lausitz. Neben Zahlenmaterial enthält sein Werk auch ausführliche Beschreibungen der zweisprachigen Lausitz an der Schwelle zum Industriezeitalter. Der 1958 gegründete Domowina-Verlag ist der einzige sorbischsprachige Verlag in Deutschland.

Ein junges Pendant zum Domowina-Verlag ist der Neissuferverlag aus Görlitz, den Verlegerin Natascha Sturm 2015 gründete. Zuerst veröffentlichte sie ihre eigenen Bücher für Kinder, inzwischen hat Sturm mit Sylke Hörhold eine der Krimiautorinnen aus der Region unter Vertrag. «Diese Oberlausitzer Krimireihe mit dem dritten Fall für die Rechtsanwältin Julia Eisler werden wir zu Buchmesse vorstellen», sagte Sturm. Der erste Teil des Regionalkrimis wurde wegen der Nachfrage bereits neu aufgelegt.

Ein weiterer Verleger aus Görlitz ist Gunter Oettel. Er bringt regionale Handwerksgeschichte heraus. Im Buch zu «Historischen Briefbeschwerern» werfen Elke und Roland Friedrich einen etwas anderen Blick auf die Glasmacher der Lausitz. «Diese Briefbeschwerer wurden in Arbeitspausen oder nach Feierabend hergestellt und gehören mit zum Prächtigsten, was die Glasmacherkunst hervorgebracht hat», sagte Oettel.

Ein eher untypischer Verlag ist das Museum der Westlausitz in Kamenz, das aber bereits seit Jahren eigene Publikationen herausbringt. Zur Buchmesse stellt es die Forschungsgeschichte der Amphibien unter dem Titel «Amphibios - vom Wunder der Verwandlung» vor.

Die Leipziger Buchmesse vom 21. bis 24. März ist der wichtigste Frühjahrstreff der Buch- und Medienbranche und versteht sich als Messe für Leser, Autoren und Verlage.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...